Hamburg. Klimatisch hatten Hamburg und Kuba am Freitagabend ungefähr so viel gemeinsam wie ein feuriger Mojito mit einem abgestandenen Malzbier. Der hartnäckige Nieselregen und die dunklen Wolken wollten so gar nicht zu dem "Freundschafts-Länderspiel" zwischen dem FC St. Pauli und dem Team der Karibikinsel passen. Doch als pünktlich um 18.30 Uhr St. Paulis Präsident Corny Littmann gemeinsam mit dem früheren Ehrenratspräsidenten Harald Stender die neue Südtribüne mit einem schwungvollen Stoß der Champangnerflasche einweihte, kam unter den jubelnden Anhängern auf dem Vorplatz der Tribüne trotz Hamburger Schmuddelwetters Stimmung wie auf einer Salsaparty mitten in Havanna auf.
Die flachte nur kurzzeitig ab, als unzählige Fans in langen Schlangen ungeduldig auf ihren Einlass warteten. Auch Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Christa Goetsch (Die Grünen) kam mit Verspätung auf ihren Platz, nachdem sie zuvor mit dem Fahrstuhl in der neuen Südtribüne stecken geblieben war. 16 800 Zuschauer strömten zu dem Testspiel - damit haben auch die Organisatoren nicht gerechnet.
Als dann fast alle Anhänger doch noch rechtzeitig ihre Plätze eingenommen hatten, sorgte eine kubanische Tanzgruppe dafür, dass die gute Stimmung schnell wieder auf die Tribünen zurückkehrte. Karibisches Flair kam dann kurz vor dem Anpfiff noch einmal auf, als statt der Nationalhymnen "Hasta Siempre Comandante Che Guevara" für Kuba und "Das Herz von St. Pauli" für den Kiezklub gespielt wurden.
Und schließlich wurde auch noch Fußball gespielt - allerdings auf eher bescheidenem Niveau. Reinhold Fanz, Kubas deutscher Trainer, der das Testspiel im Flugzeug per Handschlag mit dem bekennenden Kuba-Fan Littman vereinbart hatte, hatte mit der Einschätzung, sein Team hätte Drittliga-Format, wohl etwas übertrieben. Spätestens nach dem 1:0-Führungstreffer durch St. Paulis starken Neuzugang Marc Gouiffe a Goufan (6.) war klar, dass auf der Karibikinsel besser getanzt als gekickt wird. Marcel Eger umschrieb es schmeichelnd: "Kuba ist technisch hervorragend, kann aber taktisch noch einiges lernen."
Der Stimmung auf den Rängen, wo neben den typischen Totenkopf-Flaggen zahlreiche blau-weiß-rote Kubafahnen hochgehalten wurden, tat das Geschehen auf dem Rasen kein Abbruch. Auch deshalb, weil es St. Pauli schaffte, sich nicht von der Qualität der Kubaner anstecken zu lassen. Besonders Filip Trojan verzückte die Fans mit vielen Dribblings und Antritten. Den schönsten krönte Kollege Marius Ebbers zum 2:0 nach toller Hackentrick-Vorarbeit Trojans (32.).
Ebenfalls einen guten Eindruck machte Testspieler Tobias Zott, der in der zweiten Halbzeit in der Innenverteidigung auflief. Viel bekam der frühere HSV-II-Spieler aber nicht zu tun. Am meisten Arbeit machte noch der fünffache Jubel nach Toren der eingewechselten Florian Bruns (61.), Rene Schnitzler (62./89.), Ömer Sismanoglu (82.) und Jan-Philipp Kalla (84.) zum 7:0-Endstand. Umso überraschender Bruns' Einschätzung, dass der Gegner "fußballerisch unser stärkster war".
Gracias Kuba!
FC St. Pauli: Pliquett (46. Hain) - Rothenbach (64. Rothenbach), Morena (46. Zott), Eger, Weigelt (46. Biermann) - Brunnemann (64. Sismanoglu), Boll (64. Browarczyk), Gouiffe a Goufan (64. Yapici), Trojan (46. Bruns) - Ebbers (64. Daube), Hennings (46. Schnitzler).










