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Sport

Exklusiv: Das Abendblatt präsentiert die Pläne für den Volkspark

Hamburgs neues Sportzentrum

In den nächsten zehn Jahren soll der Altonaer Volkspark mit öffentlichen und privaten Mitteln umgestaltet werden. Am 18. Dezember berät der Senat das Projekt. Sicher ist: Der HSV baut 2008 ein Stadion für seine zweite Mannschaft neben der Nordbank-Arena. Es könnte auch 2015 als Leichtathletik-Arena für die Universiade genutzt werden.

Hamburg. Vögel zwitschern, es raschelt im Laub, und von Weitem ist das Keuchen eines einsamen Jogger-Pärchens zu hören. Alltag im Volkspark. Das 1914 bis 1933 vom Altonaer Gartenamtsleiter Ferdinand Tutenberg konzipierte Freizeit- und Naherholungsgebiet scheint weitgehend in Vergessenheit geraten, die Besucherzahlen im Umfeld der HSH-Nordbank- und der Color-Line-Arena gingen in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurück. "Der Park ist zugepflanzt, er ist ein Wald geworden, der nicht mehr ausreichend genutzt wird", kritisierte Hamburgs Oberbaudirektor Prof. Jörn Walter schon vor Jahren.

Das soll sich nach dem Willen des Hamburger CDU-Senats in den nächsten zehn Jahren ändern. Am 18. Dezember möchte die Stadtregierung den im Mai 2004 von Bürgermeister Ole von Beust angeschobenen "Masterplan Sportpark Volkspark" - "ein Traum, den es sich zu träumen lohnt" (von Beust) - abschließend beraten.

Vorgesehen sind auf dem rund 180 Hektar großen Areal zwischen Autobahn A7 im Osten und Elbgaustraße (Ring 3) im Westen neue Stätten für den Leistungs-, Breiten- und Freizeitsport, mehr Parkplätze (insgesamt 10 000), besserer Verkehrsfluss bei Großveranstaltungen und stärkerer Lärmschutz für die Anwohner. Ein Umzug des Tennisstadions am Rothenbaum wurde verworfen wie eine Golf-Driving-Range. Das ist das Ergebnis zweijähriger Planung und Prüfung. Zurzeit läuft die Abstimmung mit den Behörden und den Bezirksämtern Altona und Eimsbüttel.

Bereits im Bau befindet sich die Eishockey- und Ballsporthalle (Volksbank-Arena) neben der Color-Line-Arena, der künftige Trainingsraum für Freezers, HSV-Handballer, Schulen und Freizeitsportler. Kosten: rund 13 Millionen Euro. Sie wird im Spätsommer 2008 fertiggestellt sein.

Die Bürgerschaft soll über die Volkspark-Pläne, die dem Abendblatt vorliegen, Anfang nächsten Jahres noch vor den Wahlen am 24. Februar abstimmen. Mit der Umsetzung des Projekts könnte bei positivem Bescheid im Frühjahr begonnen werden.

Die federführende Behörde für Bildung und Sport (BBS) kalkuliert bis 2018 mit geschätzten Investitionskosten von 82,9 Millionen Euro (siehe Infokasten unten). 36,4 Millionen davon sollen private Geldgeber aufbringen. Bisher gab die Stadt 1,9 Millionen Euro für die Vorplanungen aus: 187 122,25 Euro 2006 für das Gutachten des Projektentwicklers Jack Rouse Associates aus Cincinnati (USA), seitdem rund 1,7 Millionen Euro für "vertiefende Studien".

Von den bunten Vorschlägen der Projektentwickler ist wenig übriggeblieben. Jürgen Schmidt (SPD), der Vorsitzende des Sportausschusses der Bürgerschaft, nannte sie einmal ein "sportliches Disneyland" und tadelte die Geldvernichtung des Senats. Jetzt hat mehr Realismus in die Planungen Einzug gehalten. In den nächsten vier Jahren - bis 2012 - hält die Bildungs- und Sportbehörde folgende Projekte für mach- und finanzierbar. Bis 30 Millionen Euro könnten aus dem Sonderinvestitionsprogramm "Hamburg 2010" kommen:

  • Bau eines "Regionalliga-Stadions" für die zweite Fußball-Mannschaft und die Frauen-Bundesliga des HSV sowie für andere Dritt- oder Viertligavereine (Altona 93) südöstlich der HSH-Nordbank-Arena. Der HSV sprach bereits mit möglichen Investoren. Das Stadion muss nach den Vorschriften des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für den Spielbetrieb in der Dritten Liga (ab August 2008) mindestens 5000 Zuschauer fassen, 10 000 für Klubs, die kein Bundesligateam haben.

