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Aus aller Welt

Traurige Gewissheit

28 Deutsche starben beim Airbus-Absturz

Bei dem Absturz der Air-France-Maschine im Atlantik sind nach neuen Angaben der Bundesregierung 28 Deutsche ums Leben gekommen.

Eine Öl-Spur an der vermuteten Absturzstelle des Airbus im Atlantik. Das Foto wurde aus einem Aufklärungsflugzeug des brasilianischen Militärs aufgenommen.
Foto: REUTERS

Paris/Berlin. Bei dem Absturz der Air-France-Maschine vor der Küste Brasiliens mit 228 Menschen an Bord sind nach neuen Angaben der Bundesregierung 28 Deutsche ums Leben gekommen. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte in Berlin, es sei inzwischen „traurige Gewissheit“, dass sich 28 deutsche Staatsangehörige an Bord des Airbus befunden hätten. Air France hatte die Zahl der deutschen Passagiere bislang mit 26 angegeben.

Unterdessen gibt es immer neue Spekulationen über die mögliche Unglücksursache. Nach Informationen der französischen Tageszeitung „Le Monde“ soll das Flugzeug in der Gewitterzone über dem Meer nicht mit angemessener Geschwindigkeit geflogen sein. Der Airbus des Typs A330 sei mit falschem Tempo unterwegs gewesen, zitierte die Website des Blattes am Donnerstag einen nicht genannten Experten aus dem Umfeld der Ermittlungen.

Das Unternehmen Airbus wollte deshalb am Donnerstag in Abstimmung mit der französischen Luftfahrtaufsicht an alle Fluggesellschaften mit Maschinen des Typs A330 eine Empfehlung verschicken. Der europäische Flugzeugbauer werde die Besatzungen daran erinnern, dass sie „bei schwierigen Wetterbedingungen den Schub der Triebwerke beibehalten müssen“. Airbus werde auch eine Geschwindigkeitsspanne nennen, die nötig sei, „um das Flugzeug auf Kurs zu halten“, hieß es in dem Bericht.

Das Unternehmen wollte den Bericht auf Anfrage nicht kommentieren und verwies auf die französische Luftfahrtaufsicht BEA, die mit den Ermittlungen zum Absturz der Maschine betraut ist. In Airbus-Kreisen hieß es, bei solchen Unfällen sei es üblich, dass der Hersteller alle Nutzer einer Maschine über „spezifische Verfahren“ oder Kontrollen informiere, die notwendig sein könnten.

Für Luftfahrtexperten ist die Empfehlung ein Hinweis auf einen möglichen Pilotenfehler. „Wenn das BEA eine Empfehlung so früh herausgibt, heißt das klar, dass sie wissen, was passiert ist“, sagte der ehemalige Pilot Jean Serrat der Nachrichtenagentur AFP. „Und wenn sie wissen, was passiert ist, dann haben sie aus Sicherheitsgründen die Pflicht, eine Empfehlung zu geben, um zu vermeiden, dass das nochmal geschieht.“ Laut Serrat wird beim Flug durch Turbulenzen üblicherweise die Geschwindigkeit verringert. „Aber wenn man die Geschwindigkeit zu stark reduziert, stürzt man ab."

Trotz intensiver Suche gibt es bislang keine Spur von den Opfern der Katastrophe. Die brasilianische Luftwaffe ortete zwar neue Wrackteile sowie eine lange Ölspur in dem Absturzgebiet etwa 1200 Kilometer nordöstlich von Brasiliens Festlandküste. „Es wurden (aber) keine Leichen und Überlebenden gefunden“, sagte Verteidigungsminister Nelson Jobim am Mittwochabend (Ortszeit) in Brasília. Es gilt drei Tage nach dem Absturz des Airbus als nahezu unmöglich, dass jemand das Unglück überlebte.

Im Laufe des Donnerstags wurden weitere Schiffe der Marine in dem Seegebiet erwartet. Sie sollen eine Zone mit einem Radius von 230 Kilometer durchkämmen, die sich in der Nähe der Sankt-Peter-und- Pauls-Felsen, einer winzigen, kahlen und unbewohnten Inselgruppe im Atlantik, befindet. „Es gibt keinerlei Zweifel, dass die Absturzstelle an diesem Ort ist“, sagte Jobim.

