30.05.12Randalen beim Fussball
Polizeigewerkschaft will Stehplätze abschaffen und Zäune erhöhen
"Die Stehplätze gehören abgeschafft, die Zäune erhöht und bei jeder Ausschreitung sollten für den Verein 100.000 Euro fällig werden", sagte der DPolG-Vorsitzende Rainer Wendt
Von abendblatt.de
Foto: Bongarts/Getty Images/Getty
Osnabrück. Mit Blick auf Ausschreitungen bei Fußballspielen fordert die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) die Innenminister dazu auf, empfindliche Strafen gegen Vereine und Fußball-Ligen durchzusetzen. "Die Stehplätze gehören abgeschafft, die Zäune erhöht und bei jeder Ausschreitung sollten für den Verein 100.000 Euro fällig werden", sagte der DPolG-Vorsitzende Rainer Wendt der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Wem zudem strenge Leibesvisitationen nicht passen, der soll vor dem Stadion bleiben müssen." Die Sicherheit in Fußballstadien ist auch Thema der Innenministerkonferenz am (heutigen) Mittwoch in Göhren/Lebbin in Mecklenburg-Vorpommern.
Weitere Gespräche von Politikern mit DFB und DFL lehnte Wendt ab. "Am Runden Tisch drehen sich die Teilnehmer meist nur im Kreis", sagte er. "Die Innenminister müssen sich endlich gegen die Borniertheit der Vereine und Ligen durchsetzen: Ein Fußballspiel mit Zigtausenden Zuschauern ist nicht mit dem Hausrecht bei einer privaten Grillparty gleichzusetzen." Bei der Inneren Sicherheit sei es am Staat und nicht an DFB und DFL, die "Spielregeln für empfindliche Geldbußen" festzulegen.
Ligapräsident Reinhard Rauball hatte sich zuletzt gegen reine Sitzplatzstadien ausgesprochen. Das sei nicht verhandelbar, hatte Rauball betont und einen Selbstreinigungsprozess gefordert, bei dem vernünftige Fans auf Krawallmacher einwirken sollten. Dagegen hatte Vereinschef Martin Kind von Bundesligist Hannover 96 erklärt, wenn es ganz schlimm komme, werde es in Hannover nur noch personifizierte Sitzplätze geben.
Mit Material von dapd und dpa
Die Schlüsselszenen des Relegationsspiels Düsseldorf - Hertha
1. Minute:
Maximilian Beister bringt Fortuna nach 25 Sekunden mit einem fulminanten Distanzschuss mit 1:0 in Führung. Die Fortuna-Fans in der Esprit-Arena toben vor Freude, Hertha ist geschockt.
23. Minute:
Berlins Angreifer Änis Ben-Hatira schafft per Kopf den 1:1-Ausgleich für den Bundesligisten.
54. Minute:
Ben-Hatira sieht nach einem groben Foul die Gelb-Rote Karte. Hertha ist nur noch zu Zehnt.
59. Minute:
Der eingewechselte Ranisav Jovanovic köpft das 2:1 für Düsseldorf. Direkt danach fliegen aus dem Hertha-Block Feuerwerkskörper auf den Rasen. Fortuna-Fans zünden auf der Gegenseite ebenfalls Bengalische Feuer. Polizei und Ordnungskräfte marschieren auf.
60. Minute:
Schiedsrichter Wolfgang Stark unterbricht die Partie für rund drei Minuten, weil die Sicherheit der Spieler gefährdet ist.
85. Minute:
Ausgleich zum 2:2 durch Raffael. Ein Tor noch für Hertha, und der Bundesligist wäre gerettet. Stark muss das Spiel erneut für etwa zwei Minuten unterbrechen, weil Feuerwerkskörper gezündet werden. 90. Minute: Sieben Minuten Nachspielzeit werden angezeigt.
90.+ 6 Minuten:
Hunderte Fortuna-Fans stürmen auf den Rasen, kurz bevor die Nachspielzeit abgelaufen ist. Eineinhalb Minuten wären noch zu spielen gewesen. Spieler, Betreuer und Trainer beider Teams sowie Schiedsrichter flüchten in die Katakomben. Der Stadionsprecher wirkt deeskalierend auf die Fans ein und appelliert eindringlich, den Rasen zu räumen, damit die Partie zu Ende gebracht werden kann. Stark signalisiert, dass er das Spiel sonst abbrechen muss.
15 Minuten nach dem Sturm auf den Rasen kommen die Fortuna-Spieler zurück, nachdem die Zuschauer vom Spielfeld zurückgedrängt worden waren. Von den Hertha-Akteuren ist noch nichts zu sehen.
Die Berliner erwägen, nicht weiterzuspielen. In den Katakomben erkundigt sich Manager Michael Preetz bei Schiedsrichter Stark, ob die Sicherheit der Spieler garantiert werden kann.
Die Lage hat sich beruhigt. Stark erreicht, dass Hertha BSC weiterspielt.
Nach 21 Minuten Unterbrechung geht es weiter. Die Restspielzeit wird absolviert.
Um 22.49 Uhr pfeift Schiedsrichter Stark ab. Fortuna Düsseldorf ist auf-, Hertha abgestiegen. Die Fans stürmen erneut auf den Rasen.