29.08.12London 2012
Gold bei Paralympics so viel wert wie ein halber Olympiasieg
Viele behinderte Sportler haben sich einen Namen gemacht. Bei den Prämien bleibt der Unterschied zu nichtbehinderten Kollegen aber groß.
Foto: Bongarts/Getty Images/Getty
Marianne Buggenhagen, 59, tritt zum sechsten Mal an
London. Die Paralympics treten aus dem Schatten von Olympia heraus, die Jahrzehnte der No-Name-Athleten bei Behindertenspielen sind vorbei. Die Stars der 14. Paralympics in London sind schon vor der ausverkauften Eröffnungsfeier (22 Uhr/ARD) bekannt: Oscar Pistorius mit seinem viel diskutierten Doppelstart, der frühere Formel-1-Pilot Alex Zanardi bei seinem Comeback im Handbike und Olympiasiegerin Ilke Wyludda mit dem Diskus. Das Fernsehen will mit 65 Stunden so viel berichten wie nie, die Tickets sind heiß begehrt - 2,4 Millionen sind verkauft, noch 100.000 Karten sind verfügbar.
4200 Athleten in 20 Sportarten treten beim weltweit zweitgrößten Sportfest an elf Wettkampftagen an. "Die internationale Professionalisierung geht schneller voran, als uns lieb ist, sodass wir manchmal denken, nicht mithalten zu können", gibt Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes, zu. Während die Briten mit einer Finanzspritze in den Leistungssport der Behinderten von 60 Millionen Euro in der Nationenwertung endlich an China vorbeiziehen wollen, könnte das junge deutsche Team mit Achtungserfolgen auf sich aufmerksam machen. Mindestens Platz elf (wie 2008) ist jedenfalls angepeilt.
Mit 150 Athleten und 100 Betreuern ist das deutsche Team um 20 kleiner als vor vier Jahren. Die bekanntesten sind die mehrfachen Siegerinnen Marianne Buggenhagen und Schwimmerin Kirsten Bruhn (42). Nach ihrem Rücktritt 2008 gibt die 59-jährige Buggenhagen ihr Comeback im Kugelstoßen und will auch bei ihren sechsten Paralympics nach Edelmetall greifen.
+++ Kommenatr: Gleiche Spiele für alle +++
Kurz vor Beginn der Spiele haben die Deutsche Sporthilfe und der Deutsche Behindertensportbund (DBS) die Zahlung an die Medaillengewinner auf 50 Prozent der Olympia-Gelder angehoben. "Diese Entwicklung ist enorm. Auf dem Weg zur Angleichung war diese erfreuliche Erhöhung ein wichtiger Schritt", sagte Beucher. Im Gegensatz zu den vergangenen Paralympics von Peking wird es in London für Gold 7500 statt 4500 Euro, für Silber 5000 statt 3000, und für Bronze 3000 statt 1500 Euro geben. Das finanzielle Ungleichgewicht zu den nichtbehinderten Sportlern bleibt aber weiter signifikant. Für die deutschen Olympia-Starter gab es 15.000 Euro für den Gewinn einer Goldmedaille.
