Dienstwagen
Seit 27 Jahren zusammen: Pater Clemens und sein Mönchs-Mobil
Seit 1982 sind Funny und Pater Clemens ein "Paar". Rund 1.100.000 Kilometer - oder fast 30 Weltumrundungen - haben die beiden mittlerweile gemeinsam zurückgelegt.
Regensburg. "Wer rastet, der rostet", sagt Pater Clemens Habiger fröhlich und klopft seiner Funny liebevoll auf die Motorhaube. Funny ist ein Renault vom Typ R4, ein Sondermodell mit Glashubdach und buntem Seitenstreifen. Seit 1982 sind Funny und Pater Clemens ein "Paar". Nunmehr 27 Jahre fährt der 67 Jahre alte Kapuzinermönch aus Regensburg mit dem curryfarbenen Franzosen-Flitzer. Rund 1 100 000 Kilometer (oder fast 30 Weltumrundungen) haben "wir zwei beiden" - Pater Clemens spricht von seinem Wagen wie andere Männer von ihrer Ehefrau - mittlerweile gemeinsam zurückgelegt. Erlebt haben sie so einiges: ungezählte Bastelstunden ebenso wie eine Beinahe-Katastrophe. Rückblick: Im April 1982 möchte sich Pater Clemens ein neues Auto gönnen, "quasi als verspätetes Oster-Geschenk an mich selbst". Er will wieder auf sein "Glückspferd" setzen. "Denn", so sagt er aus tiefer Überzeugung, "Renault und ich, das gehört einfach zusammen!" Gedacht, gefunden, gekauft - und zwar besagte Funny, für 11 000 Mark. Die ersten Fahrten führten zumeist durch die bayerische Provinz, in der der Geistliche bis heute an vielen Orten die Kirche vertritt: bei Hochzeiten und Taufen genauso wie bei Beerdigungen oder ganz gewöhnlichen Gottesdiensten.
Die erste richtig große Reise ging 1986 nach Avignon in die Provence: "Ein Kumpane von mir hatte dort eine Freundin, die wir besuchen wollten", erinnert sich Pater Clemens und erzählt, dass er mit seinem "Oldie-Container" eher in Frankreich angekommen ist als sein Freund mit einem 1100er BMW.
Funny ist bestens ausgerüstet: Sein GTL-Motor hat 34 PS, verbraucht auf 100 Kilometer gerade mal 4,5 Liter Sprit und bringt's auf Spitzengeschwindigkeiten von 150 Sachen. Überhaupt sei sein Mönchs-Mobil technisch in einem guten, womöglich gar zu guten Stand: "In meinem Auto gibt's zwei Wassertemperaturmesser, mehrere Anzeigen für Öldruck, Öltemperatur und Vergasertemperatur, einen Unterdruck- und einen Höhenmesser. Außerdem besitze ich noch eine Weltzeituhr", listet der Pater das größtenteils von ihm selbst verbaute Inventar seines R4 auf. "Eine Standheizung, eine Kaffeemaschine, Gardinen und ein Waschbecken habe ich auch schon eingebaut. Und ein Brett, das ich statt des Beifahrersitzes einhängen kann, um darauf zu schlafen. Einige Ton-Effekte sorgen für Heiterkeit: Schiebe ich den Choke nicht zurück, wenn der Motor warm ist, zwitschert ein Kanarienvogel. Ist die Handbremse angezogen, gibt es Kuh-Gemuhe und Hundegebell. Und wenn ich die Türen nicht richtig schließe, ertönt 'Für Elise'." Pater Clemens schwärmt: "My car is my castle!" All den Schnickschnack, mit dem er seine Funny "aufgemotzt" hat, bekam der Kapuziner von netten Schülern geschenkt, die er immer wieder zu "Besinnungsfahrten", Einkehrtagen also, begleitet. "Die Jugendlichen wollen oft nicht wirklich zu diesen Tagen kommen, weil sie denken, dass die Leute ihnen dann von irgendwelchem weltfremden Zeug vorplappern", sagt der Pater. "Aber sobald sie mich in meiner Funny sehen, merken sie sofort: Der Kerl versteht was vom Leben!"
Der Kerl versteht nicht nur was vom Leben - er rettet sogar welches: Einmal nämlich brauste an einer Kreuzung ein anderes Auto über Rot und in Pater Clemens' R4, als dieser gerade seiner Wege zuckelte. "Wäre ich nicht da gewesen, hätte es die Fußgänger auf dem Zebrastreifen erwischt", sagt der Mönch und ergänzt: "Das sind Momente, in denen man dankend nach oben guckt."
Auch wenn Pater Clemens und sein R4 also alles andere als rasten - rosten tut zumindest das Auto. "TÜV hat er bis 2010. Aber demnächst bekommt er eine Rost-Kur. So sollten wir beide wohl noch ein paar Jahre haben."


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