26.06.12

Olympische Sommerspiele 2012

"Festung" London putzt sich für die große Show heraus

Am Mittwoch sind es nur noch 30 Tage. Dann eröffnet Königin Elizabeth II. die Olympischen Sommerspiele. London beginnt bereits zu strahlen.

Foto: picture-alliance/ dpa/EPA
Auch an der Londoner Tower Bridge sind die Spuren von Olympia nicht mehr zu verkennen
Auch an der Londoner Tower Bridge sind die Spuren von Olympia nicht mehr zu verkennen

Köln/London. Einen Monat vor dem Olympia-Auftakt präsentiert sich London als Stadt extremer Kontraste: Raketenabschussrampen auf Wohnhäusern, Kampfjets in Alarmbereitschaft und ein Kriegsschiff auf der Themse machen die 8-Millionen-Metropole zur Hochsicherheitszone. Parallel dazu schmückt sich die erste Stadt der Welt, die zum dritten Mal Gastgeber der Spiele ist, von Tag zu Tag schöner und bunter mit dem olympischen Design.

An der Oxford Street wehen nun auch die Fahnen der 205 Nationen, die vom 27. Juli bis 12. August zur großen Show erwartet werden. Die seit Monaten beim Anflug auf den Flughafen Heathrow sichtbaren riesigen Olympischen Ringe sind nun auch an der Tower Bridge installiert. Im Süden der Stadt ist die für den eiligen Verkehr der Spiele konzipierte Olympic Lane bereits auf dem Asphalt markiert, und am Buckingham Palace, in dessen Nähe Beachvolleyball und Marathonlauf stattfinden, wurde aus Gründen der Sicherheit die ganze Mall gesperrt.

Ähnlich wie die Furcht vor einem Terroranschlag ist die Angst vor dem Verkehrskollaps stets präsent. Auch bei der Feier zum 60. Thronjubiläum von Königin Elizabeth II., die am 27. Juli die 30. Olympischen Sommerspiele eröffnen wird, fiel das mit 7,8 Milliarden Euro modernisierte U-Bahn-System beim Ansturm der Massen durch. Angesichts der 500.000 erwarteten Olympiagäste befürchten Skeptiker den Kollaps. Die Londoner wurden schon angehalten, während der Spiele neuralgische Bahnhöfe wie London Bridge zu umfahren.

Um einem Chaos zu entgehen, fliehen viele in der Zeit der Spiele aus der Hauptstadt, zumal sie ohnehin keines der bisher abgesetzten fünf Millionen Tickets erstanden haben. Und was jetzt noch zu haben ist, will keiner mehr. Es mutet grotesk an im Mutterland des Fußballs, doch fast eine Million Karten für das Fußball-Turnier in sechs Städten des Landes finden keine Abnehmer. Die Briten, verwöhnt durch hochklassige Spiele der Premier League, haben keine Lust auf olympischen Fußball.

Lord Sebastian Coe, als Vorsitzender des Organisationskomitees LOCOG der Frontmann der Spiele, wird nicht müde, die erwarteten Probleme zu negieren. "Unsere Experten haben alles im Griff. London ist während der Spiele eine sichere Stadt", sagt der von der Queen geadelte 1500-m-Olympiasieger. Er vertraut auf die eng vernetzten Behörden und rund 23.700 Sicherheitskräfte, darunter 13.000 Soldaten. Scotland Yard und alle Geheimdienste sind involviert. Dass es schon zweimal gelang, Bombenattrappen auf das Olympiagelände zu schmuggeln, wird nicht weiter kommentiert. Auch Premierminister David Cameron spricht da lieber von der "größten Sicherheitsoperation auf britischem Festland in Friedenszeiten".

Die Kosten für die Sicherheit schnellten auf nicht offiziell bestätigte 1,2 Milliarden Euro. Das Budget der Spiele von 9,3 Milliarden Pfund (11,25 Milliarden Euro) gerät laut Coe dennoch nicht aus den Fugen, weist angeblich sogar 591.000 Euro an Reserven auf. Auch weil die Kosten für die längst fertiggestellten Olympiabauten im Kontrast zu anderen Gastgebern früherer Spiele beim laut Coe "nachhaltigsten und grünsten Olympia der Geschichte" auf den letzten Metern nicht mehr in die Höhe schnellten.

Die 7,8 Milliarden Euro zum Ausbau des Metro-Systems sind als infrastrukturelle Maßnahme nicht im Olympia-Etat enthalten. In das aus dem vorletzten Jahrhundert stammende veraltete Straßensystem wurde erst gar nicht investiert, der öffentliche Verkehr durch die Entscheidung pro Olympic Lane sogar weiter eingeschnürt. 10.000 Taxifahrer haben angekündigt, während der Spiele ihren Dienst einzustellen. Das würde die U-Bahn umso mehr belasten. (sid/abendblatt.de)

