14.06.12

Fussball-EM

Medien feiern Mario "Goalmez" - Oranje mit "Kirmes-Abwehr"

Europas Gazetten sind sich einig: Mario Gomez ist der Stürmer des Turniers und die DFB-Elf der Favorit auf den EM-Titel. Nach dem 2:1 gegen die Niederlande wird das Löw-Team mit Lob überschüttet. Die Holländer bekommen dagegen wenig Schmeichelhaftes zu hören.

Foto: REUTERS

Mario Gomez trifft zum 2:0 gegen die Niederlande, Jetro Willems ist chancenlos

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Charkow/Berlin. Hohn und Spott für eine niederländische "Kirmes-Abwehr" – dafür Hochachtung für Mario "Goalmez". Nach dem 2:1-Sieg gegen Holland wurde der deutsche Nationalstürmer in der europäischen Presse förmlich mit Lob überschüttet. "Deutschland hat in Mario Gómez den Stürmer, der den anderen Mannschaften fehlt. Gómez ist der Neuner der EM, der Neuner Europas", urteilte das spanische Blatt "As". "Mit zwei Toren stopft er allen Kritikern das Maul - Mario Goalmez. Deutschland hat einen neuen Liebling", befand der Schweizer "Blick".

Besonders hatte es den Beobachtern das 1:0 von Gomez angetan, bei dem der Stürmer ungeahnte technische Fertigkeiten verriet. "Die Pirouette, mit der Gomez den Ball annahm, erinnerte daran, dass sein Vater aus Granada stammt"", betonte die polnische "Rzeczpospolita". Auch in Spanien sorgte der Führungstreffer für Bewunderung. "Gómez ist kein Abstauber, sondern ein Ballett-Tänzer von 1,90 Metern", urteilte "El Pais".

Mit den Treffern des im Turnier schon dreimal erfolgreichen Gomez könne Deutschland bei der EURO noch sehr weit kommen. "Nichts deutet darauf hin, dass Gomez bei diesem Turnier zum letzten Mal gejubelt hat", schrieb das dänische "Ekstra Bladet". Bei Deutschlands nächstem Gruppengegner geht vor dem Duell am Sonntag in Lwiw die Sorge um. "Für Dänemark war die Lektion vor dem Spiel gegen Deutschland am Sonntag leicht zu lernen: Stoppt diesen Mann!", forderte "BT".

Der Spielstil der Löw-Elf hat es sogar den sonst eher als deutschland-kritisch bekannten Engländern angetan. "Es war schlimm genug, als die Deutschen mit mürrischer Effizienz zu gewinnen pflegten. Aber heutzutage müssen wir es auch noch ertragen, dass sie frisch und fröhlich von Sieg zu Sieg eilen", schrieb der "Daily Mirror". In den letzten zehn Minuten des Niederlande-Spiels sei deutlich geworden, warum Deutschland der Gold-Favorit sei, meinte der schwedische "Expressen": "Die Elf spielte die restliche Zeit total kontrolliert herunter."

Die geschlagenen Niederländer bekamen vor allem in den einheimischen Medien ihr Fett weg. "In der Bratpfanne von Charkow fiel Oranje auseinander wie ein zu lang geschmorter Braten", fällte "De Volkskrant" ein geradezu vernichtendes Urteil über das eigene Team. Die Deutschen hätten stattdessen demonstriert, "wie moderner Fußball mit tödlicher Effizienz heutzutage gespielt wird", stellte das "NRC Handelsblad" fest. Bissige Kommentare kamen aber auch von anderswo. "Die Orange ist ausgepresst. Mit seiner Kirmes-Abwehr ist Holland dabei, sich auf die denkbar schlechteste Weise von der EM zu verabschieden", ätzte "Sport" in Spanien.

Ein vorzeitiger Turnier-Abschied werde auch für den Trainer Konsequenzen haben. "Bondscoach Bert van Marwijk muss sich in den nächsten Tagen warm anziehen", glaubt der "Blick". Auch die "Neue Zürcher Zeitung" ist sicher: "Scheiden die Niederländer aus, wird sich van Marwijk wohl nach einem neuen Arbeitsplatz umsehen müssen."

Die internationalen Pressestimmen


NIEDERLANDE:

"De Volkskrant": "In der Bratpfanne von Charkow fiel Oranje auseinander wie ein zu lang geschmorter Braten. Keine Chemie, keine Spitze, keine Verteidigung, kein Mittelfeld, jedenfalls über lange Strecken des Spiels. Da ging eine Elf an Stress, an Unfähigkeit im Angriff zugrunde. An was eigentlich nicht? Deutschland war eine verbesserte Ausgabe dessen, was die Niederlande einmal waren."

"NRC Handelsblad": "In der klammen Abendhitze von Charkow drohte lange Zeit eine regelrechte Abservierung durch die messerscharfen Deutschen. Die demonstrierten, wie moderner Fußball mit tödlicher Effizienz heutzutage gespielt wird. Das Beste war wohl noch, dass die Niederlande nach der Pause in einer für van Marwijk revolutionären Aufstellung – ohne Mark van Bommel und mit Klaas-Jan Huntelaar an vorderster Spitze – besser ins Spiel kamen als das "Südafrika-Team", an dem der Bondscoach viel zu lange festgehalten hat."

"De Telegraaf": "Oh, oh, Oranje. Die niederländische Elf hat gestern Abend eine Tracht Prügel von Deutschland bezogen. Zur Bestürzung vieler begann Bondscoach van Marwijk mit fast derselben Elf, die schon gegen Dänemark verloren hatte. Die Aufstellung, die das niederländische Volk so gern gesehen hätte, fand bei van Marwijk kein Gehör. Ganz Holland schrie nach Klaas-Jan Huntelaar, aber die Spitze von Schalke erschien erst zu Beginn der zweiten Spielzeit und konnte den Rückstand nicht mehr aufholen."


PORTUGAL:

"Record": "Gomez hat eine saftlose Orange ausgequetscht. Holland enttäuschte auf der ganzen Linie und steht vor dem Adieu."

"Correio da Manhã": "Mario Gomez hat die Orange an die Ringseile gedrängt. Deutschland braucht nur noch ein Unentschieden, um das Viertelfinale zu erreichen. Holland benötigt schon ein Wunder."

"A Bola": "Holland hatte kein Feuer und keine Chance gegen ein sehr starkes Deutschland."

"O Jogo": "Die deutschen Siege gegen Portugal und die Niederlande trugen einzig und allein die Unterschrift von Mario Gomez. Mehr konnte sich der Stürmer bisher kaum wünschen. Er spielt bislang ein großes Turnier und rechtfertigt die Quoten der Wettbüros, nach denen er Torschützenkönig der Euro wird."


Joachim Löw: "Wir haben Holland müde gelaufen"


DÄNEMARK:

"Ekstra Bladet": "Super-Mario machte seinem Namen alle Ehre, als er die Niederlande mit zwei Toren ganz nahe an den Abgrund befördert. Nichts deutet darauf hin, dass Gomez bei diesem Turnier zum letzten Mal gejubelt hat."

"B.T.": "Schon zur Halbzeit hatte man das Gefühl, dass die Niederländer auf dem Weg nach Hause waren. Mario Gomez machte sie im Alleingang fertig. Für Dänemark war die Lektion vor dem Spiel gegen Deutschland am Sonntag leicht zu lernen: Stoppt diesen Mann!"


SPANIEN:

"El País": "Deutschland erhöht das Tempo und zerlegt im Vorbeigehen den Vizeweltmeister. Gómez ist kein Abstauber, sondern ein Ballett-Tänzer von 1,90 Metern. Bei den Holländern hatte der Zerfall bereits im WM-Finale 2010 begonnen, in dem sie die Prinzipien und Tugenden ihres Fußballs über Bord warfen. Für diesen Verrat werden sie jetzt bestraft."

" El Mundo": "Holland ist auf dem Weg nach Hause. Mario Gómez drängt die Elf um Robben an den Rand des Abgrunds."

"El Periódico": "Holland hängt am seidenen Faden über dem Abgrund. Deutschland hat die Niederlande wieder einmal überfahren. Eine schwache Abwehr und eine zu defensive Taktik von Trainer Bert van Marwijk werden den Holländern zum Verhängnis."

"As": "Deutschland hat in Mario Gómez den Stürmer, der den anderen Mannschaften fehlt. Gómez ist der Neuner der EM, der Neuner Europas. Er gab sich selbst eine Hommage und verwandelte mit seinen Treffern die niederländische Elf in einen Krümelhaufen."

"Sport": "Die Orange ist ausgepresst. Mit seiner Kirmes-Abwehr ist Holland dabei, sich auf die denkbar schlechteste Weise von der EM zu verabschieden."


