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Sportplatz Hamburg

Kommentar

Streben und sterben lassen

Die Sportstadt Hamburg aus sportwissenschaftlicher Perspektive betrachtet - TOBIAS KNAACK bewertet die Soll- und Ist-Zustände in der Hansestadt.

Ist Hamburg eine Sportstadt?
Foto: dpa

Hamburg. – das „Tor zur Welt“. Diese Betitelung rechtfertigt sich aus der Bedeutung der Stadt als Hanse-, Hafen- und Handelsstadt. Die hiesige Universität beschreibt sich selbst in aller Bescheidenheit als „Tor zur Welt der Wissenschaft“. Einzig wie sich dieser Titel rechtfertigen lässt, ist noch ungeklärt. In Hochschulrankings rangiert man mit beeindruckender Konstanz nicht nur hinter Konstanz, sondern auch auf hinteren Plätzen, und nur naturwissenschaftliche Fachbereiche machen insbesondere im Bereich Forschung positiv auf sich aufmerksam. Angesichts dieser Hiobsbotschaften strebt die Universität nun also in einigen (Fach-) Bereichen mit aller Macht nach Exzellenz. Das ist natürlich eine exzellente Idee, würde man nicht den Eindruck gewinnen, dass auf diesem Wege andere Fachbereiche ganz exzellent abgewickelt werden. Und so wird das Streben der einen zum Sterben der anderen. Nicht nur weil sie ein Anagramm bilden, liegen diese beiden Worte also bedenklich nah beieinander.

Nehmen wir den Fachbereich Bewegungswissenschaft. Ehemals ein Hort innovativer und ganzheitlicher Vermittlung und Betrachtung von Sport. Heute nur noch ein chronisch unterfinanzierter Klotz am Bein der Universität, die Gelder fließen halt woanders hin. Und das in der Sportstadt Hamburg, als die sie sich gerne sieht (oder besser: sehen würde). Ähnlich erfolgreich wie die Olympia-Bewerbung wird nun auch die als Teil des Sportstadt-Konzeptes ausgegebene enge Verknüpfung von Sport und Wissenschaft in der Stadt verfolgt – gar nicht. Wie sonst sind die Zustände am Fachbereich zu erklären? Marode Gebäude nehmen sich da fast noch als das geringste Problem aus. Da wird - von oben auferlegt - ein System über einen Studiengang gepfropft, das ein Sportstudium hart an der Grenze zur Unstudierbarkeit kreiert. Als Ausgleich wird offen von der Ausbedienung der Altstudierenden gesprochen. Nicht bloß ein schönes Wort, sondern knallharte Realität radikaler Lehrangebotskürzung. In Wirtschaftsunternehmen – und zu einem solchen mutiert die Universität ja gerade – würde man so etwas wohl eine lose-lose-Situation nennen.

Leider hat in Hamburg das Tor zur Welt der Wissenschaft heute keine monumentalen Flügeltüren mehr, sondern nur noch eine Drehtür, durch die Menschen (neusprachlich: fertige Produkte) in größtmöglicher Geschwindigkeit bei kleinstmöglicher Ausbildung hindurchgeschleust werden. Manche mögen das minimalistisch nennen, in Wahrheit ist es die Verkümmerung (sport-)wissenschaftlicher Bildung!

Die Universität und auch die Stadt schießen sich mit dieser Politik ein Eigentor zur Welt der Wissenschaft und machen sich so selbst zum Tor der Wissenschaft.

 

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