Formel 1
"Nicht gesättigt": Schumacher will Karriere fortsetzen
Der Rekordweltmeister wird in der nächsten Saison wohl in sein 20. Formel-1-Jahr gehen. Vertragsverhandlungen hat es noch nicht gegeben.
Köln. "Der Zeitpunkt wird kommen", sagt Michael Schumacher, "dass mein Schwerpunkt wieder ein ganz anderer ist." So wie vor sechs Jahren, als sich der Rekordweltmeister aus der Formel 1 zurückzog. Doch die Familie muss wohl noch länger warten, bis der 43-Jährige endgültig den Fuß vom Gas nimmt. Schumacher ist weiter hungrig nach Erfolgen. "Ich bin noch nicht gesättigt. Dafür habe ich noch zu wenig erreicht im zweiten Teil", sagte der Mercedes-Pilot im Gespräch der Sport-Bild mit Blick auf die Bilanz seit dem Comeback. Schumacher ist ganz offenbar fest entschlossen, seine Karriere auch im kommenden Jahr fortzusetzen.
Was dazu fehlt, ist ein Vertrag. Aber Schumacher verspürt weiterhin keine Eile. "Es hat bezüglich einer Verlängerung noch keine Gespräche zwischen meiner Seite und Mercedes gegeben. Aber diese Gespräche werden stattfinden", kündigte Schumacher wenige Tage nach dem 297. Grand-Prix-Start seiner Laufbahn an.
Auch in Silverstone fuhr der siebenmalige Formel-1-Champion als Siebter am Podium vorbei, ganz oben stand Schumacher seit seiner Rückkehr vor zweieinhalb Jahren noch nie. 91 Siege hat er 21 Jahre nach seinem Debüt auf dem Konto, 100 werden es nicht mehr werden, zumindest so viel dürfte klar sein.
Rückblickend muss Schumacher zugeben, dass er sich nach seiner Unterschrift bei Mercedes mehr erhofft hatte. Die Erwartungen, auch von außen, seien aber nicht zu groß gewesen. "Diese hohe Erwartungshaltung hatte ich doch auch an mich. Sah doch auch alles eindeutig aus: Da ist ein Weltmeister-Team, Mercedes übernimmt, und dann komme ich auch noch dazu. Dass man da anfängt zu träumen, ist doch klar", sagt Schumacher.
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Umsetzen konnte das Team die guten Voraussetzungen aber nicht, die Ziele wurden verfehlt. "Einiges lief nicht so, wie wir es uns vorgestellt haben. Das haben wir akzeptiert und einen Neuaufbau betrieben", so Schumacher. Seitdem sei vor allem Geduld gefragt. "Das dauert nun mal. Übers Knie brechen kannst du in der Formel 1 nichts, das geht nach hinten los."
Inzwischen ist Schumacher davon überzeugt, dass es in die richtige Richtung geht. Trotz der Pannenserie zu Beginn der Saison mit fünf Ausfällen in sieben Rennen. Schumacher weiß, dass seine Erfahrung in der schwierigen Phase eine große Hilfe war. "Als ich jünger war, wäre ich da vielleicht nicht immer so ruhig geblieben", gibt der Kerpener zu.
Insgesamt sei Mercedes auf einem guten Weg: "Wir kriegen das Auto dahin, wo wir es auch richtig nutzen können. Ich kann jetzt alles herausholen, was vorher nicht unbedingt der Fall war." Allein diese Umstände wären wohl Grund genug, ein Jahr dranzuhängen und sich die Belohnung für die Entwicklung abzuholen.
Doch Schumacher geht es nicht nur um die Perspektive, der Routinier verspürt auch nach fast 19 Jahren Formel 1 im Cockpit große Lust. "Ich bin noch hochmotiviert", sagt Schumacher. Der Job sei weiterhin ein echtes Vergnügen. "Weil die Arbeit zum ganz großen Teil das ist, was mir großen Spaß macht: Rennauto fahren."
Schumacher geht es natürlich nicht auschließlich um den Fahrspaß, sondern auch um sportliche Erfolge. Das hat der dritte Platz vor zweieinhalb Wochen in Valencia gezeigt. Seine Rückkehr aufs Treppchen nach fast sechs Jahren. "Meine Gedanken waren erst: 'Ja, geschafft' und dann: 'Eigentlich willst du aber noch eine Stufe höher stehen.'" Den Traum vom Sieg hat Schumacher noch längst nicht aufgegeben, auch wenn das Karriereende unweigerlich naht.
Bleibt die offene Frage nach der Zukunft. Von einem angeblichen Ultimatum für eine Vertragsverlängerung hat der älteste aktive Formel-1-Pilot "noch nichts mitbekommen". Wann Schumacher sich mit Mercedes darüber unterhält, ob es für ihn im Silberpfeil weitergeht, bleibt Geheimsache: "Den Zeitpunkt werden wir untereinander besprechen. Sorry, nicht öffentlich." (sid/abendblatt.de)

















