Montag, 13. Februar 2012, 19:46

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

Fußball in Hamburg

Erste Blindenfußball-Bundesliga: St. Pauli ist heute bei der Premiere dabei

Hamburg. Zielstrebig dribbelt Axel Richtung Tor. Sicher führt er das Leder von einem Fuß zum anderen. Bei jeder Berührung rasselt der Ball wie Schellen in einem Musikstück. "Weiter Axel, du hast Platz", ruft ihm jemand zu. "Parallel", schreit ein Mitspieler. Axel hält kurz inne, überlegt und zieht ab. Der Ball landet im kurzen Eck im Tor. Das weiß Axel jedoch erst, als sein Trainer Tor schreit. Axel Eichstädt ist blind - wie alle seine Mitspieler.

Seit knapp einem Jahr stürmt der 39-Jährige für die Blindenfußballmannschaft des FC St. Pauli. Sehen können da nur die drei Torwarte und die vier Trainer. Die Spieler hingegen müssen einen bestimmten Blindheitsgrad vorweisen, um mitkicken zu können. Zusätzlich tragen sie eine Augen- und eine Schutzmaske, um mögliche Unterschiede in der Sehschädigung auszugleichen.

In Deutschland gibt es Blindenfußball seit Mai 2006. Zwei Monate später wurde das St.-Pauli-Team gegründet. Die Mannschaft trainiert mindestens drei Stunden in der Woche. In der letzten Zeit haben sie sogar Extraschichten eingelegt. Sie wollen fit sein. Denn unter der Schirmherrschaft von Uwe Seeler startet heute die erste Blindenfußball-Bundesliga (DBFL) in Deutschland. An drei Wochenenden treten die "Paulianer" gegen sieben weitere Blindenteams an, um deutscher Meister zu werden. Die Spielorte der Partien sind vorerst Berlin, Stuttgart und Dortmund.

Der Blindenfußball orientiert sich nach den Regeln der International Blind Sports Federation (IBSA). Vier Feldspieler, egal ob weiblich oder männlich, stürmen und verteidigen, und ein Sehender bewacht das Tor. Gespielt werden zweimal 25 Minuten, die Halbzeit dauert zehn Minuten. Das Spielfeld misst 40 mal 20 Meter, Banden grenzen es ab. Die Tore sind ähnlich groß wie Handballtore. Der Ball ist kleiner und schwerer als ein Fifa-Fußball. Im Inneren befinden sich Rasseln.

Axel Eichstädt ist von Geburt an blind, er kennt sich also gut damit aus, was Blinde können. Und Fußball gehörte nach seiner Einschätzung nicht dazu. "Ich dachte: Wie soll das gehen?", erinnert er sich. "Die rennen sich doch alle über den Haufen." Doch bereits beim ersten Training war er erstaunt, wie gut er mit dem Ball umgehen konnte. Und Angst hatte er auch nicht, dabei kann es schon mal sein, dass ein Verteidiger den Stürmer umrempelt. "Man muss eben während des Spiels viel miteinander sprechen", sagt Axel. Zusätzlich bekommen die Spieler Anweisungen von zwei Lotsen. Daher darf das Publikum leider nur bei Toren jubeln.hpjb

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus