Skandalsport-Report
Paintball im Kreuzfeuer der Diskussion
Aggressives Geballer oder harmloses Spiel? Das ist die Frage, die sich derzeit nicht nur die Politiker stellen. Ein Erlebnis-Bericht von Janine Hutter.
Paintball soll in Kürze verboten werden.
Foto: DDP
Hamburg. Als meine Freundin im Radio gehört hat, dass das Paintballspielen in absehbarer Zeit verboten werden könnte, hat sie beschlossen, die Gelegenheit noch einmal beim Schopfe zu packen und uns zu ihrem Geburtstag in eine Anlage im Norden Hamburgs eingeladen. Wir entscheiden uns in der Vorbereitung für eine eher mickrige Schutzausrüstung, denn wir wollen ja keine Memmen sein, sondern am eigenen Leib erfahren, worum es bei diesem Spiel geht. Maske und Brustschutz bei Frauen sind allerdings Pflicht. Unsere männlichen Spielgefährten freuen sich anfangs noch darauf, sich mit einer anderen Gruppe zu messen, die angeblich schon Erfahrungen im Paintballspielen hat.
Gemeinsam werden wir in das Werkzeug und in die Abläufe instruiert. Ein Mann, der mit seiner Maske und dem Outfit aussieht wie dieser Bushido oder Sido, erklärt uns, dass die monströse Waffe, die wir in den Händen halten, gar keine Waffe sei, sondern ein „Markierer“.
Wenn jemand auf dem Spielfeld „markiert“ ist, soll er eine Hand heben, seine Waffe nach unten halten und hinter die Absperrung gehen. Er sei dann aus dem Spiel ausgeschieden.
Es geht also kurz gesagt darum, in diesem Spiel möglichst alle Gegenspieler mit den kleinen Farbkügelchen abzuschießen..äh...zu markieren, bevor sie dich erwischen.
Wir haben noch ein paar Minuten Wartezeit, bevor wir aufs Feld dürfen. Wir trinken abgestandenen Kaffee, während es im Hintergrund „PAUH-PAUH-PAUH“ macht, was einem durch Mark und Bein geht. Langsam werden wir nervös. „Es tut höllisch weh, wenn man getroffen wird,“ berichten Erfahrene.
Jetzt geht es los. In einer beengenden Halle mit wenig Schutzmöglichkeiten stehen wir der gegnerischen Mannschaft gegenüber. Durch die Maskerade ist schwer zu erkennen, wer Freund und wer Feind ist. Startsignal. Lautes Knallen! Flucht hinter die Luftpolster. Ich traue mich kaum hervor. Erste Schreie ertönen von meinen Kameraden, die erhobener Hand vom Feld weichen.
Es bringt nichts mich zu verstecken, sage ich mir und schaue mit einem Auge an meinem Schutz vorbei, während ich aus meinem Markierer einige Kugeln abgebe. Noch etwas unkontrolliert, aber auch ich treffe jemanden, und ich fühle mich, als hätte ich es drauf. Das Ganze fängt an, mir Spaß zu machen. Als Letzte aus meiner Mannschaft stehe ich unter dem Geschoss des Gegners und schaue immer nur vereinzelt hervor, um gezielt jemanden zu treffen.
Plötzlich Stille. Ich höre noch, dass meine Freunde hinter der Absperrung rufen, aber ich kann nicht verstehen, was. Ich schaue nach links. In nur zwei Meter Entfernung steht Er direkt neben mir. GOTCHA! Getroffen.
Verdammt, das tut wirklich weh! Ich kehre zurück in die Realität und hinter die Absperrung zu meinen Freunden. Alle regen sich über ihre Blessuren auf und darüber, dass wir zunächst gegen eine erfahrene Mannschaft gespielt haben, vor allem die weiblichen „Sportler“ unter uns.
Wie sich herausstellt, sogar noch erfahrener, als wir gedacht hätten: Es sind Bundeswehr-Soldaten, die dort einen Lehrgang absolvieren. Gut, dass ich das nicht vorher gewusst habe.
So eng liegen Spaß und Ernst manchmal beieinander.









Branchenbuch Hamburg
Abendblatt auf Facebook
100. Geburtstag
Axel Springer







