Dienstag, 14. Februar 2012, 18:01

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

EM-2008

St. Paulis Teamchef analysiert die Kroaten

Odonkor könnte Lücken reißen

Um eines vorweg zu nehmen: Das zweite Vorrundenspiel gegen Kroatien wird sicherlich schwieriger für die deutsche Mannschaft als die erste Begegnung gegen Polen. Aber wenn das Team von Trainer Joachim Löw eine ähnlich gute Leistung gegen die Mannschaft von seinem Kollegen Slaven Bilic wie gegen Polen abrufen kann, dann sollte der zweite Sieg bei der EM kein Problem sein. Denn die Kroaten sind zwar stärker als die Polen, haben mich aber trotzdem sehr enttäuscht bei ihrem ersten Auftritt gegen Österreich. Nach dem frühen Elfmeter-Führungstor haben sie sich viel zu weit zurückgezogen, hatten kaum mehr gute Aktionen gegen zumindest in der ersten Halbzeit schwache Österreicher.

Am ehesten könnte Deutschland die Kroaten über schnelle Vorstöße auf der rechten Seite knacken. Deren linker Außenverteidiger Danijel Pranjic wirkt auf mich viel zu langsam. Und auch Berlins Josip Simunic, der in der zweiten Halbzeit links aushelfen sollte, ist kein schneller Spieler. Österreichs Martin Harnik hat die Behäbigkeit der Kroaten beinahe ein ums andere Mal ausgenutzt, das sollten auch die Deutschen versuchen. Obwohl Clemens Fritz gegen Polen ein starkes Spiel im rechten Mittelfeld gemacht hat, würde ich gegen Kroatien nun eher auf einen offensiveren Mann setzen. Bastian Schweinsteiger könnte gut passen, aber auch der pfeilschnelle David Odonkor wäre bestens geeignet, um über Deutschlands rechte Seite nach vorne zu stürmen.

Im Abwehrzentrum hat Bilic mit Robert Kovac und Simunic zwei sehr erfahrene Innenverteidiger zur Verfügung, die aber bei schnellerem Kombinationsspiel durch die Mitte zu schlagen sind. Man sollte nur nicht den Fehler der Österreicher wiederholen und zu sehr auf hohe Bälle setzen. Die großgewachsenen Kovac und Simunic lauern nur so auf hohe Flanken. Und obwohl Miroslav Klose und Mario Gomez ebenfalls sehr kopfballstarke Spieler sind, wäre das das falsche Mittel, um zum Erfolg zu kommen. Aber verstecken müssen sich Deutschlands Stürmer vor Kovac und Simunic definitiv nicht.

Das oft so gelobte zentrale Mittelfeld der Kroaten hat mich nicht wirklich überzeugt. Weder Niko Kovac noch der so hoch gehandelte Luka Modric sind Spielertypen, die ähnlich wie Michael Ballack oder bei den Niederlanden Rafael van der Vaart und Wesley Sneijder immer wieder in die Spitze gehen und die Stürmer unterstützen. So sind Dortmunds Mladen Petric und Hamburgs Ivica Olic oft auf sich allein gestellt. Wobei Olic auch ohne große Hilfe für ordentlichen Druck sorgen kann. Der HSV-Angreifer wirbelt im Nationalteam ähnlich wie in der Bundesliga, ist unheimlich laufstark und darf nie aus den Augen gelassen werden.

Bei Standards muss die deutsche Hintermannschaft besonders auf den früheren HSV-Profi Niko Kovac aufpassen. Der 1,76 Meter große Mittelfeldspieler lauert bei Ecken und Freistößen meistens am ersten Pfosten und ist brandgefährlich. Ähnlich wie bei St. Pauli Thomas Meggle oder beim HSV Nigel de Jong ist Kovac zwar nicht der Längste, hat aber ein sehr starkes Stellungsspiel und ein exzellentes Timing bei Kopfbällen. Generell hatten die Kroaten einige gute Eckballvarianten auf Lager, bei denen Deutschlands Defensive aufpassen muss.

Ich erwarte ein emotionales Spiel mit vielen kleinen, versteckten Fouls, bei denen Löws Spieler achtsam sein sollten, sich nicht provozieren zu lassen. Wenn ihnen das gelingt, sie trotzdem über weite Strecken des Spiels das Tempo hochhalten können, dann sollte dem zweiten Sieg nicht viel im Wege stehen. Ich bin Optimist und tippe auf einen 3:1-Sieg für Deutschland.


St. Paulis Teamchef Holger Stanislawski ist im Rahmen seines Trainer-Lehrgangs derzeit bei der EM in Österreich und in der Schweiz, um die Gegner der deutschen Mannschaft zu analysieren. Das Spiel zwischen Kroatien und Österreich sah Stanislawski live im Stadion.

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus