Paralympics: Deutsche Radsportler top - Skandal um Schwimmer
Hamburgerin Vieth holt Bronze
Thomas Grimm ertrug das ungerechte Ende seines sportlichen Traums als bemerkenswert fairer Sportsmann, Niels Grunenberg feuerte nach dem Verlust der...
Peking. Thomas Grimm ertrug das ungerechte Ende seines sportlichen Traums als bemerkenswert fairer Sportsmann, Niels Grunenberg feuerte nach dem Verlust der Bronzemedaille dagegen den Blumenstrauß von der Siegerehrung in den Mülleimer: Die deutschen Behinderten-Schwimmer waren am Freitag bei den Paralympics in Peking die Leidtragenden einer skandalösen Entscheidung. Wenige Minuten nachdem das Internationale Paralympische Komitee (IPC) dem querschnittsgelähmten Berliner Grimm wegen der Disqualifikation des Mexikaners Pedro Rangel die paralympische Goldmedaille umgehängt hatte, wurde einem Protest Rangels stattgegeben.
Kurz darauf kassierte Schwimm-Bundestrainer Bernhard von Welck die Medaillen seiner Athleten notgedrungen wieder ein. Wegen des laufenden Protests hätten sie noch gar nicht verliehen werden dürfen. So musste Grimm das unter Tränen erhaltene Gold wieder abgeben und bekam wenig später Silber umgehängt. Grunenberg fehlte bei der zweiten Zeremonie. Er hatte Bronze bekommen und rutschte durch Rangels Wiedereinstufung auf Rang vier. "Das ist bitter und die Arbeitsweise des IPC sehr fraglich", sagte der 35-jährige Grimm. Nach Angaben von Welcks habe das IPC weder den Grund für die Disqualifikation noch für deren postwendende Annullierung angegeben, sondern sich nur entschuldigt und erklärt, dass kein weiterer Einspruch möglich sei.
"Das ist schon alles sehr merkwürdig", sagte der deutsche Chef de Mission, Karl Quade. Zumal das IPC nach einem ähnlichen Fall zu Wochenbeginn bereits kleinlaut versprochen hatte, dass sich so etwas nicht wiederholen werde. Der Skandal trübte den mit Abstand erfolgreichsten Tag der deutschen Athleten. Die zweimalige Behindertensportlerin des Jahres, Kirsten Bruhn (Neumünster), holte mit einer eindrucksvollen Demonstration über ihre Parade-Disziplin 100 m Brust endlich ihre erste Goldmedaille. Morgens hatten die Radfahrer Wolfgang Sacher (Penzberg) und Michael Teuber (München) innerhalb einer knappen halben Stunde im Zeitfahren einen goldenen Doppelschlag gelandet. Je dreimal Silber und Bronze rundeten die erfolgreiche Ausbeute ab.
Die 38-jährige Bruhn, die seit einem Motorradunfall 1991 an einer inkompletten Querschnittslähmung leidet, schwamm nach zuvor einmal Silber und Bronze die Konkurrenz in Grund und Boden. Nach Weltrekord am Morgen (1:36,30) siegte sie am Abend in 1:36,92 Minuten mit mehr als 15 Sekunden Vorsprung. Sacher, dem ein Arm und alle Zehen des rechten Fußes amputiert wurden, komplettierte seinen "Medaillen-Strauß" nach Silber und Bronze auf der Bahn durch Gold im Zeitfahren auf der Straße.
Bei den Frauen gewann die Hamburgerin Dorothee Vieth (siehe Menschlich gesehen, S. 1) im Zeitfahren Bronze. Der teilgelähmten HSV-Athletin, die nach einem Unfall mit ihrem Motorroller aufs Handbike umsattelte, fehlten nur 1,3 Sekunden zu Silber. An diesem Sonnabend tritt Vieth auch noch im Straßenrennen an. Vereinskollege Torben Bröer belegte im Zeitfahren seine Handicap-Klasse den vierten Platz. Ihm fehlten allerdings fast vier Minuten zu einem Medaillenrang. Die deutschen Rollstuhlbasketball-Frauen mit Annette Kahl, Simone Kues und Nicole Seifert (alle HSV) stehen nach einem 43:28 im Viertelfinale gegen die Niederlande am Sonnabend im Halbfinale.








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