Kind und Karriere - unvereinbar?

Foto: Laible, Bodig

Eva Herman: Wirbel um das neue Buch der "Tagesschau"-Sprecherin. Viele Frauen sind empört über die konservativen Thesen der Moderatorin. Das Abendblatt sprach mit ihr.

Hamburg. "Die Emanzipation - ein Irrtum?", fragte Eva Herman (47) in einem Artikel des Magazins "Cicero" - und löste eine Welle der Empörung aus. Jetzt wirbt die Mutter eines acht Jahre alten Sohns in ihrem neuen Buch "Das Eva-Prinzip" vehement für ein traditionelles Rollenbild der Geschlechter, "um die Familie und damit die ganze Gesellschaft vor dem Aussterben zu bewahren". Unter dem Druck ihrer Kritiker(innen) gibt Herman, wie berichtet, sogar ihren Job als "Tagesschau"-Sprecherin auf. Feministinnen sind empört über die konservativen Thesen des Fernsehstars. Wörtlich schrieb Herman in ihrem "Cicero"-Beitrag: "Die Frau von heute ist im Stechschritt unterwegs, um die heterogenen Lebensinhalte unter einen Hut zu bringen. (. . .) Weder in der Karriere noch in der Küche ist die Frau voll handlungsfähig." Unterm Strich macht Eva Herman die Berufstätigkeit von Frauen als Ursache für eine zunehmend kinderlose Gesellschaft aus und stellt fest: "Wir Frauen sind dem Wahn verfallen, uns beweisen zu müssen, dass wir zu allem fähig sind. Und so führen wir auf fatale Weise unsere wunderbaren Kräfte in die falsche Richtung. Man könnte auch sagen: Wir vergeuden sie." Schließlich stellte Herman die Gleichberechtigung in Frage: "Es ist selbstverständlich, dass Frauen etwas lernen, dass sie sich weiterbilden und Aufgaben auch außerhalb der Familie übernehmen, wenn sie das Talent dafür haben. Doch all das sollte in Maßen geschehen. Es darf ihr Glück nicht allein darin bestehen, Geld zu verdienen und sich in der männlichen Berufswelt zu behaupten."

Frauenverbände forderten angeblich die Absetzung von Eva Herman bei der ARD. Ihr Buch, das in einem Monat erscheint, basiert nach Angaben ihres Verlags auf dem umstrittenen "Cicero"-Artikel. Auf der Internetseite des Pendo-Verlags heißt es über das 200-Seiten-Werk plakativ: "Zurück in die Steinzeit? Nur auf den ersten Blick." Es sei "das zentrale Anliegen des Buches, Frauen ihre Weiblichkeit neu entdecken zu lassen".

Heute Abend spricht Herman - nicht zum letzten Mal - die 20-Uhr-Ausgabe der "Tagesschau". Ende des Monats zieht sie sich zurück, "mit Rücksicht auf die Neutralität der ,Tagesschau'", wie sie sagt. Das Hamburger Abendblatt sprach mit Eva Herman.

ABENDBLATT: Warum haben Sie das Buch geschrieben?

EVA HERMAN: Ich habe selbst erlebt, welche Konflikte berufstätige Frauen und Mütter durchmachen. Wir Frauen nehmen uns nicht genug Zeit für Familie und Kinder. Wenn wir uns das bewusst machen, können wir viel verändern.

ABENDBLATT: Haben Sie die Empörung auf Ihre Thesen, etwa dass Frauen "nur in Maßen" Aufgaben außerhalb der Familie übernehmen sollten, einkalkuliert?

HERMAN: Die Empörung überrascht mich nicht, sie schlug ja schon nach meinem "Cicero"-Artikel im Mai hoch. Das Thema war lange tabuisiert, allerdings stochern viele meiner Kritikerinnen noch im Nebel, da ja niemand bisher den genauen Inhalt des Buches kennt. Ich hoffe, dass sich eine zweite, sachlichere Diskussion entwickelt, wenn das Buch zwischen dem 10. und 14. September erscheint.

ABENDBLATT: Wie genau sieht denn das Frauenbild in Ihrem Buch aus?

HERMAN: Ich habe mit dem Verlag vereinbart, vor dem Erscheinen nicht über den genauen Inhalt zu sprechen. Aber ich glaube, es ist klar, worum es geht . . .

ABENDBLATT: Haben Sie Ihre Entscheidung, bei der "Tagesschau" aufzuhören, aus freien Stücken getroffen, oder hat die ARD Sie unter Druck gesetzt?

HERMAN: Schon als der "Cicero"-Artikel erschien, gab es viele Gespräche mit der ARD, und mir war klar, dass dieses Problem nach dem Erscheinen des Buches wieder auftreten würde.

ABENDBLATT: Werden Sie künftig nur noch als Autorin arbeiten?

HERMAN: Eine Rückkehr zur "Tagesschau" ist nicht ausgeschlossen. Wir haben vereinbart, in ein bis zwei Jahren wieder darüber zu reden. Meine Sendungen "Wer hat's gesehen?" und "Herman & Tietjen" werde ich weitermachen.