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Olympia Peking 2008

Rudern: Kranker Seibt bangt um Halbfinal-Start

Gestern Abend war Bastian Seibt wieder voller Tatendrang. "Mir geht es einigermaßen. Ich würde mir sogar zutrauen zu rudern, zwar nicht volle Pulle,

Peking. Gestern Abend war Bastian Seibt wieder voller Tatendrang. "Mir geht es einigermaßen. Ich würde mir sogar zutrauen zu rudern, zwar nicht volle Pulle, aber mit 70, 80 Prozent", meinte der 30-Jährige. Ob sich der Hamburger heute zum Halbfinale (10.10 Uhr) in den Leichtgewichtsvierer ohne Steuermann setzen kann, entscheiden die Mediziner. Drei Mann in seinem Boot sind erkrankt, dazu zwei aus dem schweren Vierer. Seibt fühlt sich von ihnen noch am besten. Mannschaftsarzt Wilfried Kindermann diagnostizierte einen fiebrigen Infekt unklarer Ursache. Die Ansteckung, vermutet er, sei per Tröpfcheninfektion Anfang der Woche erfolgt. Die fünf Sportler und ein Trainer wurden in einem Apartment im Olympischen Dorf isoliert.

Dass sich Seibts Crew überhaupt Hoffnungen auf einen weiteren olympischen Einsatz machen darf, verdankt sie einem schweren Gewitter. Die Ruderwettbewerbe wurden gestern Nachmittag abgesagt und auf heute verschoben. "Die Chance bleibt jedoch minimal, dass wir antreten können. Das gesundheitliche Risiko ist zu groß", sagt Seibt. Die Gefahr einer Herzmuskelentzündung bei großer körperlicher Belastung wäre nicht auszuschließen, "und mit der ist nicht zu spaßen. Die Spätfolgen können zum Tod mit 40 oder 50 Jahren führen."

Die Entscheidung will er den Ärzten überlassen. Sie werden heute sein Blut erneut untersuchen. "Ein kleines Restrisiko würde ich akzeptieren, dafür habe ich zu viel in den Olympiastart investiert, wenn Professor Kindermann aber erklärt, es geht nicht, bleibe ich im Bett. Mein Leben würde ich nicht aufs Spiel setzen, auch nicht für einen Olympiasieg." Seibts Bereitschaft allein würde ohnehin nicht reichen. Mit dem gesunden Martin Kühner und Ersatzmann Jörg Lehnigk wären sie erst zu dritt. Der Zustand von Jochen Kühner und Jost Schömann-Finck, den übrigen Mitgliedern der Stammbesetzung, lässt schnelle Besserung nicht erwarten.

Der Leichtgewichtsvierer, Maximalgewicht der Besatzung: 280 Kilo, gehörte zu den wenigen verbliebenen deutschen Medaillenkandidaten im Rudern. Der souveräne Sieg im Vorlauf hatte diese Einschätzung untermauert. "Wir waren gut drauf und hatten uns für das Finale beste Chancen ausgerechnet", sagt Seibt. "Die Krankheiten haben uns wie ein Keulenschlag getroffen. Da arbeitest du vier Jahre lang hart auf ein Ziel hin, qualifizierst dich im letzten Moment für Peking, und dann kannst du den letzten Schritt nicht mehr machen, ohne eigenes Verschulden. Wir haben uns an alle Verhaltens- und Ernährungsregeln hier in China gehalten Die Enttäuschung ist unbeschreiblich. Eine sportliche Niederlage ist nichts dagegen."

Die Krankheit war über Nacht gekommen. "Am Mittwochmorgen wachte ich mit heftigen Kopf- und Gliederschmerzen auf und hatte leichtes Fieber", berichtet Seibt. Die verabreichten Medikamente zeigten zunächst wenig Wirkung. An Rudern war nicht zu denken. "Es war ein Albtraum. Aber irgendwann habe ich mir gesagt, du wirst wieder gesund. Es ist bitter, aber es ist kein Schicksalsschlag. Dafür ist es, bei aller Bedeutung, nur Sport."rg

 

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