Copa del Rey
Josep Guardiola verabschiedet sich mit Pokalsieg
Der FC Barcelona hat den spanischen Königspokal mit 3:0 gegen Athletic Bilbao gewonnen. Für Trainer Guardiola war es der 14. Titel seit 2008.
Köln/Madrid. Alles hüpfte, nur der Chef blieb eisern stehen: Als die Spieler des FC Barcelona nach dem ersehnten Pokalsieg die große Fiesta starteten, verharrte Josep Guardiola nahezu regungslos auf dem Siegerpodest und blickte in den Nachthimmel. Nur ein Lächeln auf dem Gesicht ließ erahnen, was dem scheidenden Trainer nach seinem letzten Spiel durch den Kopf ging. "Es war eine wunderschöne Zeit, die ich nie vergessen werde", sagte Guardiola, als er wenig später nach passenden Worten suchte.
Wunderschön, aber vor allem erfolgreich: Das 3:0 (3:0) im Finale gegen Athletic Bilbao war der 14. Titel der Katalanen in vier Jahren unter Guardiola. "Ich gehe erhobenen Hauptes. Es war mir eine Ehre, mit den besten Spielern, die ich je gesehen habe, zu arbeiten", sagte der Erfolgscoach: "Und wahrscheinlich waren es auch die besten, die ich je sehen werde". Schon bei der Siegerehrung suchte er die Distanz: Als seine Mannschaft auf der Tribüne die Trophäe entgegennahm, klatsche Guardiola im Mittelkreis höflich Beifall.
Das letzte Spiel, der letzte Sieg, der letzte Titel: Zum Abschied stimmte auch die spanische Presse Lobeshymnen an. "Dieser Pokal ist für dich, Pep", titelte die Marca, die AS erhob den Coach gar in den Status einer "Legende": "Seinen ersten Titel holte er gegen Bilbao, und nun auch seinen letzten. Für Guardiola hat sich an diesem Tag der Kreis geschlossen." Schon 2009 hatte Barcelona die Basken im Pokalfinale mit 4:1 bezwungen.
+++ Guardiola fühlt sich müde, Co-Trainer Vilanova übernimmt +++
Eine ungewohnte Nebenrolle spielte an diesem Abend somit Lionel Messi. Dabei hatte der Weltstar aus Argentinien soeben seinen insgesamt 73. Saisontreffer für die "Blaugrana" erzielt, eine kaum zu toppende Bilanz. Guardiola wusste dann auch, bei wem er sich für die vergangenen Jahre zu bedanken hatte. "Messi hat mir und uns geholfen, noch besser zu sein. Wir hätten zwar auch ohne ihn Titel gewonnen, aber nicht 14 von möglichen 19", sagte der 41-Jährige.
Seinem Nachfolger Tito Vilanova hinterlässt er ein bestelltes Feld, davon ist Guardiola überzeugt: "Ich übergebe den Klub so, dass alles weiterlaufen kann wie bisher." Auf den bisherigen Co-Trainer wartet dank des Pokalsieges ein Einstand mit Brisanz. Im ersten Pflichtspiel unter seiner Leitung geht es im August ausgerechnet gegen den Rivalen und neuen Meister Real Madrid um den spanischen Supercup. Kurios: Sowohl Vilanova als auch sein Gegenüber Jose Mourinho sind im Hinspiel wegen Auseinandersetzungen nach dem letzten Duell gesperrt.
Begonnen hatte das Finale in Madrid kurios: Wegen der erwarteten Pfiffe sowohl der Fans aus Katalonien als auch dem Baskenland wurde nur eine verkürzte Nationalhymne gespielt. Ohne Erfolg, der Lärm war enorm. Doch diese Misstöne waren schnell vergessen. Pedro (3./24.) und Weltfußballer Messi (19.) trafen früh für den entthronten Meister und Champions-League-Sieger, der zum 26. Mal den Königspokal sein Eigen nennen darf. Auch das ein Rekord. Die Hamburger Fußballfans können die Weltstars des FC Barcelona übrigens am 24. Juli bestaunen, wenn die Katalanen zu einem Freundschaftsspiel beim HSV antreten.
Guardiola zu Chelsea?
"Macher" Guardiola verschwand derweil durch die Hintertür und ließ seine Zukunft offen. "Ich brauche jetzt eine Pause. Wenn ich nicht so erschöpft wäre, hätte ich gerne weitergemacht. Wir werden sehen, was in der Zukunft passiert", sagte er. Englische Medien wurden prompt hellhörig - und brachten den Spanier mit Champions-League-Sieger FC Chelsea in Verbindung.
Bilbao kassierte dagegen die zweite Final-Niederlage in einem Monat. Die Basken hatten in der Europa League zwar Manchester United und Schalke 04 bezwungen, scheiterten aber im Endspiel an Atlético Madrid. Sie bleiben im spanischen Pokal mit 23 Titeln der zweiterfolgreichste Club, hinter Barça mit nunmehr 26 Cup-Siegen.
Mit Material von sid und dpa

















