17.07.12

Korruption in der Fifa

Blatter bleibt - Ethikkomission bekommt deutschen Chef

Joseph Blatter bleibt Fifa-Präsident und will Reformen vorantreiben. Der deutsche Richter Joachim Eckert soll zum Chefaufklärer werden.

Foto: AFP
Sepp Blatter nahm auf einer Pressekonferenz am Rande des Treffens des Fifa-Exekutivkomitees zu den Korruptionsvorwürfen gegen seine Person Stellung
Sepp Blatter nahm auf einer Pressekonferenz am Rande des Treffens des Fifa-Exekutivkomitees zu den im Raum stehenden Korruptionsvorwürfen Stellung

Zürich. Joseph Blatter bleibt. Der umstrittene FIFA-Chef kommt den Forderungen nach seinem Rücktritt nicht nach und sieht sich weiter als treibende Kraft beim Reformprozess im schwer angeschlagenen Fußball-Weltverband. Das Exekutivkomitee ernannte am Dienstag den deutschen Richter Joachim Eckert und den amerikanischen Staatsanwalt Michael Garcia zu den Vorsitzenden der beiden Kammern der neuen Ethikkommission, die den Kampf gegen die Korruption voranbringen soll.

"Ich bin ein glücklicher Präsident, weil unser Reformprozess weitergeht. Ich als Präsident werde diesen Reformprozess weiter begleiten", sagte Blatter, der bei der Pressekonferenz in der FIFA-Zentrale in Zürich allerdings viele unangenehme Fragen zum Schmiergeldskandal und zum gestörten Verhältnis zum deutschen Fußball beantworten musste.

Theo Zwanziger stellte sich als Mitglied der FIFA-Führungsriege vor den 76-jährigen Schweizer. "Aus Sicht der FIFA-Exekutive ist er absolut tragbar. Der Reformprozess wäre gar nicht weitergegangen ohne ihn", sagte der frühere Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Ein Rücktritt Blatters, wie ihn der deutsche Ligapräsident Reinhard Rauball gefordert hatte, sei kein Thema gewesen, bekräftigte Zwanziger: "Ich hatte keinen Auftrag, ihn zu fordern." Blatter sei nicht der Beschuldigte in diesem Prozess, das solle man zur Kenntnis nehmen.

"Verstehen Sie: Wenn ich jedes Mal reagieren würde, wenn irgendjemand auf der Welt sagt, trete zurück, dann würde ich mich blau und grün ärgern." - Blatter zur Rücktrittsforderung von Reinhard Rauball

Auch Blatter bestätigte, dass in der über zweistündigen Sitzung nicht darüber gesprochen worden sei. "Über die Position des FIFA-Präsidenten kann nur der Kongress entscheiden", meinte der Schweizer und sagte auf eine Frage zu der Rücktrittsforderung des deutschen Ligapräsidenten Rauball: "Verstehen Sie: Wenn ich jedes Mal reagieren würde, wenn irgendjemand auf der Welt sagt, trete zurück, dann würde ich mich blau und grün ärgern." Blatter will jetzt den Reformprozess weiter vorantreiben. Der Ethikkodex wurde verabschiedet, die beiden neuen Kammern der Ethikkommission besetzt.

+++ Der Blatter-Brief im Wortlaut +++

+++ Sepp Blatter: Letzter Ausweg Sommermärchen +++

Der 64 Jahre alte Eckert leitet die 6. Strafkammer des Landgerichts München und ist dort auf Wirtschaftsverfahren spezialisiert. Er soll in einer juristisch ähnlichen Konstruktion wie beim DFB ein Sportgericht der FIFA leiten.

Garcia arbeitet in den USA als Ankläger und war in dieser Funktion unter anderem auch im Doping-Prozess gegen die frühere Sprint- Olympiasiegerin Marion Jones tätig. Er soll in der Ethikkommission einer Art Kontrollausschuss vorsitzen. "Die Vorsitzenden der beiden Kammern sind komplett unabhängig", sagte Blatter, sie bekommen jedoch die üblichen Spesen des Weltverbandes. Die FIFA werde allen Entscheidungen der neuen Ethikkommission folgen.

Nachdem sich die IOC-Exekutive am Wochenende in London mit der Causa FIFA beschäftigt, forderte auch Thomas Bach eine vollständige Aufarbeitung. "Es sollte aus meiner Sicht alles aufgeklärt werden", sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Dienstag). "Ich weiß und wusste nichts von weiteren Personen", erklärte Blatter nun auf die Frage, ob es in der ISL-Affäre weitere Schmiergeldzahlungen gegeben habe.