    Zudem wäre eine Nutzung als Football-Stadion für die Blue Devils denkbar, die 2007 am Millerntor und in Itzehoe spielten. Temporär könnte die Anlage zu einer Leichtathletik-Arena für 25 000 Besucher ausgebaut werden. Erhielte Hamburg 2009 den internationalen Zuschlag für die Universiade 2015, die Weltspiele der Studenten, sollen nach bisheriger Planung die Leichtathletik-Wettbewerbe an diesem Standort ausgetragen werden. Am kommenden Wochenende entscheidet der Allgemeine Deutsche Hochschulsportverband (ADH) bei seiner Tagung in der Handelskammer Hamburg über eine Universiade-Bewerbung. Hamburg ist einziger Kandidat.

  • Bau einer Soccer-Halle auf dem "Parkplatz Rot" westlich der Nordbank-Arena. Sie soll privat finanziert und kommerziell betrieben werden.

  • Bau und Betrieb eines Hochseilgartens südlich des "Parkplatzes Rot". Private Investoren sind interessiert.

  • Bau eines "Kinderbewegungszentrums" im südlichen Waldpark. Er könnte von ortsansässigen Vereinen betrieben werden. Die - und weitere - Planungen hängen von der Zukunft der Trabrennbahn an der Luruper Chaussee ab. Sie soll bis 2010 in die Galopprennbahn in Horn integriert werden. Eine Entscheidung des Senats - auch über die künftige Nutzung des Geländes der Trabrennbahn (Wohnungsbau, Gewerbe oder Sport) - wird im Juni 2008 erwartet. Das vorliegende Gutachten der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young birgt allerdings politischen Zündstoff. Es soll entschärft werden.

  • Entwicklung, schrittweiser Bau und Betrieb des "Jugend-Spiel-Sport-Treffs" im nordwestlichen Bornmoor.

  • Verlagerung des Polizeischießstandes (Nähe Autobahn) nach Alsterdorf.

    Für die zweite Umsetzungsphase - vom Jahr 2012 an - zieht die Sportbehörde folgende Projekte in Betracht:

  • Entwicklung und Bau eines Sportkompetenzzentrums. Hier könnte das neue Verwaltungsgebäude des Hamburger Sportbundes (HSB) entstehen, eventuell eine Sportschule (statt der in Wentorf) oder Bildungsstätte. Eine von der CDU geforderte Stellungnahme zu diesen Plänen blieb der HSB bisher schuldig. Der Sportbund prüft derzeit Alternativen: einen Umbau des Haus des Sports in der Schäferkampsallee und einen Umzug in den Sportpark Dulsberg. Am dortigen Olympiastützpunkt haben inzwischen sieben Fachverbände ihre Büros.

  • Stufenweise Entwicklung eines interaktiven Sportmuseums. Eine private Initiative besteht.

  • Technologiepark am Vorhornweg (Luruper Feldmark).

  • Weiterentwicklung neuer Module des Sportparks abgeleitet von bisherigen und prognostizierten Besucherzahlen. Möglich: Der Bau eines Sporthotels im Bereich der Arenen. Der HSV hatte dies vor Jahren angedacht. Die Anschutz-Gruppe, neuer Besitzer der Color-Line-Arena, gilt ebenfalls als potenzieller Investor.

    Im Masterplan ist ein Hotel noch nicht vorgesehen, dagegen weiter eine Plaza als permanente Begegnungsstätte zwischen der Nordbank- und der Color-Line-Arena mit Geschäften und Restaurants. Sie soll in einem zweiten Bauabschnitt überdacht werden. Die Kosten stehen allerdings im schlechten Verhältnis zum erwarteten Nutzen. Die Anschutz-Gruppe lehnt die Plaza ab. Sie möchte die Besucher lieber in die Color-Line-Arena locken und dort das Angebot erweitern. Der BBS ist diese Haltung bekannt.

    Integraler Bestandteil des Masterplans Volkspark ist das Verkehrskonzept. Die Anfahrt- und Abfahrt bei Großveranstaltungen, sie erfolgt zum großen Teil über den nördlichen Hellgrundweg, sollen verbessert werden wie die Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr. Die Zahl der Parkplätze soll von derzeit rund 7500 auf 10 000 erhöht werden.

    Umso wenig Natur wie möglich den neuen Sport-, Spiel- und Erholungsstätten zu opfern, sehen die Planungen das Errichten von privat betriebenen "begrünten Parkhäusern" auf den Parkplätzen "Grau/Blau" (rund 850 Stellplätze), "Weiß/Gelb" (1200), "Rot" (1500) und "Braun" (1450) vor. Ebenerdig soll künftig ebenfalls Parkraum für 5000 Autos zur Verfügung stehen. Im Zuge der Erweiterung des Parkplatzes "Braun" wird eine Verbesserung der Anbindung an die Autobahn A7 geprüft. Ein umweltfreundlicher Bus soll zudem für mehr Mobilität im Volkspark sorgen und die Anreise mit Bussen und Bahnen attraktiver machen.

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