Rudern
Derliens Jagd nach dem fehlenden Titel
Hamburg. Das Klubhaus der Ruder-Gemeinschaft Hansa liegt idyllisch in der warmen Nachmittagssonne, von der Außenalster her weht eine sanfte Brise über den Bootssteg. Es ist, als habe sich Hamburg herausgeputzt für diesen Tag, der nach langer Zeit der erste und für lange Zeit der letzte ist, den Maren Derlien in ihrer Heimatstadt, in ihrem Heimatklub verbringt. Von der Terrasse blickt sie herunter auf den Steg, wo vor 20 Jahren alles begann, als sie sich bei der Hansa anmeldete, weil sie keine Lust mehr auf Schwimmen hatte. Gegenüber grüßt das Alstervorland, aus der Ferne schimmern die Dächer der Innenstadt. "Für mich ist das der schönste Ort in Hamburg", sagt Derlien.
Momente wie dieser sind selten geworden im Leben der 32-Jährigen. Seit zwölf Monaten ordnet sie alles ihrem großen Ziel Olympia unter. Ihren Job als Zeitungsreporterin lässt sie ruhen, und die Abendgestaltung, nun ja, bleibe "im sinnvollen Rahmen". Anderntags geht es zurück an ihren Trainingsort Dortmund, von wo das Team des deutschen Frauenachters am Sonnabend in ein vierwöchiges Trainingslager im schweizerischen Silvaplana aufbricht. Vier Wochen, in denen Form und Feinabstimmung für Peking gefunden werden müssen.
Derliens Nominierung ist noch nicht offiziell, aber nur eine Frage der Zeit. Im Achter ist die Sportwissenschaftlerin seit Jahren gesetzt. Und neuerdings wieder im Zweier ohne Steuerfrau, das sich zur größten deutschen Olympiahoffnung gerudert hat. Derlien sagt: "Wenn es im Zweier keine Medaille wird, ist es schon ein Drama."
Erst im vergangenen Herbst teilt sie sich den Arbeitsplatz im Kleinboot mit der Saarbrückerin Lenka Wech. Eine harmonische Zweckgemeinschaft: Auf Anhieb gewannen die beiden im September die EM. Überhaupt mussten sie sich nur einmal geschlagen geben: Beim ersten Weltcup Anfang Mai in München waren die Chinesinnen schneller, "aber die waren auch 2007 schon früh sehr stark und haben bei der WM geschwächelt", erinnert sich Derlien.
Eine Medaille also sollte es bitte schön schon sein. Aber eigentlich ist Maren Derlien auch das zu wenig: "Ich bin eine Titeljägerin. Nur dafür mache ich diesen Sport." Bei Welt- und Europameisterschaften hat sie schon Gold gewonnen, sie war Junioren-, Studenten- und U-23-Weltmeisterin. "Nur der Olympiasieg fehlt mir noch."
2004 in Athen war sie mit dem Achter Fünfte. In Peking wird sie gleich zweimal die Chance erhalten. Wenn sie wählen könnte, würde sie einen Erfolg mit dem großen Boot vorziehen: "Dann wären gleich neun von uns glücklich."
Der Deutsche Ruderverband hat dem Deutschen Olympischen Sportbund Bastian Seibt (Der Hamburger und Germania-RC) zur Nominierung für Peking im leichten Vierer ohne Steuermann vorgeschlagen.






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