18.06.07

Doping-Gerüchte weiten sich aus

Es mehren sich die Indizien, dass im deutschen Fußball der 80er Jahre relativ flächendeckend gedopt worden ist.

München - Peter Neururer hat mit seinen umstrittenen Doping-Aussagen offenbar in ein Wespennest gestochen.

Es mehren sich die Indizien, dass im deutschen Fußball der 80er Jahre relativ flächendeckend gedopt worden ist.

Zwei ehemalige Teamärzte von Eintracht Braunschweig haben inzwischen zugegeben, in den 70er und 80er Jahren Profis mit Captagon gedopt haben.

Ärzte wussten von Doping

"Solche Mittel wurden im Kreis der Spieler offen gehandelt, und ich habe davon gewusst", sagte der Mediziner Peter Harms der "Braunschweiger Zeitung".

"Wo sie sie her hatten, weiß ich nicht, da gab es bestimmt genügend schwarze Kanäle."

Sein Nachfolger Jürgen Stumm bestätigte der Zeitung: "Es gab Spieler, die Captagon genommen haben, Mitte und Ende der 80er Jahre."

Dynamo Berlin am Pranger

Zudem veröffentlichte die "Bild"-Zeitung am Montag ein Dokument, welches die Verabreichung von Amphetaminen und Methamphetaminen bei Dynamo Berlin, dem früheren Klub von Ex-Hertha-Trainer Falko Götz, belegt.

Das Dokument stammt vom November 1983 und wurde vom Zentralen Doping-Labor der DDR in Auftrag gegeben.

Dynamos gesamter Kader wurde erfasst. Nur sechs von 19 Spielern wurden negativ getestet. Bei allen anderen wurden Aufputschmittel festgestellt.

Unter den "Sündern" waren neben Ex-Bundesligaspieler Götz auch die späteren Bundesligaprofis Rainer Ernst und Dirk Schlegel.

"Ich hatte null Ahnung"

Götz bestreitet jedoch, wissentlich gedopt zu haben. "Ich hatte null Ahnung. Ich wünsche mir, dass aufgedeckt wird, wer was gemacht hat."

Bereits 2004 wurde er mit der Dopingfrage konfrontiert und gab damals zu, "vor drei, vier Jahren angesprochen worden zu sein, dass ich ohne mein Wissen Mittel bekommen habe. Es gibt zwei positive Tests, das war aber zu meinen Jugendzeiten und ist ohne mein Wissen geschehen."

Daraufhin schloss sich Götz einer Sammelanzeige wegen mutmaßlichen Dopings beim BFC Dynamo an.

Vitamine und Kohlenhydrate

Dopingexperte Prof. Werner Franke schenkt dieser Theorie Glauben. "Ich bin überzeugt, dass die Spieler die Wirkung der Medikamente nicht kannten. Nachfragen, was man da bekam, war verpöhnt, da wurden die Spieler angeraunzt."

Doping ohne Wissen der Akteure? Auch Schlegel bestätigt Götz' Aussagen. "In englischen Wochen mussten wir immer an den Tropf. Uns wurde gesagt, dass es sich um Vitamine oder kohlenhydratreiche Stoffe handelt."

"Lächerliche Kontrollen"

Für Doping-Jäger Franke endet die Diskussion aber nicht in der Vergangenheit. Er prangert in der "Welt" die seiner Ansicht nach auch heute noch zu legere Vorgehensweise des DFB in Sachen Dopingkontrollen an.

"Die Kontrollen im Fußball sind lächerlich! Überraschungstests im Training kommen so gut wie nie vor. Fußball hat eine geringe Zahl von Kontrollierten und ein System, das sich Korruption jeder Zeit leisten könnte."

Und Franke geht noch weiter: "Bei vielen Fußballern werden Proben doch gezielt nicht genommen. Je reicher eine Sportart ist, umso leichter ist das zu arrangieren. Fußball ist keinen Deut besser als andere Sportarten. Im Gegenteil, eher schlampiger."

DFB weist Vorwürfe zurück

Medienberichten zufolge sollen zudem Kontrollen oft einen Tag vorher angekündigt worden sein. Laut "Welt" soll es unangekündigte und vom DFB in Auftrag gegebene Trainingskontrollen der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) nur in 87 Fällen gegeben haben.

Bei ca. 900 Erst- und Zweitligaprofis eine verschwindend geringe Zahl.

Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hatte hingegen für seine 500 Kadersportler die NADA-Fahnder mit 1020 Tests außerhalb von Wettkämpfen beauftragt.

Der DFB reagierte umgehend: Dopingkontrollen würden unangemeldet und nach dem Zufallsprinzip erfolgen. Außerdem werde man möglichen Fällen von zuvor angekündigten Kontrollen laut DFB-Sprecher Harald Stenger nachgehen.

Doping-Tests in der B-Jugend

Seit 1988 führt der DFB Dopingkontrollen in der Ersten und Zweiten Bundesliga durch, seit 2000 wird zudem in der Regionalliga auf unerlaubte Substanzen getestet und seit 2004 auch in der Frauen-Bundesliga sowie der A-Jugend.

Ab der kommenden Saison soll auch in der B-Jugend-Bundesliga auf Doping getestet werden.

Seit der größte deutsche Sportverband die ersten Dopingkontrollen einführte, ist die Zahl der Tests deutlich gestiegen.

In der abgelaufenen Saison wurden 964 Kontrollen vorgenommen. Bei insgesamt 241 Partien wurden jeweils vier ausgeloste Spieler getestet.

Stefan Rommel

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