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Fußball

Trainersuche: Der HSV-Vorstand befindet sich noch immer in der Sondierungsphase

Meyer, Adriaanse und Jol stehen auf der Liste

Die Kandidaten entsprechen den Suchkriterien von Beiersdorfer –zwei von ihnen stünden zur Verfügung.

Hamburg. HSV ist klar besprochen. Das Thema Trainersuche hat oberste Priorität und unterliegt zugleich der höchsten Geheimhaltungsstufe. Solange kein Kandidat wirklich kurz vor der Unterschrift steht, wird nur die Führungscrew selbst, ergänzt vom Aufsichtsratsvorsitzenden Horst Becker und dem Sportchef der Kontrolleure (Willi Schulz), Namen und Rangfolge auf der Wunschliste kennen. Seit Huub Stevens’ Abschiedsverkündung im November 2007 und der folgenden Profilerstellung sowie ersten internen Abwägungen hat sich daran nichts verändert.

Das Abendblatt erfuhr jedoch, dass zwei Trainer bereits zum engeren Kreis der Kandidaten für die Stevens-Nachfolge zählen: Nürnbergs Cheftrainer Hans Meyer und der niederländische Trainer Co Adriaanse vom Klub Al-Saad in Katar. Die "Süddeutsche Zeitung" benannte einen dritten Mann, der nach Abendblatt-Informationen ebenfalls zur Debatte steht: Martin Jol, auch ein Landsmann von Huub Stevens.

Die Macher beim HSV halten an ihrer internen Absprache fest. "Kein Kommentar", sagt Sportchef Dietmar Beiersdorfer zu sämtlichen gehandelten Namen. Der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann betonte auf Nachfrage, dass "der HSV bislang mit keinem Trainerkandidaten gesprochen" habe. Im Klartext: Die interne Sondierungsphase ist noch nicht abgelaufen. Die Scoutingabteilung und Beiersdorfer wollen die heikle Phase der Trainerfindung, persönliche Verhandlungen mit möglichen Absagen und folgenden öffentlichen Diskussionen, kurz gestalten und durchleuchten ihre Kandidaten daher im Vorfeld eingehend und von allein Seiten.

Interessant ist, dass zwei der drei Kandidaten auf der aktuellen Wunschliste von Sportchef Dietmar Beiersdorfer ab Sommer tatsächlich zur Verfügung stünden: Adriaanse und Jol. Der 60-jährige Adriaanse hat in Katar beim Spitzenklub Al-Saad zwar noch einen Vertrag bis 2009, allerdings ist es ein offenes Geheimnis, dass sich der ehemalige Trainer des FC Porto und von Ajax Amsterdam im Wüstenstaat nicht sonderlich wohl fühlt, er gerne zeitnah in eine der großen europäischen Ligen zurückkehren würde. Beim gestrigen Spitzenspiel seines Vereins waren nur 2000 Fans im Stadion – und diese Zuschauerzahl gilt sogar als ausgesprochen groß

Dass Adriaanse im Ernstfall problemlos aus seinem Vertrag käme, gilt in den Niederlanden ebenso als wahrscheinlich wie die Tatsache, dass er schnell einen neuen Klub fände. "Er ist sehr zielstrebig", sagt der ehemalige HSV-Verteidiger Nico Hoogma, mittlerweile Sportdirektor in Almelo.

Was ebenso für Adriaanse spricht: Er gilt als noch größerer Disziplinfanatiker als Huub Stevens. "In seinem Wörterbuch gibt es unzählige Begriffe für Disziplin", sagt man ihm in der holländischen Ehrendivision nach. Zudem gilt er als "der König des Angriffsfußballs".

Auch der 52 Jahre alte Jol lässt vornehmlich offensiv agieren. Als sein größter Vorteil im Vergleich zu Adriaanse gilt der Umstand, dass er sich mehr den Gegebenheiten seines neuen Klubs anpasst, vorhandene Strukturen nutzt und aufbaut. Ihm wird nachgesagt, parallel zum Alltagsgeschäft vor allem an der Entwicklung junger Spieler zu feilen, um sie aus den eigenen Ergänzungsreihen in die erste Profimannschaft zu bringen. Jol kommuniziert seine disziplinarischen Ansprüche fast ausschließlich intern, nach außen tritt er im Verhältnis zu den Spielern eher als "Kumpeltyp" auf. Theoretisch wäre Jol sofort verfügbar. Allerdings hat sich der gefragte Fußballlehrer, der dem PSV Eindhoven vor der Stevens-Einigung eine Absage erteilte, noch nicht mit dem Premier-League-Verein Tottenham Hotspur über eine Abfindung geeinigt. Jol hatte sich Ende Oktober 2007 nach internen Differenzen von den Hotspurs getrennt – eine millionenschwere Einigung dürfte innerhalb der kommenden vier Wochen erfolgen.

der HSV wohl die größten Probleme, falls sich der Verein um Nürnbergs Trainer Meyer bemühen würde. Meyer selbst will sich an Personalspekulationen keiner Art beteiligen. FCN-Sportdirektor Martin Bader sagt aber deutlich: "Wir haben erst vor kurzem bis 2009 mit Hans Meyer verlängert. Bislang haben wir es immer so gehandhabt, dass Herr Meyer mir mitgeteilt hat, wenn ihn etwas interessiert oder bewegt, und dann haben wir auch eine Lösung gefunden. Da er noch nicht zu mir gekommen ist, interessieren mich mögliche Anfragen oder andere hypothetische Dinge nicht." Im Januar 2007, als der HSV schon einmal bei Meyer angefragt hatte, um ihn möglicherweise zum Nachfolger von Thomas Doll zu machen, hatte der 65-jährige Trainer die Vereinsführung der Franken ebenfalls informiert.

Neben finanziellen Aspekten – Adriaanse und Jol dürften mindestens eine Preisklasse höher liegen als Meyer – dürfte in den nächsten Tagen und Wochen entscheidend sein, welche Grundkriterien in der Beurteilung einen größeren Stellenwert einnehmen werden. Hoogma, der nach wie vor gute Kontakte nach Hamburg pflegt und von Beiersdorfer schon häufiger um eine Einschätzung gebeten wurde, weiß mehr, sagte aber auf Abendblatt-Anfrage: "Was Didi mich über einzelne Personen fragt und was ich antworte, werde ich nicht in die Öffentlichkeit tragen." Auch er hat die HSV-Marschroute also verinnerlicht.HA

 

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