Basketball: US-Investor plant Einstieg in die Bundesliga
Amerikaner wollen Hamburg ein Spitzenteam kaufen
Geheimplan: Delegation besuchte zwei Tage die Stadt. Treffen mit der Handelskammer, Besichtigung der Color-Line-Arena.
Hamburg. Die Treffen in den vergangenen Tagen liefen unter strenger Geheimhaltung. Die Pläne der beiden Männer aber sorgten bei ihren Gesprächspartnern in Hamburg für Begeisterung. Wie das Abendblatt erfuhr, wollen der US-Investor Henry Feinberg und sein langjähriger Geschäftsfreund Steven M. Julius der Stadt ein Basketball-Team kaufen. Nicht irgendeins, es soll mittelfristig die Nummer eins in Europa werden.
Dafür wäre ein Etat von zehn bis zwölf Millionen Euro nötig, rund 50 Prozent mehr, als der deutsche Meister Alba Berlin für seine Mannschaft aufwendet. Schon in der Saison 2009/2010 könnte das neue Team in der Bundesliga an den Korb gehen. Die Entscheidung fällt Ende des Jahres. Heute fliegen Feinberg und Julius nach Chicago, der Partnerstadt Hamburgs, zurück.
Feinberg ist Gesellschafter der Technology Crossover Ventures (TCV), eines trotz Bankenkrise hochliquiden Finanzdienstleisters. Erst vor einer Woche stieg TCV mit 250 Millionen Dollar in die Ferienhausportal-Gruppe HomeAway ein. Julius ist Präsident der Beratungsfirma Workplace Solutions. "Sie machten ein sehr seriösen Eindruck", beschrieb ein Teilnehmer die Begegnung mit den Amerikanern, "sie waren ausgesprochen nett, aber auch beinhart in ihren Vorstellungen." Ihr Engagement, das machten beide klar, soll sich rechnen. Das könnte zum größten Problem werden. Mit Basketball war in Deutschland bisher kein Kapital zu machen.
Die Kontakte zu Feinberg und Julius hatte die Agentur United for Sport aus Nottensdorf bei Buxtehude geknüpft. Geschäftsführer ist Mark Schober. Der versucht seit geraumer Zeit ein erstklassiges Basketballteam in Hamburg zu etablieren. Das sportliche Know-how liefern ihm der US-Amerikaner Don Beck (55) und Denis Wucherer (35). Beck war 13 Jahre lang Bundesliga-Trainer, acht in Trier, fünf in Oldenburg. 2007 heuerte er in Bree in Belgien an. Wucherer spielte 123-mal für die deutsche Nationalmannschaft. Im vergangenen Jahr beendete er seine Karriere in Oostende (Belgien). Beck und Wucherer würden die Mannschaft zusammenkaufen.
Vor ihrer Hamburg-Visite trafen sich Feinberg und Julius in Köln mit Jan Pommer, dem Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga (BBL). Die BBL kämpft im Interesse ihrer Ligasponsoren um den Standort Hamburg, lässt deshalb seit zwei Jahren die Pokalendrunde in der Color-Line-Arena spielen. Sollte in den USA der Daumen für das Projekt in Hamburg hochgehen, würde die BBL der Mannschaft eine Wildcard für die Bundesliga geben. Am Sonntag sah sich die US-Delegation in Bamberg das Spiel der Brose Baskets gegen die Frankfurt Skyliners (66:61) an, "um einen Eindruck vom deutschen Basketball und seiner Vermarktung zu gewinnen", hieß es.
In Hamburg standen am Montag Treffen mit der Handelskammer, der Hamburg Marketing und dem Sportamt an. Feinberg und Julius besichtigten anschließend die Sporthalle Hamburg, einen möglichen Standort für das Team. Bei zusätzlicher Bestuhlung würden bis zu 5000 Zuschauer in die Halle passen. Grundsätzlich wollen die Investoren die Color-Line-Arena (bis zu 14 000 Plätze) nutzen. Dort sind 2009 nur noch wenige Termine frei. Detlef Kornett, Europa-Chef der amerikanischen Anschutz Entertainment Group, seit einem Jahr Besitzer der Arena, signalisierte Kooperationsbereitschaft.
Feinberg und Julius, sagten sie, seien "sehr beeindruckt und positiv überrascht von Hamburg und seinen Möglichkeiten". Ob diese Aussagen mehr als Höflichkeit waren, wird sich in den nächsten sechs Wochen zeigen. Boris Schmidt jedenfalls, Bundesliga-Schiedsrichter und Vorsitzender des Hamburger Basketball-Verbandes, verließ die Gespräche, berichteten Teilnehmer, "mit leuchtenden Augen".






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