Frauen-WM
DFB-Elf sucht Leichtigkeit - Ersatzkräfte hoffen auf Startelf
Die deutschen Frauen konnten noch nicht glänzen. Gegen Frankreich soll die Handbremse gelöst werden. Doch es bleiben Sorgen um Birgit Prinz.
Die DFB-Stürmerinnen Alexandra Popp (l.) und Inka Grings hoffen auf einen Startplatz gegen Frankreich
Foto: Getty
Düsseldorf. Sorgen um Birgit Prinz, Suche nach der Leichtigkeit – im Gruppenfinale gegen Frankreich wollen die deutschen Fußball-Frauen ihren dicken WM-Rucksack ablegen und sich mit einer spielerischen Steigerung Selbstvertrauen für die K.o.-Runde holen. Linda Bresonik fordert vor dem Duell mit der „Equipe tricolore“ die Rückkehr zum Spaßfußball. „Es ärgert mich total, dass wir den Fans bisher noch nicht zeigen konnten, was wir können. Wir müssen einfach wieder Spielfreude entwickeln“, sagte die Rechtsverteidigerin vor der Partie an diesem Dienstag (20.45 Uhr/ZDF und im Liveticker auf abendblatt.de) in Mönchengladbach.
Erst das holprige 2:1 gegen Kanada, dann das schwer erkämpfte 1:0 gegen die robusten Nigerianerinnen – das Team von Bundestrainerin Silvia Neid steht zwar vorzeitig im Viertelfinale. Auf das erhoffte Fußball-Feuerwerk warteten Millionen erwartungsfrohe Anhänger bislang vergeblich. Befreit vom größten Druck hat die DFB-Auswahl im ausverkauften Borussia-Park die Chance, die ohnehin große Begeisterung weiter zu schüren und den Fans etwas zurückzugeben.
Zum Gruppensieg ist ein Erfolg über die punktgleichen Französinnen nötig. „Frankreich hat eine sehr gute Mannschaft, die spielerische Akzente zu setzen weiß“, warnte Neid. Das dürfte der deutschen Auswahl sogar in die Karten spielen. „Das kommt uns entgegen. Weil Frankreich sich nicht nur hinten reinstellt, ergeben sich für uns vielleicht Löcher“, meinte Alexandra Popp. Die Elf hat sich gegen die Französinnen, die Kanada mit 4:0 besiegten, viel vorgenommen. „Sie schweben jetzt auf Wolke sieben. Wir wollen sie wieder auf den Boden der Tatsachen holen“, sagte Bresonik.
Für Theo Zwanziger ist der Gruppensieg Nebensache. Er nahm den Druck vom Team. „Wenn es der erste Platz wird, ist es klasse. Wenn es der zweite wird, ist das auch in Ordnung“, meinte der DFB-Chef nach einem Besuch des Mannschaftsquartiers in Düsseldorf. Als Erster würde der zweimalige Weltmeister für das Viertelfinale (Sonnabend) nach Wolfsburg umziehen, als Zweiter in Düsseldorf bleiben und in Leverkusen antreten. Mögliche Gegner sind Japan und England, die am Dienstag (18.15 Uhr) um den Sieg in der Gruppe B spielen. Mexiko hat nur noch theoretische Chancen.
„Wir wollen mit einem guten Gefühl ins Viertelfinale gehen und natürlich mit dem ersten Platz“, betonte Celia Okoyino da Mbabi. Für die Tochter eines Kameruners und einer französischen Mutter hat die Partie gegen das Nachbarland eine besondere Bedeutung. „Frankreich ist für mich wie eine zweite Heimat“, sagte die 23-Jährige, die dort viele Verwandte und Freunde hat. Am Dienstag drücken aber alle ihr die Daumen, versicherte sie. „Mitleid“ für den Gegner werde sie sicher nicht aufbringen, „wenn wir die drei Punkte mitnehmen.“
Neid und ihr Trainerteam versuchten in den vergangenen Tagen in Einzelgesprächen und lockeren Trainingseinheiten, dem Team Spaß und Lockerheit zu vermitteln. Ob die nach ihrer frühen Auswechslung gegen Nigeria völlig frustrierte Prinz die Elf erneut auf das Feld führt, ist unklar. „Sie kommt morgens nicht gerade pfeifend zum Frühstück“, berichtete Co-Trainerin Ulrike Ballweg. Als Stimmungskanone kann die Spielführerin derzeit nicht dienen, doch ihr Wert als Anführerin bleibt im Team unumstritten.
„Sie hat unsere volle Unterstützung“, betonte Inka Grings, die wie die bisher ebenfalls nur als „Joker“ zum Zug gekommenen Fatmire Bajramaj und Popp auf einen Startelf-Platz hofft. „Man möchte bei so einem Turnier so viel spielen wie möglich und die schöne Zeit genießen. Natürlich will man gerne von Anfang an spielen“, sagte Bajramaj, die laut Ballweg „Schritt für Schritt die alte Lira“ wird und für die angeschlagene Melanie Behringer (Bänderdehnung) auf die linke Seite rutschen könnte.
Sollte sich Neid gegen Prinz entscheiden, würde sie der Spielführerin die Chance nehmen, sich aus dem Tief zu spielen. Läuft Prinz erneut von Beginn an auf und überzeugt nicht, wird die ehrgeizige 33-Jährige wenige Tage vor dem Ende ihrer internationalen Karriere endgültig zum Problemfall. Auch Manager Siegfried Dietrich vom 1. FFC Frankfurt sorgt sich um seine sensible Ausnahmespielerin. „Aber sie ist eine starke Persönlichkeit, die der Mannschaft mit ihrer Erfahrung in so einem Spiel helfen kann.“








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