Olympia: 21 Sportler des Teams Hamburg starten in Peking - Issinbajewa mit neuer Bestmarke
"Wir wollen Champions besser fördern"
Wie Teammanager Renko Schmidt noch mehr Hamburger Athleten für Olympia unterstützen will - und was er von den Verbänden fordert.
Hamburg. 22 Sportler des Teams Hamburg/Beijing werden an den Olympischen Spielen (8.-24. August) und den anschließenden Paralympics (6.-17. September) in Peking teilnehmen, insgesamt 48 wurden seit dem 1. Januar 2007 mit bis zu 400 Euro netto im Monat von der Stadt, der Handelskammer, dem Hamburger Sportbund (HSB) und privaten Unternehmen gefördert. Das ist die größte kontinuierliche finanzielle Unterstützung, die Hamburger Spitzenathleten bisher erhielten. Teammanager Renko Schmidt (44), Geschäftsführer der Buss-Group im Hafen, zieht im Gespräch mit dem Abendblatt eine erste Bilanz des Projekts und blickt auf die Spiele 2012 in London voraus. "Die Chance, in einer Einzelsportart einen Hamburger Olympiasieger feiern zu können, wird in vier Jahren größer sein als jetzt. Darauf arbeiten wir hin", sagt Schmidt.
Abendblatt:
Herr Schmidt, wie vielen Athleten hat das Team Hamburg/Beijing die Olympiateilnahme erst möglicht?
Renko Schmidt:
Wir haben die Rahmenbedingungen insgesamt verbessert, materiell, aber auch mit vielen anderen Hilfestellungen. Das hat dazu beigetragen, dass sich die von uns geförderten Athleten stärker auf ihren Sport konzentrieren konnten. Die Leichtgewichts-Ruderin Berit Carow zum Beispiel, eine Medaillenkandidatin in Peking, hätte ohne finanzielle Absicherung mit dem Hochleistungssport aufgehört.
Abendblatt:
Die 18 Hamburger Sportler für die Olympischen Spiele kommen aus nur fünf Sportarten, darunter allein neun aus dem Bereich Hockey.
Schmidt:
Das Team Hamburg existiert erst seit anderthalb Jahren, wir mussten auf vorhandenen Leistungssportstrukturen aufbauen. Unser Ziel für Olympia 2012 in London wird es sein, noch mehr Sportler aus noch mehr Sportarten zu fördern, die dann noch erfolgreicher sind. Dafür müssen wir analysieren, welche Hamburger Fachverbände die Voraussetzungen und den Willen dazu mitbringen. Ohne professionelle Strukturen kann heute kein Verband Hochleistungssport betreiben.
Abendblatt:
Für den Leistungssport in Hamburg ist also künftig das Team Hamburg zuständig.
Schmidt:
Das Team versteht sich nicht als neuer sportpolitischer Ordnungsfaktor in Hamburg. Wir werden uns nicht in die Belange des Olympiastützpunktes oder des Sportbundes einmischen. Wir erlauben uns aber, unsere Erfahrungen einzubringen.
Abendblatt:
Die wären?
Schmidt:
Dass es bei Verhandlungen mit möglichen Sponsoren notwendig ist, nachvollziehbare Konzepte und klare Zielvereinbarungen, also eine Art Businessplan einzubringen. Unternehmen möchten gern in Euro und Cent vorgerechnet bekommen, was sie für ihr Engagement erhalten. Dass dies im Sport mit Unabwägbarkeiten wie Verletzungen nicht bis in die letzte Kommastelle darzustellen ist, hat die Wirtschaft inzwischen begriffen. Das entbindet den Sport nicht, präzise zu beschreiben, was er zu bieten hat. Werden diese Hausaufgaben gemacht, stößt der Sport bei Unternehmen, das ist meine Erfahrung, auf Interesse.
Abendblatt:
Erkennen sein ein Konzept in der Sportpolitik der Stadt?
Schmidt:
Das Leitbild Sportstadt Hamburg existiert weiter. Die Bewerbung für die Universiade wäre auf diesem Weg ein wichtiger Baustein - wenn die finanziellen Belastungen und Risiken für Hamburg vertretbar sind. Grundsätzlich wünschte ich mir, dass die Stadt die Zuständigkeiten im Sport künftig klar definiert, wo es nötig ist, eine Moderatorenrolle übernimmt und energischer Entscheidungen, gerade strukturpolitische, voranbringt. Hier sehe ich Nachholbedarf.
Abendblatt:
Wie lautet das Leitbild des Teams Hamburg bis 2012?
Schmidt:
Wir müssen überlegen, wie wir die Unterstützung der Spitzensportler im letzten Jahr vor den Spielen optimieren können. Denkbar wäre es, in der Förderung eine Championsgruppe einzuführen, die den Athleten erlaubt, in der entscheidenden Phase der Olympiavorbereitung allein vom Sport leben zu können.
Abendblatt:
Sie könnten auch Athleten aus anderen Bundesländern anwerben, um ihre Olympiabilanz 2012 zu verbessern.
Schmidt:
Wir werden nicht auf den Markt gehen und schauen, wen wir kaufen können. Unser Fördersystem hat sich im deutschen Sport bereits positiv herumgesprochen. Wer nach Hamburg ziehen will, ist herzlich willkommen. Wir werden aber nur reagieren, nicht agieren. Was ich mir gut vorstellen könnte, ist eine verstärkte Zusammenarbeit mit Schleswig-Holstein. Das bietet sich schon durch den Olympiastützpunkt an, der von beiden Ländern unterstützt wird.






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