EM-Viertelfinale zum Greifen nah - bei Gomez läuft's


ITALIEN:

"La Stampa": "Gomez-Show: Deutschland perfekt. Der wahre Super-Mario ist ein Deutscher."

"Corriere della Sera": "Deutschland bringt die Holländer zum Schwitzen. Zwei Tore des Bombers und Orange ist praktisch eliminiert. Dieser Vizeweltmeister ist zu alt und in voller Rückentwicklung."

"La Repubblica": "Deutschland gereift und mit Charakter, Holland praktisch draußen. Starkes Deutschland, Holland durcheinander."


ENGLAND:

"The Sun": "Mario Goalmez – Sie scheinen einfach nicht zu stoppen zu sein. Joachim Löws Männer haben überall auf dem Feld Qualität."

"Daily Mirror": "Es war schlimm genug, als die Deutschen mit mürrischer Effizienz zu gewinnen pflegten. Aber heutzutage müssen wir es auch noch ertragen, dass sie frisch und fröhlich von Sieg zu Sieg eilen."

"The Independent": "Super Mario."

"The Guardian": "Freude für Deutschland. Gomez stößt Holland an den Rande des Abgrunds."


Hummels Souveränität ist fast schon beängstigend


POLEN:

"Gazeta Wyborcza": "Die Deutschen sind der erste Kandidat für den Titel. Und den Holländern bleibt nur übrig, auf ein Wunder zu warten. Der holländische Alptraum Mario Gomez hat einen Körper wie ein Gladiator, einen spanischen Vater und viele Kritiker in Deutschland."

"Rzeczpospolita": "Orangene Mathematik. Holland ist beinahe sicher das erste Opfer der Todesgruppe. Die Deutschen sind noch stärker als es schien. Wenn unsere westlichen Nachbarn einen Reklamefilm drehen wollen, um zu zeigen, wie eine multikulturelle Gesellschaft ausgezeichneten Fußball spielt, dann haben sie den filmischen Beweis bereits. Die Pirouette, mit der Mario Gomez den Ball annahm, erinnerte daran, dass sein Vater aus Granada stammt."


FRANKREICH:

"Direct Matin": "Ganz ehrlich: Dieses niederländische Team, das gestern Abend mehr als eine Stunde lang führungslos dahin driftete, erscheint zunehmend als die große Enttäuschung dieser EM."

"Le Parisien": "Deutschland hat seinen Kaiser. Bayern München-Stürmer Mario Gomez hat seit dem EM-Start 100 Prozent der Mannschafts-Tore geschossen ... Und für die Niederlande nimmt diese EM die Züge eines gigantischen Chaos an."

"Le Figaro": "Die Finalisten der WM 2010 sind in einer ärgerlichen Lage. Die schon zum Auftakt von Dänemark geschlagenen Niederlande mussten am Mittwoch eine zweite Niederlage hinnehmen."


RUSSLAND:

"Rossiskaja Gaseta": "In Charkow sind die Orangen ausgegangen."

"Sport Express": "Die Deutschen in der Pole Position."


SERBIEN:

"Blic": "Unerbittliche deutsche Fußballer."

"Press": "Super-Mario wickelt die Holländer in Schwarz ein."


KROATIEN:

"Jutarnji list": "Deutschland auf den Flügeln von Gomez."


SCHWEDEN:

"Expressen": "Man könnte endlos von Mario Gomez' Toren, Manuel Neuers fantastischer Keeper-Präsentation und dem fließenden Angriffsspiel schwärmen. Aber vor allem die letzten zehn Minuten gegen die Niederlande zeigten, warum Deutschland der Goldfavorit ist. Die Elf spielte die restliche Zeit total kontrolliert herunter."

"Aftonbladet": "Lukas Podolski und Thomas Müller sehen beim Laufen aus wie Gazellen. Das Ergebnis klingt wie nach einem ausgeglichenen Spiel. In Wirklichkeit konnte man einen Klassenunterschied sehen."


TSCHECHIEN:

"MF Dnes": "Super Mario tobt! Und Deutschland gewinnt. – Es ist ganz so, als ob Gomez auf das Torschießen programmiert wäre."


SCHWEIZ:

"Blick": "Mit zwei Toren stopft er allen Kritikern das Maul - Mario Goalmez. Deutschland hat einen neuen Liebling: Mario Gomez knallt Erzfeind Holland im Alleingang weg. Was für eine Enttäuschung für die mit Weltstars gespickte Elftal, Bondscoach Van Marwijk muss sich in den nächsten Tagen warm anziehen."

