25.09.12

Düngemittelfabrik in Flammen

Großbrand in Krefeld versetzt Umgebung in Alarmstimmung

Nach einem Feuer in einer Düngemittelfabrik zieht eine Rauchwolke kilometerweit über den Rhein. Löscharbeiten dauern bis Mittwoch.

Foto: REUTERS

Die Löscharbeiten in der Krefelder Düngemittelfabrik werden voraussichtlich nicht vor Mittwochnachmittag beendet sein

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Krefeld. Schwarzer Rauch über Rhein und Ruhr: Ein Großbrand in einem Krefelder Düngemittel-Lager hat am Dienstag in Teilen Nordrhein-Westfalens für Alarmstimmung gesorgt. Angesichts der riesigen Rauchwolke, die sich bis in angrenzende Städte erstreckte, sollten Schüler und Kindergartenkinder die Gebäude zunächst nicht verlassen. Luftmessungen ergaben aber bis zum Abend keine gesundheitsgefährdenden Schadstoffwerte. Vier Menschen wurden durch das Feuer leicht verletzt, darunter zwei Feuerwehrmänner. Die Löscharbeiten sollen bis Mittwoch andauern.

Das Feuer war aus noch unbekannter Ursache gegen 7.00 Uhr in einer Lagerhalle im Rheinhafen ausgebrochen. Nach Angaben des Unternehmens waren dort etwa 20.000 Tonnen Dünger und 13.000 Tonnen Rohstoffe gelagert. Die Flammen waren nach wenigen Stunden weitgehend unter Kontrolle. Endgültige Entwarnung konnte am frühen Abend aber noch nicht gegeben werden, wie die Stadt Krefeld mitteilte. Etwa 450 Rettungskräfte waren im Einsatz.

Keine überhöhten Schadstoffwerte gemessen

Trotz der bedrohlich wirkenden Rauchwolke bestand für die Bevölkerung offenbar keine Gefahr. Bei Messungen auf dem Betriebsgelände sowie in den angrenzenden Städten seien keinerlei überhöhte Schadstoffwerte festgestellt worden, sagte ein Krefelder Stadtsprecher. Unter anderem sei die Luft auf Chlor, Salzsäure, Phosgen und Stickstoffverbindungen untersucht worden. Die Messungen wurden aber vorsichtshalber fortgeführt.

Auch der Betreiber des brennenden Lagers schätzte die Gefahr für die Bevölkerung als gering ein. Es entstünden zwar beim Verbrennen der Düngemittel "gewisse Dämpfe", sagte der Geschäftsführer des in Münster ansässigen Herstellers Compo, Jens Averdiek, dem TV-Sender N24. Die brennenden Materialien seien aber "allesamt keine Gefahrgutstoffe".

Zur Vorsicht hatten die Städte Krefeld und Duisburg Eltern dazu aufgerufen, ihre Kinder bis zum Nachmittag in Schulen und Kindergärten zu lassen. Auch in anderen Städten wie Essen und Mülheim wurden die Bewohner aufgefordert, sich nicht im Freien aufzuhalten sowie Fenster und Türen geschlossen zu halten. Der Betrieb an Schulen und Kitas in dem betroffenen Bereich sollte am Mittwoch wieder normal aufgenommen werden.

Keine Hinweise auf Brandstiftung

Auf der Spurensuche nach der Ursache des Großbrands befragte die Polizei am Nachmittag erste Zeugen. Nach Angaben der Ermittler gibt es keine Hinweise auf vorsätzliche Brandstiftung oder Fahrlässigkeit. Den Brandort selbst konnten die Ermittler noch nicht untersuchen. Dies sei erst möglich, wenn das Feuer komplett gelöscht sei, sagte der Sprecher.

Auch auf den Verkehr hatte die Rauchwolke Auswirkungen. Der Rhein wurde nach Angaben des Wasser- und Schifffahrtsamts Duisburg-Rhein zwischen Düsseldorf-Wittlaer und Rheinberg-Orsoy auf einer Strecke von fast 40 Kilometern für Schiffe gesperrt. Auch die Rheinbrücke an der Bundesstraße 288 zwischen Krefeld und Duisburg war laut Krefelder Stadtsprecher aus Sicherheitsgründen unpassierbar, ebenso die Zubringerstrecke über die Autobahn 524.

Am Flughafen Düsseldorf konnten zwar alle Flüge rechtzeitig starten und landen. Mehrere Dutzend Maschinen mit Kurs auf Skandinavien und Norddeutschland mussten ihre Flugroute jedoch leicht ändern, um der Rauchwolke zu entgehen, wie der Sprecher der Deutschen Flugsicherung in Nordrhein-Westfalen, Michael Fuhrmann, sagte.