Der ehemalige FIFA-Präsident Joao Havelange und dessen brasilianischer Landsmann Ricardo Teixeira hatten vor Jahren von der inzwischen insolventen Schweizer Marketingfirma ISMM/ISL rund 14 Millionen Schweizer Franken (heute umgerechnet etwa 13 Millionen Euro) Schmiergeld kassiert. Insgesamt soll ISL aber geschätzt 138 Millionen Schweizer Franken (umgerechnet rund 114 Millionen Euro) an rund ein Dutzend Funktionäre gezahlt haben.

Der 76-jährige Blatter war bei seinen Gegenattacken gegen den deutschen Fußball schon vor der Sitzung zurückgerudert. In einem offenen Brief an "Fußball-Deutschland" in der "Bild"-Zeitung relativierte der FIFA-Boss seine Aussagen zu Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe der WM 2006. Er erklärte, dass "man immer einen Vorwand finden kann, um die Rechtmäßigkeit eines Entscheides zu bezweifeln."

Blatter war im Oktober 2010 in Essen vom damaligen Verbandschef Theo Zwanziger zum DFB-Ehrenmitglied gekürt worden war – und trägt die Ehrennadel, wie er am Dienstag betonte, auch noch "mit Stolz". Das in den Akten der Staatsanwaltschaft Zug belegte Ausmaß der FIFA-Korruptionsaffäre hat weltweit Wellen geschlagen und ein schlechtes Licht auf Blatter geworfen.

Kurzporträt des Münchner Strafrichters Joachim Eckert
Kurzporträt des Münchner Strafrichters Joachim Eckert
Geboren am: 15. Juli 1948
Karriere: Viele Jahre Staatsanwalt in München, seit dem 1. Mai
1998 Richter am Landgericht München I. Zunächst Chef einer Berufungsstrafkammer. Seit 2007 leitet Eckert die deutlich größere 6. Strafkammer des Landgerichts, die auf Wirtschaftsstrafsachen spezialisiert ist. Künftig soll Eckert einer von zwei Juristen an der Spitze der FIFA-Ethikkommission sein.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
title
22.05.13 HAWetter für Hamburg
Nur der graue Himmel ist sicher

Viele Dienste sagen das Wetter für Hamburg voraus - aber mit großen Abweichungen. Unzählige Anbieter konkurrieren um Nutzer. Was dahintersteckt. mehr...

Herrentag in Berlin
22.05.13 HANahverkehr in Hamburg
Innensenator verlangt strenge Promillegrenze für Radfahrer

Neumann hält 1,1 Promille für "sinnvolle Diskussionsgrundlage". Wer mehr trinkt, könnte bald den Führerschein verlieren. Der ADFC unterstützt den Vorstoß, die Grenze abzusenken. mehr...


Das Restaurant „Strumhaube“ am Roten Kliff auf Sylt. Hier eskalierte Am Pfingstwochenede eine Party mit rund 3000 Gästen
21.05.13Restaurant Sturmhaube
"Ich kenn Peter" - Nobelparty auf Sylt endet in Schlägereien

Die Polizei musste mit allen verfügbaren Kräften in das Restaurant "Sturmhaube" am Roten Kliff anrücken. Nach einem Facebook-Aufruf waren 3000 Gäste gekommen. Es blieb nicht lange friedlich. mehr...

Edeka-Chef Markus Mosa im ersten Geschäft des Hamburger Verbundes in der HafenCity. Der Manager muss sich mit Kritik der Gewerkschaft Ver.di auseinandersetzen
22.05.13 HAHamburger Einzelhandel
Kunden fordern höhere Löhne bei Edeka

"Hamburger Appell" mahnt eine faire Bezahlung an. Die erste Tarifrunde für insgesamt 70.000 Beschäftigte im Einzelhandel ergebnislos vertagt. mehr...

Alles über Ihre Straße

Top-Videos
Hintergrund:
Rafael van der Vaart neuer HSV-Kapitän

HSV-Experte Marcus Scholz zur Absetzung von Heiko Westermann als Kapitän der Mannschaft.mehr »

Top Bildergalerien mehr

Chelsea besiegt Benfica im Euro-League-Finale

Monster-Tornado in Oklahoma

Handball

HSV Hamburg schlägt die Füchse Berlin

Rothenburgsort

Reh vor dem Ertrinken gerettet

tb_mrs-sporty.gif
Mrs. Sporty

Ihr freundlicher Sportclub in der Nachbarschaftmehr

Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr