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Olympia Peking 2008

Rudern: Deutsche Flotte erstmals seit 52 Jahren ohne Gold

Carow knapp an Bronze vorbei

Auch Maren Derlien blieb nach dem Aus mit dem Achter im Zweier ohne nur der undankbare vierte Platz.

Shunyi. Berit Annika Carow lächelte. Und es wirkte keineswegs wie das Lächeln einer Verzweifelten. Dabei hätte die 27 Jahre alte Hamburgerin, wie sie später erzählte, "am liebsten die Anzeigetafel ins Wasser geworfen", als die Vier, das Ende ihrer Träume, in Gelb auf Schwarz vor dem Kürzel "GER" für Germany aufblinkte.

Mit der Rostockerin Marie-Louise Dräger (25) hatte sie auf der Ruderstrecke in Shunyi nordöstlich von Peking die ersehnte (Bronze-)Medaille im leichten Doppelzweier um gerade vier Hundertstel verpasst. Die Kanadierinnen Melanie Kok/Tracy Cameron waren - zwei Bahnen über ihnen - nach 2000 Metern 19 Zentimeter vor den beiden Deutschen eingetroffen. Kirsten van der Kolk/Marit van Eupen (Niederlande) siegten vor Sanna Sten/Minna Nieminen aus Finnland.

Im Ziel, nach einem langen Spurt auf den letzten 500 Metern, glaubten Carow und die leicht erkältete Dräger, "es irgendwie geschafft zu haben", weil für ihr und das kanadische Boot keine Platzierung angezeigt wurde. Die Hoffnung starb nach einer halben Minute bangen Wartens. "Im ersten Moment", sagte Carow, "zieht es dir die Beine weg." Nach einer kurzen Analyse des Rennens gesellte sich zu der Enttäuschung die Erkenntnis, "nichts falsch gemacht, die richtige Taktik gewählt und alles gegeben zu haben". Sie hätten sich nichts vorzuwerfen, meinte Carow. Das mache den vierten Platz nicht schöner, "nur erträglicher". Für ihre erste Teilnahme an Olympia, zog sie für sich Bilanz, habe es sich dennoch gelohnt, ihre Doktorarbeit in Biochemie hintanzustellen. "Die Spiele sind ein großartiges Ereignis. Ich habe es genossen, dabei zu sein."

Auch Maren Derlien (32), Carows Klubkameradin von der RG Hansa, musste sich die Siegerehrung aus der Ferne anschauen. Mit Lenka Wech (32) aus Saarbrücken hatte sie im Zweier ohne Steuerfrau lange auf Platz drei gelegen, dann fehlten beiden die Kräfte, um dem flotten Finish der Konkurrenz aus Rumänien, China und Weißrussland Paroli bieten zu können. Mit knapp drei Sekunden Rückstand wurden sie ebenfalls Vierte. Der Doppelstart im Achter, der im Vorlauf gescheitert war, könnte sich letztlich gerächt haben. "Optimal ist es für uns jedenfalls nicht gelaufen", meinte Derlien.

Bastian Seibt (30; Der Hamburger und Germania Ruder Club) saß derweil im Radstadion auf der Tribüne und suchte Ablenkung. "Ich hätte es nur schwer ertragen, den Endläufen zuzuschauen", sagte er. Eine Virusinfektion hatte ihn und seinen leichten Vierer ohne Steuermann vor dem Halbfinale lahmgelegt. Dem Boot waren gute Medaillenchancen eingeräumt worden. Sechs deutsche Ruderer und ein Trainer, dazu Athleten anderer Nationen waren in den vergangenen Tagen an grippeähnlichen Symptomen erkrankt. Ein erster Verdacht: Es könnte sich um eine leichte Form der Legionärskrankheit handeln. Das Virus dürfte sich über die Klimaanlagen verbreitet haben. Seibt geht es wieder gut, "rein körperlich zumindest". Das Finale in seiner Bootsklasse werde er sich irgendwann auf Video anschauen.

Analysieren müssen wird auch der Deutsche Ruderverband (DRV) den schlimmsten Schiffbruch seit 52 Jahren. 1956 in Melbourne hatte es das bisher letzte Mal nicht zu Gold gelangt. Nur der Doppelzweier Christiane Huth (Potsdam)/Annkatrin Thiele (Leipzig), der um 4,68 Zentimeter von Neuseeland geschlagen Silber gewann, und der Frauen-Doppelvierer holten im Shunyi Park Medaillen. Das Boot mit der viermaligen Olympiasiegerin Kathrin Boron (38; Potsdam) wurde Dritter. "Das ist ein Desaster", meinte Roland Baar, fünfmaliger Weltmeister mit dem Deutschland-Achter. Nur in sieben der 14 Bootsklassen erreichte die DRV-Flotte überhaupt die Endläufe der besten sechs. 2004 in Athen hatte es zwei Gold- und zwei Silbermedaillen gegeben.

"Zwei Medaillen werden nicht unserem Anspruch gerecht. Wir sind keine führende Rudernation mehr", erkannte Sportdirektor Michael Müller, der seinen Rücktritt ausschloss. Das Hauptproblem der Deutschen: Im Gegensatz zur Konkurrenz trainieren sie über das Jahr gesehen zu wenig, weil sie ihren Sport nicht professionell betreiben können.

Renko Schmidt, der Manager des Teams Hamburg/Beijing, will die Rahmenbedingungen für die Hamburger Athleten im nächsten Olympiazyklus ändern. "Zumindest im letzten Jahr der Vorbereitung sollten wir unsere Sportler so fördern, dass sie ohne finanzielle Sorgen auf ihr großes Ziel hin trainieren können."

 

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