Die 150 deutschen Athleten in London:
Bogenschießen (4 – 2/2): Matthias Alpers (Zeven), Maria Droste (Niedernberg), Katharina Schett (Dillingen), Maik Szarszewski (Illertissen)
Fechten (1 – 0/1): Simone Briese-Baetke (Dittwa
Gewichtheben (1 – 1/0): Mario Hochberg (Gotha)
Judo (5 – 3/2): Carmen Brussig (Schwerin), Ramona Brussig (Lachen), Sebastian Junk (Plankstadt), Matthias Krieger (Neckarsulm), Oliver Upmann (Hörstel)
Leichtathletik (33 – 14/19): David Behre (Leverkusen), Reinhold Bötzel (Hannover), Marie Brämer- Skowronek (Magdeburg), Marianne Buggenhagen (Bernau), Siena Christen (Freital), Wojtek Czyz (Kaiserslautern), Laura Darimont (Köln), Sebastian Dietz (Herford), Michaela Floeth (Schlitz), Isabelle Foerder (Eisenach), Ali Ghardooni (Magdeburg), Katrin Green (Oklahoma City/USA), Maike Hausberger (Butzweiler), Frances Herrmann (Lübbenau), Ulrich Iser (Sangerhausen), Birgit Kober (München), Vanessa Low (Leverkusen), Sandra Mast (Dornstetten), Mathias Mester (Köln), Claudia Nicoleitzik (Völklingen-Wehrden), Heinrich Popow (Leverkusen), Markus Rehm (Leverkusen), Jana Schmidt (Klocksin), Matthias Schröder (Berlin), Marc Schuh (Bergisch Gladbach), Matthias Schulze (Leipzig), Maria Seifert (Erfurt), Tamira Slaby (Essen), Niels Stein (Berlin), Frank Tinnemeier (Lemgo), Thomas Ulbricht (Salzwedel), Martina Willing (Brandenburg), Ilke Wyludda (Halle/Saale)
Radsport (15 – 10/5): Kerstin Brachtendorf (Riva/Gardasee/ITA), Hans-Peter Durst (Dortmund), Tobias Graf (Loßburg), Henrike Handrup (Wuppertal), Bernd Jeffré (Barmissen), Vico Merklein (Babenhausen), Norbert Mosandl (Neumarkt), Wolfgang Sacher (Penzberg), Denise Schindler (Richmond/CAN), Michael Teuber (Dietenhausen), Dorothee Vieth (Hamburg), Steffen Warias (Tübingen), Max Weber (Obergünzburg), Erich Winkler (Geisenhausen), Andrea Eskau (Bergheim)
Reiten (5 – 1/4): Hannelore Brenner (Wachenheim), Britta Näpel (Wonsheim), Angelika Trabert (Dreieich), Lena Weifen (Bösel), Steffen Zeibig (Arnsdorf)
Rudern (5 – 3/2): Tino Kolitscher (Halle/Saale), Astrid Hengsbach (Hagen), Kai- Kristian Kruse (Hamburg), Anke Molkenthin (Ainring-Hammerau), Johannes Schmidt (Offenbach)
Schwimmen (21 – 10/11): Kirsten Bruhn (Wasbek), Christoph Burkard (Zimmern-Horgen), Annke Conradi (Regensburg), Tanja Gröpper (Düsseldorf), Niels Grunenberg (Berlin), Sebastian Iwanow (Leverkusen), Julia Kabus (Berlin), Elena Krawzow (Bamberg), Andre Lehmann (Werder/Havel), Lucas Ludwig (Berlin), Swen Michaelis (Leipzig), Tobias Pollap (Hattingen), Christiane Reppe (Berlin), Torben Schmidtke (Potsdam), Maike Naomi Schnittger (Preußisch-Oldendorf), Verena Schott (Berlin), Daniela Schulte (Berlin), Martin Schulz (Leipzig), Daniel Simon (Berlin), Vera Thamm (Haltern am See), Stefanie Weinberg (Leipzig)
Segeln (4 – 4/0): Heiko Kröger (Jersbek), Jens Kroker (São Paulo/BRA), Siegmund Mainka (Borken), Robert Prem (Berlin)
Sitzvolleyball (10 – 10/0): Herren: Sebastian Czpakowski (Wuppertal), Stefan Hähnlein (Leverkusen), Christoph Herzog (Leipzig), Thomas Renger (Dormagen), Barbaros Sayilir (Leverkusen), Torben Schiewe (Nienhagen), Alexander Schiffler (Leipzig), Peter Schlorf (Berlin), Jürgen Schrapp (Leverkusen), Heiko Wiesenthal (Koblenz)
