Nachspiel
Das Ende eines Märchens: Ralf Rangnick hat ausgezaubert
Es ist noch nicht mal ein halbes Jahr her, da wurde der Beginn einer neuen Epoche angekündigt. Von einem neuen Fußball-Märchen und einer Revolution war in Hoffenheim die Rede. Doch der Höhenflug der TSG hat Dämpfer erhalten.
Es ist noch nicht mal ein halbes Jahr her, da wurde der Beginn einer neuen Epoche angekündigt. Von einem neuen Fußball-Märchen und einer einzigartigen Revolution war die Rede - und gemeint war Bundesliga-Neuling 1899 Hoffenheim. Der einstige Dorfklub hatte nach einer tollen Hinrunde Bayern München die Herbstmeisterschaft abgejagt und sah sich für den Großangriff in der Rückrunde gut gerüstet. Als Architekt des Kunstwerks wurde Trainer Ralf Rangnick gefeiert, den man auch aufgrund seiner optischen Ähnlichkeit als "Harry Potter der Bundesliga" bezeichnete.
Doch nur fünf Monate später ist die ganze Magie verflogen. Nach zwölf sieglosen Spielen in Serie scheint Rangnick ausgezaubert zu haben. Mittlerweile findet man Hoffenheim in den Tabellenregionen wieder, in denen man sie ohnehin erwartet hatte. Aus dem Meisteranwärter ist der schlechteste Herbstmeister aller Zeiten geworden. Der Epochenwechsel muss warten.
So weit, so schlecht. Doch nach mehr als zwei Jahren des stetigen Aufstiegs präsentiert sich nun ausgerechnet "Potter" Rangnick inmitten der ersten Durststrecke als ganz schlechter Krisenmanager. Nach der 0:4-Pleite seines Teams in Wolfsburg drohte er offen mit Rücktritt, kritisierte die angebliche Unlust von Hoffenheims finanzstarkem Mäzen Dietmar Hopp, das Team weiter zu verstärken. "Mit Mittelmaß kann ich mich nicht identifizieren. Ich bin nicht bereit, weitere Rückschritte in Kauf zu nehmen", polterte Rangnick.
Also alles nur fauler Zauber?
Sosehr landauf, landab Rangnick und sein Team für den spektakulären und mitreißenden Angriffsfußball gefeiert wurden, so sehr muss sich der Zauberlehrling der Bundesliga nun die für ihn ungewohnte Kritik gefallen lassen. Als Trainer ist er mitverantwortlich dafür, dass sich seine Mannschaft mit sechs (!) Platzverweisen in dieser Saison selbst schadete. Genauso verantwortlich ist er für die falsche Personalentscheidung, den verletzten Torjäger Vedad Ibisevic durch den glücklosen Boubacar Sanogo zu ersetzen. Doch ähnlich wie sein Team in der Hinrunde zieht es auch Rangnick nun vor, in die Offensive zu gehen. Dabei ist bekanntlich manchmal weniger mehr.
Hoffenheims Hopp jedenfalls war über Rangnicks deftige Worte alles andere als amüsiert. Und Rangnick? Der darf sich immerhin darüber freuen, dass er mit seinem Team am Wochenende indirekt für ein ganz anderes Fußball-Märchen sorgte. Denn nach der 0:4-Niederlage in Wolfsburg kann sich der VfL dank Trainer Felix Magath - Spitzname Magier - nun Hoffnungen auf den Titel machen. Und das wäre dann wirklich fast so etwas wie Zauberei.






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