16.03.11

HSV

Die Ära Bernd Hoffmann ist beendet - auch Kraus muss gehen

Bernd Hoffmann und Katja Kraus verlassen den HSV mit sofortiger Wirkung. FDP-Politiker Carl E. Jarchow folgt kommissarisch.

Foto: dpa/DPA
Bernd Hoffmann war acht Jahre beim HSV im Amt
Die Ära Bernd Hoffmann beim HSV ist beendet

Hamburg. Eine Ära ist zu Ende. Nach acht Jahren beim Hamburger SV verlassen Bernd Hoffmann sowie seine Vorstandskollegin Katja Kraus den Verein. Hoffmann und Kraus einigten sich mit dem Aufsichtsrat der Hanseaten am Mittwoch auf eine vorzeitige Auflösung des noch bis zum 31. Dezember 2011 befristeten Vertrags. Man habe sich einvernehmlich getrennt, erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Ernst-Otto Rieckhoff: "Der Aufsichtsrat hat Herrn Hoffmann und Frau Kraus ausdrücklich für die für den Verein geleistete hervorragende Arbeit gedankt und wünscht ihnen persönlich und beruflich alles Gute für die Zukunft."

Hoffmann selbst fiel der Schritt schwer: "Es war mir an jedem Tag eine Freude und Ehre für diesen fantastischen Klub zu arbeiten. Auch an schwierigen Tagen. Ich bedauere sehr, dass aufgrund der Entwicklung der vergangenen Wochen eine Fortsetzung der erfolgreichen Entwicklung nicht möglich ist", sagte der 48-Jährige: "Ich bin sicher, wir hätten noch viel bewegen können. Ich wünsche dem HSV und allen HSVern alles Gute und werde Teil der HSV-Familie bleiben."

Als Interimslösung führt Carl Edgar Jarchow den Klub. Der 55-jährige Außenhandelskaufmann zog gerade für die FDP in die Bürgerschaft ein und gehörte von 2001 bis 04 dem Aufsichtsrat des Vereins an. Erst Ende Januar hatte Jarchow in einem Debatten-Beitrag für das Abendblatt die lange Sportchefsuche – damals hatte gerade Matthias Sammer abgesagt – kritisiert und erklärt, dass weder der Aufsichtsrat noch der Vorstand ihren Aufgaben gerecht würden. "Spitzentrainer, Spitzenspieler, Top-Nachwuchsspieler oder auch erstklassige Sportvorstände kommen nur zu erstklassig geführten Vereinen", schrieb er und folgerte: "Jetzt ist es an diesem Gremium (dem Aufsichtsrat, d. Red), Konsequenzen aus den Ereignissen seit 2009 zu ziehen und das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen. Es ist höchste Zeit!" Dass die Wahl ausgerechnet auf ihn fallen würde, hätte zu diesem Zeitpunkt niemand gedacht.

Wie lange der Hamburger das Amt des Vorsitzenden ausüben soll, ist noch unklar. Angeblich ist der Personalausschuss des Aufsichtsrats weiter bemüht, den bisherigen Favoriten Björn Gulden an die Elbe zu lotsen, obwohl die Presseabteilung der Deichmann-Gruppe Verhandlungen zwischen dem Norweger und dem HSV kürzlich energisch dementierte. Ein längerfristiges Engagement im Volkspark schloss Jarchow aus: "Ich werde nach dem Jahr wieder auf meinen Dauerkartenplatz zurückkehren", gab er bekannt.

Katja Kraus wird durch den früheren Geschäftsführer des Sportrechtevermarkters Sportfive, Joachim Hilke, ersetzt. Dieser war von 1998 bis 2001 schon einmal HSV-Vorstandsmitglied. "Ich werde mich auf das operative, kommerzielle Geschäft konzentrieren. Diese Rolle ist mir auf den Leib geschneidert", sagte der 43-Jährige bei seiner Vorstellung. Der Marketingexperte sieht den Verein gut aufgestellt: "In der Bundesliga gibt es zwar selten ruhige Zeiten, aber aus Marketingsicht steht der HSV gut da", so Hilke.

Jarchow und Hilke gehen ihre Aufgaben mit großer Leidenschaft an. "Seit ich lebe bin ich Fan des HSV. Es gilt jetzt, Ruhe in den Verein zu bringen", sagte Jarchow, der nach sich nach Benennung eines dauerhaften Nachfolgers für Hoffmann wieder auf seinen "Dauerkartenplatz zurückziehen" will. Seinen ersten Tag in der neuen Position beschrieb Jarchow als "turbulent". Er habe "viele Sms" bekommen und sei "sehr überrascht" über die schnelle mediale Aufmerksamkeit gewesen. Am Morgen wurde er den neuen Mitarbeitern vorgestellt, anschließend folgte ein Gespräch mit dem neuen Chefcoach Michael Oenning und die Präsentation vor der Mannschaft.

Die Spieler hielten sich auffällig zurück mit Bewertungen. "Dazu habe ich nichts zu sagen", meinte Kapitän Heiko Westermann unmittelbar vor dem Training. Paolo Guerrero sieht es ähnlich: "Das ist nicht unser Problem. Wir müssen gegen Köln gewinnen."

In Hoffmann verlässt eine umstrittene Führungspersönlichkeit den HSV. Sich selbst an den Abgrund manövriert hatte er sich mit der Trennung vom beliebten Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer im Juni 2009. Danach wurde Hoffmann als Alleinherrscher und Sonnengott geziehen, der keine starke Persönlichkeit neben sich dulden würde. Auch Idol Uwe Seeler wandte sich immer mehr vom Macher Hoffmann ab und sah in dessen Gebaren den Herd für die "Never Ending Story" aus Zwist, Unruhe und sportlichem Mittelmaß beim kriselnden HSV.

Hoffmann hat durchaus Verdienste um das Gründungsmitglied der Bundesliga: Als er im Februar 2003 den Verein übernahm, lag der Umsatz bei 66 Millionen Euro, jetzt weist die Bilanz stolze 146 Millionen Euro aus. Die Zahl der Mitglieder wuchs von 17.000 auf rund 70.000 und im Uefa-Ranking erfüllte er seine kühnen Ankündigungen vom Durchmarsch Richtung Spitzenfeld. Die mehrfache Teilnahme an internationalen Wettbewerben hievte den HSV von Platz 83 auf Platz 18 in Europa. Den Titel aber, den er jahraus, jahrein als lohnendstes Ziel verkündet hatte, gab es nie.

Mehr noch: Der Name Hoffmann ist verknüpft mit dem zweifelhaften Ruf als Trainervernichter. Unter seiner Ägide hat bereits der neunte Coach die Amtsgeschäfte beim HSV übernommen. Nach der Beurlaubung von Armin Veh ist nun dessen Assistent Oenning in Amt und Würden. Vehs Fazit: "So viel Unruhe habe ich noch nie erlebt. Hier kann man nicht arbeiten."

Am 1. Juli rückt auch der neue Sportchef Frank Arnesen mit seinem Dienstantritt in Hamburg in den Vorstand. Die Zukunft des derzeitigen Cheftrainers Michael Oenning über das Saisonende hinaus, bleibt hingegen weiter offen.

(dpa/abendblatt.de)
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