Eliteschule Salem nimmt keine reichen Problemkinder mehr auf

Salem. Qualität statt Quantität ist das Motto des neuen Leiters am Eliteinternat Salem am Bodensee. "Ich habe beim Auswahlprozess der neuen Schüler darauf bestanden, dass man Wert legt auf Qualität, auch wenn nun dadurch ein paar Betten leer bleiben", sagte Bernd Westermeyer zu seiner offiziellen Amtseinführung am Wochenende.

130 Bewerber seien für dieses Schuljahr abgelehnt worden, obwohl noch etwa 30 Plätze besetzt werden könnten. "Wir stehen nicht zur Verfügung als Hafen für solche, die problembeladen, aber mit Geld daherkommen."

Der 43-jährige Westermeyer lenkt seit August 2012 die Geschicke des international bekannten Internats. Zuvor war er Leiter des Internatsgymnasiums Schulpforta bei Naumburg an der Saale in Sachsen-Anhalt. Am Sonnabend wurde Westermeyer offiziell in sein Amt an der Schule Schloss Salem eingeführt.

Das Niveau will Westermeyer dabei nicht nur an den Noten der Schüler festmachen. "Wir wollen nicht wie in einem Windhundrennen dem Numerus clausus hinterherhecheln, sondern setzen auch auf eine solide charakterliche Bildung und runde Persönlichkeiten." Das fördere das Internat mit sozialen Diensten, Erlebnispädagogik sowie Sport und Spiel: "Bei allem Anspruch und aller Etikette darf man auch mal wild sein, so wie bei der traditionellen Schlammschlacht zu Schuljahresbeginn."

Mehr als bisher wolle er Kinder aus weniger finanzstarken Familien an das Eliteinternat holen, betonte der gebürtige Westfale: "Mein Anspruch wäre, den Stipendiatenanteil von bisher rund 20 Prozent in Salem nach oben zu fahren." Zur Finanzierung möchte er verstärkt Wirtschaftsunternehmen und Stiftungen ins Boot holen: "Das ist mein klares Ziel: Die Wirtschaftsstärke dieser Region einzubinden." Das Internat am Bodensee, das 1920 unter anderem vom ehemaligen Reichskanzler Max von Baden und dem Reformpädagogen Kurt Hahn gegründet wurde, erhebt monatliche Schulgebühren von durchschnittlich 2600 Euro.

Westermeyer ist innerhalb von fünf Jahren der dritte Schulleiter. Nach zwei gescheiterten Besetzungen des Leiterpostens soll er das Internat nun in ruhigeres Fahrwasser bringen.

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