"Neue Zürcher Zeitung": "Gomez brilliert gegen die Niederlande - Die Oranje vor dem Aus. Scheiden die Niederländer aus, wird sich van Marwijk wohl nach einem neuen Arbeitsplatz umsehen müssen."

"Tages-Anzeiger": "Der große Abend des Mario Gomez. Deutschland konnte sich auf Gomez verlassen, und das war – zusammen mit Chef und Vorbereiter Schweinsteiger – der maßgebliche Unterschied gegen Holland. Und Gomez, der Kritisierte? Er war jetzt Gomez, der Gelobte, obwohl er bloß 26 Ballkontakte verzeichnet hatte."

"Basler Zeitung": "Pass Schweinsteiger, Tor Gomez – Eine starke Offensivachse führt Deutschland zum zweiten EM-Sieg."

Zusammengestellt von dpa


Die deutschen Spieler in der Einzelkritik
Manuel Neuer: Erneut sehr souveräne Leistung des Münchners. Aufmerksam und mit gutem Stellungsspiel. Parierte mit einer Klasseparade einen Schuss von van Persie in der 57. Minute. Starker Rückhalt. Beim 1:2 machtlos.
Jerome Boateng: Hatte in der Anfangsphase gegen Afellay mehr Probleme als zuletzt gegen Cristiano Ronaldo. Konnte insgesamt nicht wie gegen Portugal für Sicherheit sorgen. Nach vorne harmlos. Verhinderte immerhin das 1:2, als er sich wagemutig in einen Schuss von Sneijder warf.
Holger Badstuber: Hatte in der Anfangsphase Glück, dass van Persie seinen Stellungsfehler nicht ausnutzte. Stand ansonsten über weite Strecken sicherer und agierte souveräner als gegen Portugal. Verpasste aber bei einem Kopfball das 2:0. Zudem rückte er beim 1:2 nicht entschlossen genug raus.
Mats Hummels: Erneut souveräne Vorstellung des Dortmunders. Gefiel mit klugem Aufbauspiel. Hatte kurz nach der Pause sogar das 3:0 auf dem Fuß. Verlor aber vor dem 1:2 den entscheidenden Zweikampf gegen van Persie.
Philipp Lahm: Lieferte sich einige packende Duell mit seinem Münchner Kollegen Robben. Hatte ihn weitgehend im Griff. Beschränkte sich in der ersten Hälfte auf seine Defensivaufgaben, wurde dann aber mutiger.
Sami Khedira: War sehr präsent und zweikampfstark. Versuchte, das Spiel immer wieder anzukurbeln und sich einzuschalten. Wie bei der WM 2010 gute Abstimmung mit Schweinsteiger. Kaum Fehler.
Bastian Schweinsteiger: Großes Pensum, viele Ballkontakte. Bereitete das 1:0 und 2:0 von Gomez jeweils mit einem Klassepass vor. Auch sonst viel präsenter als beim Auftakt. War diesmal der Chef, auch wenn er nach dem Wechsel etwas abbaute.
Thomas Müller: Lief viel, fand aber wenig Bindung zum Spiel. Wurde nach gut 30 Minuten zwar etwas aktiver und zielstrebiger, konnte aber nicht überzeugen.
Mesut Özil: Hatte in der 8. Minute mit einem Pfostenschuss Pech. Danach bemüht, das Spiel an sich zu reißen. Hatte nicht so viele geniale Momente wie sonst, dennoch ein Aktivposten.
Lukas Podolski: Hatte gegen van der Wiel einen schweren Stand. Konnte sich kaum in Szene setzen, strahlte auch keine Torgefahr aus. Erneut nicht in EM-Form.
Mario Gomez: Rechtfertigte mit zwei Treffern das Vertrauen von Löw voll und ganz. Beide Tore zeigten seine große Klasse, vor allem das 1:0 war sehenswert. Half einige Male sogar noch nach hinten aus. In der 72. Minute mit großem Applaus verabschiedet.
Miroslav Klose: Ersetzte Gomez in der 72. Minute. Hatte in seinem 118. Länderspiel noch eine gute Chance in der 88. Minute.
Toni Kroos: Kam in der Schlussphase (81.) für Özil.
Lars Bender: Kam in der Nachspielzeit (90.+2) für Müller.
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