06.11.12

Vorwürfe gegen verstorbenen Moderator

Missbrauchsfälle um BBC-Star Savile ziehen weitere Kreise

Entsetzen über immer neue Fälle von Kindesmissbrauch. Nach Vorwürfen gegen Moderator Jimmy Savile kommen Taten aus Wales ans Licht.

Foto: dapd
Jimmy Savile, ehemaliger BBC-Star-Moderator in Großbritannien ist mittlerweile verstorben. Die Vorwürfe gegen ihn wegen Kindesmissbrauch werden immer lauter
Jimmy Savile, ehemaliger BBC-Star-Moderator in Großbritannien, ist mittlerweile verstorben. Die Vorwürfe gegen ihn wegen Kindesmissbrauch werden immer lauter

London. Eine breite Debatte über Kindesmissbrauch fesselt Großbritannien. Im Sog des umfassenden Missbrauchsskandals um BBC-Moderator Jimmy Savile ist ein alter Fall in walisischen Kinderheimen neu in die Schlagzeilen geraten. Nachdem sich Opfer aus den 1970er und 1980er Jahren über damals unzureichende polizeiliche Untersuchungen beschwert hatten, leitete Innenministerin Theresa May am Dienstag eine Überprüfung ein. Zuvor hatte schon Premierminister David Cameron erklärt, der Fall müsse neu aufgerollt werden.

Die Opfer hatten indes eine völlig neue Untersuchung gefordert. Es seien Täter aus allen Teilen der Bevölkerung – unter ihnen Abgeordnete, Richter und Polizisten – in den Missbrauch verwickelt gewesen, lauten die Vorwürfe. "Eine Untersuchung der Untersuchung macht keinen Sinn", sagte Steve Messham, eines der Opfer, der BBC. Der Labour-Abgeordnete Tom Watson warf Ministerin May vor, die Dinge verschleiern zu wollen. Die Innenministerin sagte dagegen: "Die Regierung behandelt diese Vorwürfe mit der größtmöglichen Ernsthaftigkeit." Der Chef der Verbrechensbekämpfungsbehörde NCA, Keith Bristow, solle die Untersuchung leiten.

Im Zuge einer früheren Untersuchung waren sieben Menschen zur Verantwortung gezogen worden. Opfer hatten in den vergangenen Tagen jedoch reklamiert, der Missbrauch sei weitaus breiter angelegt gewesen. Auch ein führender Politiker während der Regierungszeit von Premierministerin Margaret Thatcher soll angeblich beteiligt gewesen sein. May erklärte, es müsse genau geprüft werden, ob die Polizeiarbeit in Wales damals alle Aspekte des Falles erfasst habe.

Allein in dem BBC-Skandal sollen der vor einem Jahr gestorbene ehemalige Star-Moderator Jimmy Savile und andere über Jahre hinweg 300 junge Menschen missbraucht haben. Die Polizei hat inzwischen eine Großuntersuchung eingeleitet, 400 Ermittlungsstränge werden verfolgt. Die Verantwortlichen bei der BBC sehen sich mit der Frage konfrontiert, wer in der renommierten Sendeanstalt von den Vorgängen gewusst hat. 2006, als Savile nach mehr als 40 Jahren die letzte reguläre Sendung seiner Reihe "Top of the Pops" moderiert hatte, waren Spekulationen bereits im Umlauf.

Im Falle der Kinderheim-Misshandlungen in Wales hatte es im Jahr 1996 bereits eine umfassende Untersuchung gegeben. Die Ergebnisse der vom heutigen Außenminister und damaligen Wales-Minister William Hague in Auftrag gegebenen Untersuchung wurden 2000 veröffentlicht. Opfer gehen jedoch davon aus, dass damals Beweismaterial von der Polizei nicht ausreichend gewürdigt wurde und ein Teil der tatsächlichen Fälle gar nicht in die Untersuchungen eingegangen ist. Insgesamt sollen 40 Kinderheime mit Hunderten Opfern betroffen gewesen sein.

(dpa)
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