23.05.12

Hamburger Sportverein

Fußball-Frauen des HSV scheitern an 100.000 Euro

Die Entscheidung des HSV, das Frauenteam aus der Bundesliga zurückzuziehen, stößt auf herbe Kritik. Sponsoren ließen sich nicht finden.

Von Janina Darm, Florian Heil und Mirko Schneider
Foto: Witters Sport Presse Fotos
Die HSV-Frauen am Boden: Am 28. Mai trafen Jessica Wich (unten, hier mit Lena Lotzen) und ihr Team im letzten Bundesligaduell auf Pokalsieger Bayern
Die HSV-Frauen am Boden: Am 28. Mai treffen Jessica Wich (unten, hier mit Lena Lotzen) und ihr Team im letzten Bundesligaduell auf Pokalsieger Bayern

Hamburg. Gerüchte gab es schon länger. Montagabend wurde aus Vermutungen dann Gewissheit. Wie das Abendblatt berichtete, zieht der Hamburger SV seine Frauenmannschaft zur kommenden Saison aus wirtschaftlichen Gründen aus der Fußballbundesliga zurück. In der Kabine wurde das Team von Trainer Achim Feifel über die Entscheidung unterrichtet. Man sei in gewisser Weise vorbereitet gewesen auf diesen Schritt, sagte Feifel dem Abendblatt, "trotzdem tut es enorm weh."

Der HSV begründet seine Entscheidung mit notwendigen Sparmaßnahmen. "Der Vorstand bedauert sehr, die Bewerbung aufgrund der finanziellen Rahmenbedingungen für die Saison 2012/13 zurückgeben zu müssen", erklärte der Vorstandsvorsitzende Carl Jarchow mit dem Hinweis, dass es das Ziel des Traditionsklubs sei, nach zwei defizitären Geschäftsjahren im kommenden Jahr mit einem "ausgeglichenen Haushalt" abzuschließen.

Kommentar: Armutszeugnis für die Hansestadt

Anders formuliert: Die Frauen-Bundesligamannschaft ist dem HSV zu teuer. Nach Abendblatt-Informationen fehlten am Ende rund 100 000 Euro, um den Gesamtetat von 750 000 Euro zu decken und die Mannschaft im Wettbewerb zu halten. Eine Entscheidung gegen den Frauenfußball sei der Bundesligarückzug allerdings nicht, betonte Jarchow. "Es wird weiter Frauenfußball bis hin zur Regionalliga geben, und die B-Mädchen sind bereits für die neue Bundesliga von uns gemeldet worden", so der Vorstandschef.

Für Trost sorgt dieser Hinweis jedoch kaum. Viele Spielerinnen reagierten mit Unverständnis auf die Entscheidung. So auch Abwehrspielerin Heike Freese. "Bei den Männern kommt ein nicht topfiter Torwart Rene Adler und erhält 2,7 Millionen Euro Gehalt. Bei uns ging es um ein paar Hunderttausend Euro", klagt die 25-Jährige. Die Auflösung des Teams habe auch negative Folgen für die Nachwuchsspielerinnen im Norden: "Wo sollen die Mädchen aus Hamburg und Umgebung denn hingehen, wenn sie in der Bundesliga spielen wollen?"

Auch Dirk Fischer, Präsident des Hamburger Fußball-Verbandes (HFV), äußerte sich kritisch: "Man wird den Eindruck nicht los, dass die Frauen die Zeche zahlen müssen für wirtschaftliche und finanzielle Fehler bei der Bundesligamannschaft der Männer."

HSV zieht Frauen-Mannschaft aus der Bundesliga zurück

Der HSV erwartet in diesem Geschäftsjahr erneut ein Minus von rund fünf Millionen Euro. Wohl auch deshalb verteidigt Vorstandschef Jarchow den Sparkurs: "Herr Fischer vergisst, dass alle Zuschüsse für die Frauenmannschaft aus den Einnahmen der Bundesligamänner finanziert werden", so Jarchow. Bis zuletzt sei alles versucht worden, um die Mannschaft wettbewerbsfähig zu halten und Sponsoren zu finden. Dies bestätigt auch HSV-Trainer Achim Feifel. "Man hat sogar über eine Kooperation mit Bergedorf und eine mittelfristige Ausgliederung des Teams nachgedacht", sagte Feifel. Diese Option sei ebenso gescheitert wie die zahlreichen Versuche, neue Sponsoren zu finden. "Man denkt immer, es könnte nicht so schwer sein, in einer Stadt wie Hamburg 100 000 Euro aufzutreiben. Aber so ist es nicht", betonte Feifel, der sich über seine eigene Zukunft noch keine Gedanken gemacht hat. "Das ist alles zu frisch", sagt er.

Immerhin: Die Verträge der Spielerinnen werden eingehalten und gelten auch für den Spielbetrieb in der Regionalliga. Dennoch sei es gerade für diejenigen, die noch eine Ausbildung oder ein Studium in der Hansestadt absolvieren, schwierig, nun einen Neuanfang zu wagen, so Feifel.

Neun Frauen- und Mädchenteams sind beim HSV aktiv

Letzteres moniert auch die ehemalige Hamburgerin Kim Kulig, die im vergangenen Jahr zum 1. FFC Frankfurt wechselte. Die Nationalspielerin kann den Frust ihrer ehemaligen Teamkolleginnen, zu denen sie noch immer viel Kontakt hat, verstehen. "Nach der WM im eigenen Land dachte man, der Frauenfußball sei angekommen in Deutschland - und jetzt so etwas. Das ist schon peinlich für einen so großen Verein wie den HSV", sagt Kulig.

Ein wenig Unverständnis klang auch in der Reaktion von HSV-Legende Uwe Seeler durch. Er habe zwar keinen Einblick in die finanzielle Situation beim HSV, "aber ich kann mir vorstellen, dass man auch in anderen Bereichen hätte einsparen können", so Seeler. Alles Bedauern hilft jedoch nichts. Das Kapitel der Frauen-Bundesligamannschaft des Traditionsklubs HSV wird vorerst geschlossen.

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