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Sport

Basketball: Interview mit Superstar Dirk Nowitzki von den Dallas Mavericks

"Wir Deutschen jammern zu viel"

Der Würzburger spricht über ein Comeback im Nationalteam, die Auswirkungen der Finanzkrise auf sein Privatleben und ein Karriereende in Hamburg.


Foto: AP

Abendblatt:

Herr Nowitzki, haben Sie in den letzten Wochen immer das Schlüsselloch zu Ihrer Haustüre gefunden?

Dirk Nowitzki:

Wie meinen Sie das?



Abendblatt:

Na ja, Sie müssten doch nach dem Achterbahn-Start Ihrer Mavericks in die neue NBA-Saison einige Schwindelanfälle durchlitten haben.

Nowitzki: (lacht):

Es waren mehr Verzweiflungsanfälle! Wir waren in den letzten Jahren ja doch etwas erfolgsverwöhnt, und dann dieser Looser-Start. Der hat uns alle getroffen. Die ersten Wochen der neuen Saison haben sich angefühlt wie Monate. Egal ob in der Umkleidekabine, beim Training, im Bus, im Flieger - die Atmosphäre war nicht so toll.



Abendblatt:

Woran lag's denn?

Nowitzki:

Unser neuer Trainer Rick Carlisle hat versucht, neue Spielsysteme reinzubringen. Er hat viel ausprobiert, die Anfangsformation oft geändert, geschaut, wer mit wem am besten harmoniert, und da ist halt alles nicht so gelaufen, wie er und auch wir es gerne wollten.



Abendblatt:

Auch bei Ihnen nicht. Sie sind mit einer Feldwurfquote von 44,1 Prozent so schlecht gestartet wie seit Ihrer ersten Saison nicht mehr.

Nowitzki:

Ich habe mich am Saisonanfang, wie eigentlich alle, nicht wohl gefühlt. Wir haben nicht gewusst, wo kommen die Schüsse her, wer läuft wie, und so weiter. Inzwischen hat sich unser Aufbauspieler Jason Kidd besser ans neue System gewöhnt, er hat mehr Freiheiten, und es macht allen wieder Spaß. Auch mir.



Abendblatt:

Sie legen es also nicht darauf an, die Mavericks vorzeitig zu verlassen, indem Sie, wie andere NBA-Stars, offensiv von einem Wechsel sprechen?

Nowitzki:

Auf keinen Fall. Ich habe noch drei Jahre Vertrag, und ich will mit den Mavericks die Meisterschaft gewinnen. Ich habe Dallas so viel zu verdanken, da muss man auch in schlechteren Zeiten durch.



Abendblatt:

Leider sehen wir in Deutschland erstmals nach vielen Jahren keine NBA-Spiele mehr live im Fernsehen. Ist der deutsche Markt so unwichtig für die NBA?

Nowitzki:

Schade, sehr, sehr schade, dass da kein Fernsehdeal zustande gekommen ist. Meine Freunde und meine Familie ärgern sich genauso wie bestimmt viele deutsche Basketballfans. Die NBA ist eine Weltmarke und für Deutschland sicherlich genauso interessant wie für andere Länder. Ich weiß nicht, woran es gescheitert ist.



Abendblatt:

Amerikanische Investoren planen, in Hamburg ein Basketball-Profiteam auf die Beine zu stellen, das höchsten internationalen Ansprüchen genügen soll. Was halten Sie davon?

Nowitzki:

Ich habe Hamburg in sehr guter Erinnerung. Die Zuschauer haben uns bei den Vorbereitungsspielen der Nationalmannschaft vor großen Turnieren immer super unterstützt. Die Begeisterungsfähigkeit ist also da. Hamburg ist eine Großstadt, wo ein solcher Versuch sicherlich machbar ist.



Abendblatt:

Könnten Sie sich vorstellen, für ein solches Team aufzulaufen?

Nowitzki:

Früher habe ich immer gedacht, dass ich meine Karriere in Amerika beenden würde. Inzwischen denke ich anders. In fünf, sechs Jahren, also mit 35 oder 36, bin ich nicht mehr so schnell und spritzig wie jetzt, will aber noch spielen. Dann kann ich mir vorstellen, nach Europa zurückzukommen und dort meine Karriere zu beenden. Vielleicht auch in Deutschland. Da will und kann ich mich aber jetzt noch nicht festlegen.



Abendblatt:

Haben Sie, mit einem Abstand von gut einem Vierteljahr, auch Ihren Fast-Rücktritt aus der Nationalmannschaft neu überdacht?

Nowitzki:

Bis jetzt noch nicht.