Schießen (8 – 6/2): Norbert Gau (Erdweg), Frank Heitmeyer (Bad Essen), Natascha Hiltrop (Heringen), Josef Neumaier (Altötting), Leopold Rupp (Berlin), Andreas Schäfers (Altenbeken), Jan Michael Schaub (Stadtallendorf), Manuela Schmermund (Niederaula)
Tennis (2 – 0/2): Sabine Ellerbrock (Bielefeld), Katharina Krüger (Berlin)
Tischtennis (12 – 11/1): Thomas Brüchle (Lindau), Werner Burkhardt (Bayreuth), Selcuk Cetin (Bad Kreuznach), Stephanie Grebe (Heidgraben), Jan Gürtler (Berlin), Dietmar Kober (Bischberg), Thomasz Kusiak (Köln), Holger Nikelis (Köln), Thomas Rau (Fehmarn), Thomas Schmidberger (Viechtach), Thorsten Schwinn (Münster), Jochen Wollmert (Stuttgart)
Basketball (24 – 12/12): Damen: Mareike Adermann (Essen), Annabel Breuer (Birkenhard), Annegrit Brießmann (Einhausen), Britt Dillmann (Gießen), Heike Friedrich (Obernburg), Maria Kühn (Stuttgart), Maya Lindholm (Hamburg), Marina Mohnen (Köln), Edina Müller (Hamburg), Gesche Schünemann (Gießen), Johanna Welin (München), Annika Zeyen (Hennef). Herren: André Bienek (Castrop-Rauxel), Thomas Böhme (Wettenberg), Thomas Gundert (Neuwied), Jan Haller (Wetzlar), Mathias Heimbach (Stadtbergen), Sercan Ismail (München), Dirk Köhler (Wetzlar), Andreas Kreß (Niedernberg), Björn Lohmann (Köln), Sebastian Magenheim (München), Dirk Passiwan (Konz), Sebastian Wolk (Frankfurt/Main)
Die XIV. Paralympics in Zahlen: Die Organisatoren um Mittelstrecken-Legende Sebastian Coe versprechen Paralympics der Superlative. Die "London 2012 Paralympic Games" sollen die größten in der 52-jährigen Geschichte der Behinderten-Weltspiele werden. Die Eckdaten der Paralympics:
4280 Athleten werden in 20 Sportarten an elf Wettkampftagen um insgesamt 503 Goldmedaillen kämpfen. In Peking 2008 waren es noch 3951 Sportler.
Die Rekordzahl von 2,5 Millionen Tickets wurde angeboten. Die Organisatoren rechnen damit, dass die Paralympics zum ersten Mal komplett ausverkauft sein werden.
580 Fackelträger werden die paralympische Flamme auf einem 24-stündigen Lauf getragen haben, wenn diese am Mittwochabend im Olympiastadion in Stratford bei der Eröffnungsfeier ankommt.
166 Nationen wollen teilnehmen. 16 davon geben ihr paralympisches Debüt – zum Beispiel Nordkorea und die Demokratische Republik Kongo.
1513 Frauen sind unter den Teilnehmern, mehr als jemals zuvor bei den 13 vorangegangen Paralympics und mehr als doppelt so viele wie in Barcelona 1992 (700 Teilnehmerinnen).
19 Wettkampfstätten wird es geben, in 17 davon wurde schon während Olympia um Medaillen gekämpft. Hinzu kommen zwei neue: die berühmte Motorsport-Rennstrecke Brands Hatch, wo die Straßenrad-Veranstaltungen stattfinden, und Eton Manor, ein Extra-Komplex im Olympiapark für die Rollstuhl-Tennis-Turniere.
6000 Medienvertreter werden über die Paralympics aus London berichten.
1250 Dopingkontrollen sollen vorgenommen werden. Das ist eine Steigerung um 25 Prozent im Vergleich zu Peking 2008.
15 verschiedene 100-Meter Finals der Männer wird es in dem komplexen paralympischen Klassifizierungssystem mit verschiedenen Behinderungsgraden geben.
In einer Werkstatt sollen 15 000 Ersatzteile bereitliegen, um die Rollstühle, Prothesen und Orthesen für die Athleten schnell reparieren zu können (dpa).
(sid/HA)