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Aus aller Welt

Air France-Unglück: 28 Leichen geborgen

Tempomesser nicht allein für Absturz verantwortlich

Der Ausfall der Geschwindigkeitsmesser ist nach Einschätzung der Europäischen Flugsicherheitsbehörde EASA nicht allein für den Absturz verantwortlich.

Das Heckruder der abgestürzten Air France-Maschine wird vom brasilianischen Militär abtranportiert.
Foto: AFP

Buenos Aires/Sao Paulo/Paris. Trotzdem gab die Behörde eine Sicherheitsinformation für alle Betreiber von Langstreckenflugzeugen heraus. Air France erklärte, ihr bereits länger laufendes Programm zum Austausch der Geschwindigkeitsmesser sei nach dem Absturz am Pfingstmontag beschleunigt worden. Allerdings dementierte das Unternehmen am Dienstagnachmittag Gewerkschaftsangaben, nach denen Piloten künftig nur noch dann starten dürfen, wenn die Maschine mit mindestens zwei modernen Sonden zur Tempomessung ausgerüstet ist.

Mitten im Atlantik wurden am Dienstag vier weitere Todesopfer geborgen. Sie seien nordwestlich des Archipels São Pedro im Meer gefunden worden, teilte der brasilianische Fregattenkapitän Giucemar Tabosa mit. Damit wurden bisher 28 der 228 Menschen gefunden, die mit der Unglücksmaschine von Rio de Janeiro nach Paris fliegen wollten.

16 der geborgenen Leichen wurden mit Hubschraubern von der Fregatte „Constituição“ abgeholt und auf die Insel Fernando de Noronha geflogen. Die sterblichen Überreste der Verunglückten sollen auf der Insel zunächst untersucht und dann zur Identifizierung aufs Festland nach Recife gebracht werden.


Dabei will die Polizeiorganisation Interpol helfen. Es geht um den Abgleich von Fingerabdrücken, Röntgenaufnahmen der Gebisse und von Operationsnarben der geborgenen Leichen mit früheren Daten der Menschen an Bord. „Da die Opfer dieser Tragödie aus allen Teilen der Welt kommen, ist internationale Zusammenarbeit entscheidend für eine akkurate, würdevolle und schnelle Bergung und Identifizierung“, sagte Interpol-Generalsekretär Ronald K. Noble in Lyon.

In einer Erklärung wies die EASA die Piloten von Langstreckenflugzeugen darauf hin, dass auch bei einem Ausfall der Geschwindigkeitsmessung die Maschinen sicher geflogen werden können. Die entsprechenden Betriebsvorschriften müssten allerdings eingehalten werden. Die EASA arbeite zudem an einer möglichen Empfehlung für den Austausch der Geschwindigkeitsmesser der Airbus- Langstreckenjets.

Dazu hatte die französische Pilotengewerkschaft SNPL am Vormittag gesagt, bei Air France sollten bis kommenden Dienstag bei allen A330 und A340 mindestens zwei der drei sogenannten Pitot-Sonden jeder Maschine einer „sicheren“ Baureihe angehören. Andererseits könnten die betroffenen Maschinen nicht starten. „Das können wir nicht bestätigen“, sagte hingegen eine Air-France-Sprecherin in Paris.


Die französische Pilotengewerkschaft Alter riet den Air-France- Besatzungen, Flüge mit Airbus-Langstreckenjets mit Geschwindigkeitsmessern wie beim abgestürzten A330-200 abzulehnen. Die EASA hatte am Vormittag erklärt, um ein Flugzeug auch nach Ausfall der Geschwindigkeitsmessung manuell sicher fliegen zu können, müssen der Schub und die Neigung der Maschine – der Anstellwinkel - reguliert werden.

Der Autopilot schaltet sich bei Ausfall des Geschwindigkeitsmessers ab. Die genaue Geschwindigkeit müssten die Piloten nicht kennen, um ihren Flieger dennoch in der Luft zu halten. Anlass für die EASA-Mitteilung waren die bisherigen Erkenntnisse über den Absturz des Air-France-Airbus vor gut einer Woche. Mit Hochdruck arbeite die Behörde an einer verbindlichen Anweisung für die Flugzeugbetreiber, sagte ein Sprecher. Solche sogenannten Lufttüchtigkeitsanweisungen sind für die europäischen Betreiber verbindlich. Gewöhnlich schließen sich auch die weltweiten Flugsicherheitsbehörden den Anweisungen an. Die Pitot-Sonden werden von unterschiedlichen Unternehmen hergestellt. Die Fluggesellschaften selbst entscheiden, welche Sonden sie angebaut haben möchten.



Bei der abgestürzten Air-France-Maschine waren Sonden der Firma Thales aus der Baureihe AA angebracht. Eine mögliche Sicherheitsmaßnahme könnte dem EASA-Sprecher zufolge der Austausch von Geräten dieses Typs gegen die modernere Baureihe BA sein. Die Pitot-Sonden der A330 hatten vor dem Unglück widersprüchliche Messdaten geliefert. Ob das zum Absturz beigetragen hat, ist aber völlig unklar. In den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten wurden immer wieder Fälle gemeldet, in denen die Sonden für mehrere Minuten vereisten und falsche Daten lieferten. Der französischen Hersteller Thales hatte vor einigen Jahren die Drainage der Pitot-Röhre verbessert, in die bei Starts leicht Wasser eindringen kann.


Im März 2006 hatte Airbus in einem „service bulletin“ den Fluggesellschaften geraten, bei Mittelstreckenflugzeugen – den A320-Maschinen – die verbesserte Version einzusetzen. Später wurde vermutet, die bessere Drainage verringere auch das Vereisungsrisiko in sehr großen Höhen. In einem weiteren „service bulletin“ hatte Airbus daher im September 2007 empfohlen, auch Maschinen vom Typ A330 und A340 mit Thales-Sonden der verbesserten Version auszustatten. Die Airbus A330 gilt generell als sicheres Flugzeug. Nach 13 Millionen Flugstunden auf 3,3 Millionen Flügen wurden erst drei schwere Zwischenfälle gemeldet – darunter der Absturz der Air-France- Maschine. dpa/abendblatt.de

 

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