Abendblatt:

Was müsste passieren, damit wir Sie bei der EM 2009 in Polen doch im deutschen Trikot mit der Nummer 14 sehen?

Nowitzki:

Wenn wir mit den Mavericks in den Play-offs früh ausscheiden sollten, wovon ich nicht ausgehe, dann vielleicht. Spielen wir bis in den Juni rein, dann eher nicht. Aber das wird eine spontane Entscheidung. Es kommt darauf an, wie fit ich mich fühle und was mir mein Körper sagt.



Abendblatt:

Der müsste nach zehn Jahren fast ohne Pause doch mal SOS funken.

Nowitzki:

Nach dem langen Qualifikationsturnier für Olympia im Juli habe ich schon den Verschleiß gespürt. Vielleicht war deshalb in Peking auch die Luft raus.



Abendblatt:

Wenn Sie Peking ansprechen - was ist denn beim Träger der deutschen Fahne ganz persönlich hängen geblieben?

Nowitzki:

Sie haben es bereits gesagt: Der Moment, die deutsche Olympiamannschaft ins Stadion zu führen - da kriege ich heute noch Gänsehaut. Die zweite Sache, von der ich immer geträumt habe: Die Begegnungen und die Atmosphäre im olympischen Dorf. Ich habe Handball, Beachvolleyball, Tennis live gesehen. Das Highlight als Zuschauer im Vogelnest (so der Name des Olympiastadions, d. Red.) waren die 200 Meter von Weltrekordler Usain Bolt.



Abendblatt:

Sie gelten seit dem Rücktritt von Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher als bestbezahlter deutscher Sportler. Was bedeutet Ihnen Geld?

Nowitzki:

Geld hat mir nie viel bedeutet. Ich weiß, das hört sich so abgedroschen an, wenn man keine finanziellen Sorgen zu haben braucht. Ich leiste mir ein schönes Haus in Dallas und ein schönes Auto, ansonsten bin ich bescheiden. Das liegt in der Familie, so bin ich aufgewachsen. Schauen Sie, meine Mutter ist 64 und könnte aufhören zu arbeiten. Aber sie will bis 65 arbeiten wie alle anderen auch.



Abendblatt:

Die NBA spürt, wie fast alle, die Wirtschafts- und Finanzkrise. Sie auch?

Nowitzki:

Es hat doch jeden getroffen. Ich habe einen Teil meines Geldes in Amerika und in Europa angelegt. Und die Märkte sind überall nach unten gerutscht. Aber jetzt kommt im Januar ein neuer Präsident in Amerika, und alle hoffen, dass er neuen Wind bringt ...



Abendblatt:

... die Wirtschafts- und Finanzkrise bald gemeistert wird und die Märkte wieder nach oben klettern.

Nowitzki:

Genau. Und da sind die Amis wesentlich optimistischer als die Europäer, speziell die Deutschen. Die Amis sagen in diesen schweren Zeiten: 'Jetzt müssen wir kaufen und investieren, die Häuser und Aktien sind günstig.' Wir Deutschen jammern da zu viel.



Abendblatt:

Ist es dann auch angenehmer, in Amerika berühmt zu sein, oder doch in Deutschland?

Nowitzki:

Auf alle Fälle in Amerika. Es stimmt schon teilweise, wenn man den Amis eine gewisse Oberflächlichkeit nachsagt, aber die Leute sehen alles positiver und, ganz wichtig, es gibt nicht so viele Neider wie in Deutschland. In Amerika wird Reichtum und Berühmtheit anerkannt, in Deutschland immer ein wenig skeptisch beäugt.



Abendblatt:

Weihnachten steht vor der Tür. Wie verbringt der beste deutsche Basketballer das Fest?

Nowitzki:

Meine ganze Familie, meine Schwester mit ihren zwei Kids und meine Eltern, kommt aus Würzburg nach Dallas. Leider fällt unser Spielplan so dumm, dass wir schon am Heiligabend zum Auswärtsspiel am Ersten Feiertag fliegen müssen. Trotzdem finde ich es schön, dass alle da sind.



Abendblatt:

Da fehlt aber noch jemand für eine runde Familie...

Nowitzki: (lacht):

Ja, meine Freundin ist natürlich auch da.



Abendblatt:

Denkt da der harmonie- und familienorientierte NBA-Superstar nicht selbst mal an Hochzeit?

Nowitzki:

Ich habe immer gesagt, bevor ich 30 Jahre alt bin, will ich nicht heiraten und keine Kinder. Jetzt bin ich 30. und da denkt man schon mal über solche Dinge nach. Ein bisschen Zeit habe ich aber noch.Interview: Helmut Uhl

 

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