Nordderby: Der HSV trifft binnen 19 Tagen viermal auf Bremen
Die Werder-Wochen
Die Festspiele beginnen am Mittwoch im DFB-Pokal und enden am 10. Mai in der Bundesliga. HSV-Trainer Jol: "Ein Titel wäre wichtig." Die großen Duelle des HSV gegen Werder Bremen
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Hamburg/Bremen. "Wenn du aus Bremen kommst, gibt's für dich hier nichts zu holen." So lautet eine Zeile des Kult-Songs "Hamburg meine Perle" von Lotto King Karl. Schön wäre es ja, und die HSV-Fans hoffen es. In Hamburg ist eine neue Fußball-Euphorie ausgebrochen. Die Fans sind wie zu guten alten Zeiten im Europapokal-Fieber, der erste Titel nach 1987 (DFB-Pokalsieger) scheint greifbar nah. Allerdings: Vor einem Triumph steht Werder - gleich viermal. Es ist eingetreten, was viele erhofft und einige befürchtet hatten: Mit dem Erreichen des Uefa-Cup-Halbfinals, das trotz der 1:2-Niederlage in Manchester gebucht wurde, sind nun vier brisante Nordderbys innerhalb von nur 19 Tagen anberaumt: DFB-Pokal-Halbfinale in der Nordbank-Arena, zweimal Uefa-Cup-Halbfinale, einmal Bundesliga am 31. Spieltag. Dreimal ist Bremer Recht, diesmal gleich viermal? Es wird der Wahnsinn, der Horror, der Gipfel - und viermal die reine Nervenschlacht.
Und mittendrin steht Martin Jol. Der HSV-Trainer wirkt wie ein Fels in der Brandung. Viermal Werder kann ihn nicht erschüttern, im Gegenteil: "Ich freue mich darauf. Wenn ich mich nicht freuen würde, sollte ich besser etwas anderes machen. Das ist doch genau das, was wir wollen. Wir wollen solche großen Spiele."
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Die bisher letzte Partie der ewigen Nordrivalen endete am 23. November 2008 mit einem 2:1 für den HSV. Jol sagte nun, unmittelbar nach dem Spiel in Manchester: "Wenn die Bremer sagen würden: Ihr gewinnt den DFB-Pokal, dann würde ich sofort sagen: Ja. Dann würde ich den Uefa-Cup sausen lassen - vielleicht auch den Meistertitel. Denn ich finde es sehr wichtig für unsere Fans, dass wir etwas gewinnen." Eine Absprache unter den beiden Klubs wird es natürlich nicht geben. Es wird, wie es sich für Rivalen gehört, mit offenem Visier gekämpft. So war Jol früher als Spieler, so kennt die Bundesliga den Ex-Werder-Verteidiger Thomas Schaaf. Der Werder-Coach erwidert auf das Jol-Angebot: "Darüber brauchen wir uns keine Gedanken zu machen. Solche Überlegungen sind den Fans vorbehalten. Beide Mannschaften wollen in allen Partien das Maximale erreichen."
Der HSV tanzt weiter auf drei Hochzeiten und hängt körperlich durch, wird aber von seinen Fans - wie in England - bestens unterstützt und nach vorn getragen. Werder Bremen ist im Aufwind, der Brasilianer Diego in bestechender Form. Diese Konstellation deutet viermal auf eine Millimeter-Entscheidung hin.
Das weiß auch Schaaf: "Zwischen uns und dem HSV gibt es eigentlich keine Geheimnisse mehr, man kennt sich. Aber nun wird jede Seite versuchen, sich kleine Grauzonen aufrecht zu erhalten. Ansonsten finde ich diese Konstellation nicht besonders. Wir werden uns genau so vorbereiten wie sonst. Der Unterschied ist nur, dass ich bei einem internationalen Gegner die Informationen hauptsächlich aus dem Fernsehen erhalten hätte." Und nach welchem Titel schielt der Bremer Coach besonders? Schaaf: "Ein internationaler Wettbewerb hat in den Gedanken automatisch einen hohen Stellenwert, aber für mich ist der DFB-Pokal genauso interessant."
Den gewann der HSV am 20. Juni 1987, der heutige Sportchef Dietmar Beiersdorfer zählte zu den Torschützen beim 3:1 im Finale gegen die Stuttgarter Kickers, die damals der Zweiten Liga angehörten. Werder Bremen ist ein unvergleichbar stärkeres Kaliber. Es hat in der Geschichte dieser beiden besten Nord-Klubs schon einige dramatische und auch hochklassige Begegnungen gegeben, nicht nur in der Bundesliga. Bereits in der Oberliga Nord ging es stets hoch her. Meistens wurde der HSV Meister - und Werder Zweiter. Und ein ganz denkwürdiges Spiel gab es einst am 5. August 1959 am Rothenbaum: HSV gegen Werder im Pokal-Halbfinale im Nordpokal. Der HSV deklassierte Werder 9:1.
In der Bundesliga gab es bislang 89 Spiele, 28 gewann der HSV, 29 Werder. Es wird viermal sehr heiß zugehen. HSV-Kapitän David Jarolim, der in Manchester wieder einmal zu den besten Hamburgern gehörte, ist davor allerdings nicht bange: "Wenn nun einer sagt, es ist Mist, dass wir viermal gegen Werder spielen müssen, dann sage ich: Nein! Ich freue mich auf diese Duelle. Hätte das vor der Saison jemand gesagt, dass wir im DFB-Pokal-Halbfinale und im Uefa-Cup-Halbfinale gegen die Bremer antreten müssen, dann hätte man den zum Psychiater geschickt."
So aber ist es möglich, dass der HSV bald einen Graveur aufsuchen muss. Um den Vereinsnamen endlich einmal wieder auf einen Pokal zu bringen. Martin Jol sagt: "Das wäre einmalig."







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