Hamburg. Es gab viele unangenehme Titulierungen, mit denen der HSV in den vergangenen Tagen versehen wurde. Nach nur drei Siegen aus den letzten 15 Bundesligaspielen und einigen Brandherden (Kompany, van der Vaart) war "Krisenklub" dabei der wohl am häufigsten genannte Begriff.
HSV-Notizen
Tagesgeschäft für einen Verein, wenn es sportlich nicht rund läuft. Doch als das Kürzel "HSV" jetzt in einer groß angelegten Werbekampagne des Elektrofachmarkts Media Markt mit "Hamburger Schnäppchen-Verein" übersetzt wurde, war die Schmerzgrenze erreicht.
Bei der bis zum 26. April geplanten, auf Hamburg und Umgebung begrenzten Kampagne des Unternehmens präsentiert HSV-Legende Uwe Seeler im roten Trainingsanzug die neuen Angebote. Erst kurz vor dem Start der Aktion dachte Media Markt daran, beim HSV nachzufragen - was sich rächte.
Der Vorstand zwang das Unternehmen, den Slogan zu ändern. Also wurde HSV in "Hamburger Sensations-Verein" umgetauft. Die aktuelle Werbung in Tageszeitungen und Zeitschriften sowie Beilagen trug schon gestern den neuen Schriftzug. Bei den bereits aufgestellten "City Lights", der Werbung auf den Straßen und in U- und S-Bahnschächten muss das Wort "Schnäppchen" dagegen geschwärzt werden. Wie eine Unternehmenssprecherin von Media Markt gegenüber dem Abendblatt mitteilte, werden diese Werbemaßnahmen in der kommenden Woche nach und nach ersetzt. Dies sei aber sowieso geplant gewesen, um für neue Produkte zu werben.
Ketzerisch könnte man sich fragen, ob Media Markt nun nicht bald eine Unterlassungsklage der HSV-Fans ins Haus flattert, schließlich ist der Begriff "Sensations-Verein" im Zusammenhang mit dem HSV - zumindest die Leistungen auf dem Platz betreffend - irreführend.
Denn neben dem sportlichen Misserfolg musste die Klubführung zunehmend auch gegen das dürftige Erscheinungsbild des HSV ankämpfen, nachdem sich die Kritik an der langen Trainersuche, die an Michael Endes Buch "Die unendliche Geschichte" erinnert, spürbar häufte und interne Dispute öffentlich diskutiert wurden.
"Wichtiger als die Außendarstellung ist in diesem Fall, die inhaltlich richtige Entscheidung zu treffen und sich nicht vom öffentlichen Druck leiten zu lassen", sagt Katja Kraus, im Vorstand für den Bereich Kommunikation verantwortlich. Kraus schätzt das Bild, das der Verein derzeit abgibt, weiter als unproblematisch ein: "Die Themen innerhalb einer Mannschaft sind immer die gleichen, nur werden sie bei sportlichem Erfolg nicht in der Öffentlichkeit nach außen gekehrt. Bestimmte Mechanismen sind bei jedem Klub in der Bundesliga zu beobachten. Also greifen sie auch bei uns, nachdem nach einer einjährigen Phase der Euphorie jetzt mal eine Schwächephase eingetreten ist."
Ob aber nicht das positive Image des Klubs Schaden nimmt? Schließlich leisteten sich die Spieler auch auf dem Platz zuletzt verstärkt Undiszipliniertheiten. "Grundsätzlich gibt es kein transparenteres Gebilde als einen Fußballverein", entgegnet Kraus. "In schwierigen Phasen werden Erklärungen gesucht und auch gefunden. Die grundsätzliche Haltung der Menschen zum Verein ist jedoch weiter positiv, und wir haben schließlich sportlich alle Chancen, die Saison erfolgreich zu beenden."
Auch Spieler und Trainer bemühten sich am Freitag um Ruhe. "Es ist genug geredet worden, wir sollten uns wieder auf Fußball konzentrieren", forderte Kotrainer Markus Schupp, der Huub Stevens am Montag nach der zweitägigen Trainingspause wieder in Hamburg erwartet. Dann wird auch Vincent Kompany wieder mit der Mannschaft trainieren dürfen.
Guy Demel kritisierte unterdessen, dass die Ergebnisse der jüngsten Zeit überbewertet würden: "Worüber reden wir eigentlich? Wir haben uns gegen Bielefeld und Duisburg zwei schwache Spiele geleistet. In Stuttgart waren wir die bessere Mannschaft, in Berlin auch." Der Vermutung, dass das Mannschaftsgefüge gestört sei, widersprach er vehement: "Ich komme jeden Tag gerne zum Training und lache in der Kabine. Außerdem treffen wir uns nach den Übungen, unternehmen etwas zusammen."
Auch David Jarolim betonte: "Intern stimmt es bei uns nach wie vor." Doch der Tscheche gab zu, dass zuletzt häufiger einige Worte unüberlegt ausgesprochen wurden: "Direkt nach einem Spiel ist es etwas anderes, wenn die Emotionen eine Rolle spielen. Aber manchmal sollte man vorher nachdenken, was man von sich gibt."






