Nachspiel
Wer stoppt Manfred Amerell?
Kommentar: Abendblatt-Sportchef Peter Wenig beschäftigt sich mit dem Schiedsrichter-Skandal.
Das Ansehen von Ex-Schiedsrichter Manfred Amerell ist derzeit arg beschädigt.
Foto: dpa/DPA
Die klammheimliche Freude stand ihm ins kantige Gesicht geschrieben. Mit wohligem Gefühl verfolgte Manfred Amerell, wie Moderator Johannes B. Kerner intime E-Mails verlas, die ihm sein Zögling Michael Kempter in den vergangenen Jahren geschrieben hatte. Es war nichts weniger als eine öffentliche Hinrichtung, minutiös geplant von Amerell und seiner juristischen Entourage. Über seine Motivlage hat Amerell nie einen Zweifel gelassen. Er will Kempter mit aller Macht mit in den Abgrund reißen.
Eines ist ihm dabei auf jeden Fall schon gelungen. Kempters Glaubwürdigkeit ist nachhaltig beschädigt. Wer nimmt ihm angesichts dieser Liebes-Mails noch die Klage über sexuelle Belästigung ab? Verzweifelt weist Kempter auf das Abhängigkeitsverhältnis zu seinem einstigen Förderer hin.
In der öffentlichen Diskussion mag die Frage der Abhängigkeit keine Rolle spielen. Und doch ist sie entscheidend. Ausgerechnet der Mann, der Schiedsrichter-Karrieren wie kaum ein Zweiter beeinflussen konnte, hatte intime Kontakte mit einem Referee - zu Recht hat Amerell jeden Anspruch auf ein Amt im DFB verspielt.
Dass er jetzt noch junge Schiedsrichter verklagen will, die endlich den Mut hatten, sich gegenüber dem DFB über jahrelange massive sexuelle Annäherungsversuche Amerells zu offenbaren, ist an Schäbigkeit nicht mehr zu überbieten. Denn welcher Schiedsrichter wird jetzt noch den Mut haben, über intimste Vorkommnisse zu reden?
Zu hoffen bleibt, dass der Bumerang jetzt zurückfliegt. In Form staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen gegen Amerell wegen sexueller Nötigung. Dann müsste sich der Bayer endlich nicht mehr Fragen von Journalisten, sondern von Juristen stellen.
Bis dahin sollte Manfred Amerell medial endlich schweigen. Und sich ganz einfach nur noch schämen.







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