Formel 1 in Valencia
Vettel macht halbes Dutzend voll, Schumacher ist frustriert
8. Rennen, 6. Sieg: Wer soll Sebastian Vettel auf dem Weg zur Titelverteidigung noch stoppen? Der Deutsche dominiert die Formel 1.
Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel dominiert derzeit die Formel 1
Foto: Getty Images/Getty Images Europe
Valencia. Erst ein feuchter Schmatzer auf die TV-Kamera, dann ein Gruß an die alten Schulfreunde in Heppenheim: Trotz geänderter Regeln geht die Sebastian-Vettel-Show weiter, der Dominator der Formel 1 lässt aber zumindest beim Jubeln keine Langeweile aufkommen.
„Gruß in die Heimat, die Zahl 5 spielt heute eine große Rolle“, sagte Weltmeister Vettel, nachdem er mit mentaler Stärke und fahrerischer Brillanz unbeeindruckt von Diskussionen und technischen Änderungen den sechsten Sieg im achten Rennen des Jahres eingefahren hatte. Sein Gruß galt den alten Kameraden in der hessischen Heimat, die ohne ihren prominentesten Mitschüler den fünften Jahrestag ihres Abiturs feierten.
Nach seinem zweiten Triumph im Hafen von Valencia hat Vettel kurz vor Saison-Halbzeit seinen Vorsprung in der WM-Wertung auf sagenhafte 77 Punkte ausgebaut - das sind mehr als drei Siege. „Ein brillanter Nachmittag! Fantastisch! Danke an alle!“, schrie er schrill und zeigte den berühmten Vettel-Finger. Nach dem inzwischen standesgemäßen Siegersprung auf die Haube seiner „Kinky Kylie“ drückte er einen dicken Kuss auf die Fernsehkamera.
„Von außen mag es wie ein langweiliges Rennen ausgesehen haben, aber ich habe es sehr genossen und bin superglücklich“, sagte Vettel, der noch nichts von einer Vorentscheidung im Titelrennen wissen wollte: „Es fühlt sich wunderbar an im Moment, aber wir müssen weiter hungrig bleiben, es ist noch ein weiter Weg.“
Stallrivale Mark Webber (3.) und der diesmal sechstplatzierte Jenson Button sind punktgleich die ersten Verfolger - oder besser gesagt, die Anführer des geschlagenen Feldes. Dabei hatten die Konkurrenten gehofft, dass sich durch das auf Raten eingeführte Verbot von Vettels „Wunderauspuff“ auch die Kräfteverhältnisse ändern würden. Das Gegenteil war zumindest vor dem kompletten Verbot demnächst in Silverstone der Fall.
Immerhin befindet sich Ferrari offenbar wirklich im Aufwind. Fernando Alonso wurde vor heimischem Publikum Zweiter und ist nun wieder im Rennen um den inoffiziellen Titel des Vize-Weltmeisters, Felipe Massa fuhr hinter Lewis Hamilton auf Rang fünf. Teamchef Stefano Domenicali richtete gleich eine Kampfansage an Vettel: „Wir konnten heute einen Red Bull hinter uns lassen, jetzt knöpfen wir uns den nächsten vor.“
Red-Bull-Kollege Christian Horner meinte trotz mehr als zehn Sekunden Vorsprung von Vettel, der in Horners Augen ein „tolles und intelligentes Rennen“ fuhr: „Es war ziemlich eng mit Ferrari. Es war ein großer und wichtiger Tag für Red Bull, aber die WM ist erst vorbei, wenn sie vorbei ist. Ferrari und McLaren waren bislang noch nie an einem Wochenende gleichzeitig konkurrenzfähig, aber der Tag wird kommen.“
Aus deutscher Sicht punkteten neben Vettel Nico Rosberg (Mercedes) als solider Siebter, Adrian Sutil (Force India) als Neunter und Nick Heidfeld als Zehnter. Das Rennen von Rekordweltmeister Michael Schumacher war dagegen schon nach einem Viertel der Distanz gelaufen, als er wegen eines zerstörten Frontflügels einen unplanmäßigen Boxenstopp einlegen musste.
„Das war meine Dummheit, ganz klar mein Fehler“, sagte der 42-Jährige: „Danach konnte ich nur noch darauf schauen, das Auto ins Ziel zu bringen.“ Da dieses Rennen lange nicht so chaotisch verlief wie die vorherigen, blieb keine Möglichkeit zum Aufholen, Schumacher beendete wurde am Ende 17.. Timo Glock beendete das Rennen im Virgin auf Rang 21.
Bestes Zeichen für die Ereignislosigkeit des Europa-Grand-Prix: Alle 24 Fahrer kamen ins Ziel. Erstmals seit sechs Jahren fiel somit kein einziger Pilot aus, durch das seitdem angewachsene Fahrerfeld bedeuten die 24 Fahrer im Ziel einen Rekord.
Während Vettel den Start gewann, wurde dem zuletzt als „Rambo“ in Erscheinung getretenen Hamilton die angekündigte Zurückhaltung beim Start zum Verhängnis: In Alonso und Massa kassierten ihn gleich beide Ferraris. Dabei war es Massa, der zuerst am Briten vorbeizog und ihn dann in der Kurve blockierte, um Alonso das Vorbeiziehen zu ermöglichen - das war Anschauungsunterricht in Sachen praktizierter Teamorder.
Auch Rosberg erwischte einen guten Start und zog an Button vorbei, musste ihn bald aber wieder passieren lassen. Lange Zeit war die Reihenfolge nun sauber geordnet. Die beiden Red Bull vor den beiden Ferraris, den McLarens und den Mercedes. Webber als „Puffer“ verhalf dem Weltmeister zu einem Vorsprung von rund drei Sekunden nach zwölf Runden, denn das Tempo konnten Ferrari offenbar halten.
Die ersten Boxenstopps veränderten das Bild nicht entscheidend, danach kam es zu den ersten Kuriositäten. Pech hatte Schumacher, der direkt nach der Boxenausfahrt von Witali Petrow erwischt wurde und umgehend noch einmal zum Wechsel des Frontflügels musste. Nach dem zweiten Stopp innerhalb von zwei Minuten war Schumacher nur noch 20.
Webber drohte dem beim Überrunden nicht schnell genug weichenden Inder Naran Karthikeyan mit geballter Faust. Außerdem kam es zu einem Beinahe-Crash zwischen Heidfeld und dem Mexikaner Sergio Perez, deren Autos sich bereits berührt hatten.
Nach etwas mehr als einem Drittel der Distanz eröffnete Alonso dann endgültig den Großangriff. Mit einem starken Manöver überholte er Webber und machte als Zweiter unter dem Jubel der 85.000 Fans von nun an Jagd auf den immer noch drei Sekunden entfernten Vettel.
Der Spitzenreiter brannte derweil eine schnellste Rennrunde nach der anderen in den Asphalt und war nicht zu stoppen. (sid)








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