Olympische Sommerspiele 2012 in London
Der Gastgeber:
London, Inner City 2,95 Mio. Einwohner, Großraum 8,3 Mio., Größe 1570 qkm
Großbritannien: 62 Mio. Einwohner, 244.800 qkm
Zeitraum der Spiele: 27. Juli bis 12. August 2012
Vorherige Olympische Spiele: 1908 (West-London), 1948 (Wimbledon/Umgebung)
Entfernungen: 80 Prozent der Wettkampfstätten 20 Minuten vom Athletendorf
Weiteste Wege: Rudern/Kanu in Eaton (56 km Nord), Segeln vor Weymouth (200 km Südwest)
Der Weg zu Olympia:
Wahl zur Olympiastadt am 6. Juli 2005 in Singapur
Im vierten Wahlgang 54:50 gegen Paris, zuvor ausgeschieden: Madrid (31), New York (16), Moskau (15)
In der Vorauswahl gescheitert: Leipzig, Rio de Janeiro, Istanbul, Havanna
Das Organisationskommitee:
LOCOG (London Organising Committee of the Olympic and Paralympic Games)
Vorsitzender: Lord Sebastian Coe, 1500-m-Olympiasieger 1980 und 1984
Die Kosten der Spiele:
Gesamt-Etat ca. 11,25 Milliarden Euro, davon ca. 8,5 Mrd. für Bauten, 1,2 Mrd. für Sicherheit, im LOCOG-Etat ca. 2,2 Mrd. Organisationskosten
Die Zuschauer:
Ca. 8 Mio. Tickets, davon rund 6 Mio. im Verkauf
Besucher in London: Rund 500.000 Gäste aus aller Welt
Die Besonderheiten:
Erste Stadt der Welt mit drei Olympischen Spielen (zuvor 1908, 1948)
Laut LOCOG nachhaltigste und "grünste" Spiele der Geschichte
Die Entscheidungen:
302 wie 2008 in Peking
Die Sportarten:
26 nach Streichung von Softball, Baseball nach Peking 2008:
Badminton, Basketball, Bogenschießen, Boxen, Fechten, Fußball, Gewichtheben, Handball, Hockey, Judo, Kanu, Leichtathletik, Moderner Fünfkampf, Radsport, Reiten, Ringen, Rudern, Schießen, Schwimmen (Synchronschwimmen, Wasserball), Segeln, Turnen (mit Rhythmischer Sportgymnastik, Trampolin), Taekwondo, Tennis, Tischtennnis, Triathlon, Volleyball (Halle und Beach)
Veränderte Disziplinen gegenüber Peking 2008:
Kanu: Männer-Wettbewerbe über 200 m statt 500 m
Neu: Frauen Kajak-Einer 200 m
Streichung: Männer Canadier Zweier 500 m
Segeln
Neu: Frauen Match Race Elliott 6 m
Streichung: offene Klasse Tornado und Frauen Yngling
Radsport
Neu: Männer und Frauen Omnium, Frauen Teamsport, Teamverfolgung
Streichung: Männer und Frauen Einerverfolgung und Punktefahren, außerdem Männer Madison
Fechten
Neu: Frauen Mannschaften Degen und Männer Florett
Streichung: Frauen Mannschaften Säbel und Männer Degen
Boxen:
Neu: Frauen Fliegen-, Halbwelter- und Halbschwergewicht
Streichung: Männer Federgewicht
Tennis:
Neu: Mixed (zuletzt 1924 bei Olympia)
Wettkampfstätten (3 Zonen in London)
1) Olympische Zone mit Olympiapark in Stratford (6 km östlich des Zentrums)
Olympisches Dorf (17.320 Athleten und Offizielle aus 205 Nationen)
Medienzentrum (22.000 Journalisten/Techniker)
Olympiastadion: Leichtathletik, Eröffnungs- und Schlussfeier (80.000 Plätze)
Aquatic Centre: Schwimmen, Wasserball-Arena, Velopark (Bahnrad/BMX),
Hockey Centre, Basketball-Arena (auch Handball-Finals), Handball-Arena (auch Fechten im Modernen Fünfkampf)
Außerdem Eaton Manor (Training Schwimmen, Wasserball)
2) Fluss-Zone (im Osten Londons, südlich des Olympiaparks)
Exhibition: Boxen, Fechten, Judo, Taekwondo, Tischtennis, Ringen, Gewichtheben
North Greenwich Arena: Turnen, Trampolin, Basketball-Finals
Greenwich Park: Reiten, Moderner Fünfkampf (Reiten und Schießen Mod. Fünfkampf)
Royal Artillery Barracks: Sportschießen
3) Zentrale Zone (Stadtzentrum und Westen)
Wembley-Stadion: Fußball
Wembley-Arena: Badminton, Sportgymnastik
Wimbledon: Tennis
Lords Cricketgelände: Bogenschießen
Regents Park: Straßenradsport
Horse Guards Parade: Beachvolleyball
Hyde Park: Triathlon, Freiwasserschwimmen
Earls Court Exhibition Centre: Volleyball
4) Sportstätten außerhalb Londons
Essex: Mountainbike
Waltham/Lee Valley: Kanuslalom
Windsor/Dorney Lake: Rudern, Kanu
Weymouth/Insel Portland (Südküste/190 km): Segeln
Glasgow, Cardiff, Manchester, Newcastle, Coventry: Fußball-Vorrunden
Material: sid
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