Die Tageszeitung „Le Figaro“ (Donnerstag) berichtete unter Bezug auf Ermittlungskreise, die Trümmer seien über mehr als 300 Kilometern verteilt. Das spreche dafür, dass das Flugzeug in der Luft auseinandergerissen sein könnte. Grund könnten ein Bombenattentat, ein plötzlicher Druckabfall oder ein außergewöhnlich starkes Wetterphänomen sein. Das Amt für Unfallanalysen (BEA) in Paris hatte am Dienstag eindringlich vor Spekulationen über die Unglücksursache gewarnt.

Nach Informationen des Hamburger Luftfahrtexperten Heinrich Großbongardt sandte die Maschine vor dem Absturz eine ganze Reihe von Alarmmeldungen an die Air-France-Zentrale. Um 4.10 Uhr deutscher Zeit am Montagmorgen habe das System gemeldet, die Crew habe den Autopiloten abgeschaltet, um das Flugzeug von Hand zu steuern, sagte Großbongardt. „Dann gab es zwei bis drei Minuten lang eine Flut von Fehlermeldungen: Das Navigationsgerät fiel aus, die Bordbildschirme wurden schwarz und anderes.“



Die letzte Information kam demnach um 4.14 Uhr: „Der Kabinendruck fiel ab. Das war die letzte Meldung, die vom Flugzeug automatisch über Satellit an die Unternehmenszentrale gefunkt wurde“, sagte Großbongardt. Somit habe sich die gefährliche Lage binnen Minuten zugespitzt. Er geht davon aus, dass eine starke Gewitterfront dem Flieger zum Verhängnis wurde.


Zudem vermutet Großbongardt, dass heftige Vertikalböen die Geschwindigkeit des Unglücks-Airbus schlagartig verändert und so das Auseinanderbrechen der Maschine verursacht haben könnten. Spekulationen, wonach technische Schwachstellen beim Airbus zu dem Unglück am Montag geführt haben könnten, weist er hingegen zurück. „Es gibt andere, sehr viel alltäglichere Phänomene, die den Absturz erklären können.“


Die Tatsache, dass die Trümmer relativ weit verstreut worden seien, spreche dafür, dass das Flugzeug nicht intakt auf dem Wasser aufgeschlagen, sondern in größer Höhe auseinandergebrochen sei, sagte Großbongardt. Im aktuellen Fall gebe es nicht den geringsten Hinweis darauf, dass eine technische Panne eine Rolle gespielt haben könnte. Vielmehr könnte das Flugzeug aufgrund heftiger Böen seine Mindestgeschwindigkeit unterschritten haben: „Die Maschine fällt aus ihrem Geschwindigkeits-Fenster heraus und gerät außer Kontrolle“,beschreibt er das Szenario. „So könnten die mechanischen Belastungen entstanden sein, die zum Auseinanderbrechen geführt haben.“


Dass die Triebwerke durch Eisklumpen beschädigt worden sein könnten, hält der Hamburger Experte für wenig wahrscheinlich. „Grundsätzlich kann so etwas passieren. Aber in der Höhe, in der die Air-France-Maschine geflogen ist, ist das sehr unwahrscheinlich.“ Den Flug der Piloten in das Unwetter erklärt sich Großbongardt mit den begrenzten Wetter-Informationen im Cockpit: „Die Piloten wussten am Start, dass sie zwei starke Gewitterzellen vor sich hatten, vielleicht sahen sie die auch auf dem Wetterradar. Und sie sahen eine Lücke, etwa 200 bis 300 Kilometer groß, der Flugweg schien also eine gute Wahl zu sein. Doch plötzlich schloss sich diese Lücke, was die Piloten aber nicht sehen konnten.“


Das Radar zeige keine Wolken oder Turbulenzen, sondern nur Wassertropfen: „Da wo viel Wasser ist, ist das Radar rot, in anderen Bereichen gelb oder grün - da ist die Lage normalerweise besser. Wenn man jedoch auf ein entstehendes Gewitter zufliegt, in dem es noch keine großen Wassertropfen gibt, sieht man gar nicht, was einem bevorsteht.“


Der Airbus vom Typ A330-200 war am Pfingstmontag auf dem Weg von Rio nach Paris abgestürzt. Die 228 Menschen an Bord kamen aus 32 Ländern, unter ihnen waren 72 Franzosen, 59 Brasilianer und 28 Deutsche.

 

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