Krefeld: Düngemittel-Fabrik in FlammenStepMap Krefeld: Düngemittel-Fabrik in Flammen


Großbrände in deutschen Fabriken und Lagerhallen

2. Januar 2012: Eine Kautschuk-Lagerhalle gerät in Hamburg in Brand, Löschwasser, Ruß und Rückstände des Naturgummis vermengen sich zu einer klebrigen Masse. Mehr als 20 Fahrzeuge der Feuerwehr müssen nach dem Einsatz stark verschmutzt aus dem Verkehr gezogen werden.

30. Januar 2012: Ebenfalls in Hamburg wird eine Bootshalle mit mehr als 40 Jachten bei einem Feuer zerstört. Die Feuerwehrleute müssen sich zurückziehen, nachdem Kraftstoff ausgelaufen ist. Nach vielen Stunden ist der Brand unter Kontrolle.

11. Februar 2012: Ein Großfeuer in einer Metallwarenfabrik im schwäbischen Leipheim (Bayern) zieht einen Schaden in zweistelliger Millionenhöhe nach sich. 25 Mitarbeiter der Nachtschicht können sich gerade noch retten.

17. März 2012: Ein technischer Defekt führt zu einem Großbrand in einem Recyclinghof im nordrhein-westfälischen Velbert im Kreis Mettmann. Mindestens drei Millionen Euro Schaden entstehen, nachdem ein Lagergebäude mit 140 Tonnen Verpackungen eingestürzt ist.

26. April 2012: Eine 24.000 Quadratmeter große Halle nahe des Flughafens Berlin-Tegel stürzt nach einem Großbrand in sich zusammen. In Brand geraten sind alte Fahrzeuge, Gasbehälter explodierten. Eine riesige Rauchwolke zieht über die Stadt.

29. Mai 2012: Auf dem Gelände einer Holzfirma im hessischen Wiesbaden kommt es zu einem Feuer, das einen Schaden in Millionenhöhe auslöst. Rund 200 Einsatzkräfte müssen verhindern, dass das Feuer auf andere Häuser der Firma übergreift.

12. Juni 2012: Im unterfränkischen Remlingen im Landkreis Würzburg brennt eine Halle mit Gabelstaplern, landwirtschaftlichen Maschinen und anderen Geräten im Wert von mehreren Millionen Euro. Die Rauchschwaden sind bis in die Stadt Würzburg zu sehen.

21. Juni 2012: Mehrere Ölfässer entzünden sich beim Brand in einer alten Produktionshalle im bayerischen Reichertshofen im Landkreis Pfaffenhofen. Der kräftige Rauch löst Atemwegsreizungen bei mehreren Menschen aus, allein am Gebäude wird ein Schaden von mehr als einer Million Euro festgestellt.

9. Juli 2012: Eine achtlos weggeworfene Zigarettenkippe entzündet ein Feuer in einer Krefelder Holzhandlung. Etwa 30 Millionen Euro Sachschaden sind die Folge. Ein 57-Jähriger soll die Kippe in der Gartenmöbelausstellung fallen gelassen haben. Rund 800 Feuerwehrleute kämpfen 26 Stunden lang gegen die Flammen.

 9. Juli 2012: Die Halle eines Kosmetikherstellers brennt in Thallwitz bei Leipzig komplett nieder. Die Zerstörung des 2.000 Quadratmeter großen Gebäudes zieht Kosten in Höhe von etwa 2,5 Millionen Euro nach sich. Eine große Rauchwolke entsteht, ein Feuerwehrmann kommt ins Krankenhaus.

25. Juli 2012: In einem Mülllager in Köln bricht ein Feuer aus. Die Einsatzkräfte brauchen zweieinhalb Tage für die Löscharbeiten, weil das Gebäude einzustürzen droht. Eine Rauchwolke legt sich über Köln, Experten stellen keine gefährlichen Messungen der Luft fest.

31. August 2012: Im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt gerät eine Lagerhalle in Brand. Wachs, Kartonagen und Kunststoffe zur Herstellung von Plastikverpackungen werden ein Raub der Flammen. Es entsteht etwa 1,7 Millionen Euro Schaden.

7. September 2012: Etwa 250 Feuerwehrleute kämpfen in der Nacht sechs Stunden gegen die Flammen im Lager eines Autozulieferers in Hannover. Dort stehen unter anderem Lösungsmittel, die Halle wird komplett zerstört. Der Schaden beläuft sich auf rund 3,5 Millionen Euro.

25. September 2012: Beim Großbrand in einer Krefelder Lager für Düngemittel werden gefährliche Nitrose-Gase freigesetzt. Eine riesige Rauchwolke zieht über den Rhein und Teile des Ruhrgebiets. Der Ausmaß des Schadens ist zunächst unklar.

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