Medaillenkandidaten kentern im Wildwasser
Es war alles angerichtet: Das deutsche Kanuslalomduo Felix Michel (Augsburg) und Sebastian Piersing (Spremberg) hatte am Donnerstag eine überragende...
Peking. Es war alles angerichtet: Das deutsche Kanuslalomduo Felix Michel (Augsburg) und Sebastian Piersing (Spremberg) hatte am Donnerstag eine überragende Zeit in den Wildwasserkanal von Shunyi gelegt, die Goldmedaille schien zum Greifen nah. Doch dann kam der Regen. Als über der Pekinger Vorstadt ein Gewitter tobte, wurden die Wettbewerbe auf den nächsten Tag verschoben, die Kanu-Herren mussten noch eine Nacht über ihre Favoritenrolle schlafen, was ihnen laut Sportdirektor Jens Kahl zum Verhängnis wurde: "Die Jungs haben sich zu viele Gedanken gemacht, wäre das Finale nicht verschoben worden, wären sie wohl locker durch den Kanal gepaddelt und hätten Gold geholt." So reichte es am Ende nur zu Rang sechs.
Obwohl Kahl im Gespräch mit dem Abendblatt keine Entschuldigungen für das schlechte Abschneiden der Kanuten gelten lassen wollte, ließ er doch kein gutes Haar an der Wettkampforganisation: "Solange nur ein Boot pro Klasse antreten darf, ist der Druck auf die Favoriten zu hoch. Während Franzosen, Tschechen und Deutsche alles versuchen mussten, um das eine Boot weit vorn zu platzieren, konnten sich Togo und Australien Medaillen holen, die großen Nationen haben zu viel versucht und scheiterten", kritisierte der Sportdirektor.
Michel und Piersing waren in ihrem Finallauf gekentert und bereiteten so den Weg für die slowakischen Zwillingsbrüder Pavol und Peter Hochschorner, die zum dritten Mal in Folge olympisches Gold holten. Silber ging an die Tschechen Jaroslav Volf und Ondrej Stepanek vor Michail Kusnezow und Dmitri Larionow aus Russland. Die Slowakei hat Frankreich damit als stärkste Kanuslalomnation der Olympia-Geschichte abgelöst.
Großes Drama gab es auch bei den Damen: Weltmeisterin Jennifer Bongardt (Hagen-Dahl) schied im Halbfinale als 15. und damit letzte Teilnehmerin aus. Sie hatte nach zwei Torfehlern insgesamt 100 Strafsekunden kassiert. "Die Enttäuschung ist riesig, jetzt stehen einige Fragezeichen im Himmel, auf die ich eine Antwort finden muss", sagte die Sportsoldatin.
Ein Happy End fand Bongardts Konkurrentin Violetta Oblinger-Peters. Die gebürtige Deutsche aus Schwerte, die nach ihrer Hochzeit mit dem österreichischen Slalomkanuten Helmut Oblinger für die Alpenrepublik startet, hat vier Monate nach ihrer Herzoperation Bronze gewonnen. Die Operation, die wegen Herzrhythmusstörungen nötig geworden war, hielt sie aus Angst um ihre Olympia-Teilnahme vor ihrem Verband geheim: "Ich habe nur Familie und Betreuer eingeweiht, damit mich jemand aus dem Wasser ziehen kann, wenn ich ohnmächtig werde", sagte Oblinger-Peters. Gold bei den Damen ging überragend an die Slowakin Elena Kaliska, mit 15 Sekunden Rückstand folgte Jaqueline Lawrence aus Australien.







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