Hoeneß attackiert die Fifa

Der Fußball-Weltverband erhielt in Hamburg den Negativpreis "Verschlossene Auster"

Hamburg. Die Gesichtsfarbe von Uli Hoeneß hatte ein kräftiges Rot angenommen, als er zur Attacke blies. Nachdem der Fußball-Weltverband Fifa (in Abwesenheit) von der Journalistenvereinigung "Netzwerk Recherche" auf dem Gelände des NDR den Negativpreis "Verschlossene Auster" wegen mangelnder Offenheit und Behinderung der Pressefreiheit erhalten hatte, ließ auch der Präsident des FC Bayern Dampf ab.

"Bei der Fifa laufen so viele Dinge schief, das kann nicht mehr lange gut gehen", kritisierte Hoeneß die Amtsführung von Fifa-Chef Joseph Blatter. "Bei vielen Entscheidungen in den vergangenen zehn, 15 Jahren ist es nicht mit rechten Dingen zugegangen."

Als "Laudator" hatte die Organisation den Schweizer Nationalrat Roland Büchel eingeladen, der trotz Milliarden-Umsätzen das weiterhin völlig intransparente System von Löhnen, Aufwandsentschädigungen und Boni bei der Fifa anprangerte. Für Hoeneß ein Unding: "Blatter hat es geschafft, einen inner Circle (geschlossener Kreis, d. Red.) um sich zu bauen. In diesen Kreis kommt nie jemand, der ihm nicht dient." Seine Forderung: "Ein so großer Laden wie die Fifa braucht einen Aufsichtsrat, der Zugang zu allen Zahlen bekommt. Derzeit wird bei der Fifa aber nichts kontrolliert."

Hoeneß vermisst den Druck von den Verbänden ("Die müssen das in die Hand nehmen"), zugleich hat er aber wenig Hoffnung, dass sich schnell etwas ändert, wie seine Aussage über den reformwilligen ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger beweist, der dem 24-köpfigen Exekutivkomitee, dem höchsten Entscheidungsgremium der Fifa, angehört: "Er hat überhaupt keine Chance, viel zu wenig Einfluss. Am Ende wird nicht viel herauskommen. Zwanziger hat schon Probleme mit der Übersetzung, weil er kein Englisch spricht." Anders als der europäische Verband Uefa nehme die Fifa die Vereine überhaupt nicht ernst.

Für das erkennbare Streben Blatters nach dem Friedensnobelpreis hatte Hoeneß nur Spott übrig: "Wenn er den Nobelpreis verliehen bekommt, werde ich Generaldirektor bei der Metropolitan Oper in New York." Dass Blatter 2015 als dann 78-Jähriger für eine fünfte Amtszeit kandidiert, "möge Gott verhüten", so Hoeneß.

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