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Sport

Tour-Helden nahmen Epo: Der Radsport versinkt im Sumpf

Zabel gesteht unter Tränen: "Ja, ich habe gedopt"

T-Mobile hält am Engagement im Radsport fest. Schäuble kündigt Untersuchung an.

Bonn. Die jahrelange Mauer des Schweigens bröckelt. Der deutsche Radsport wird von immer neuen Dopinggeständnissen erschüttert. Gestern Mittag gaben sich in Bonn auch Rolf Aldag und Erik Zabel als reuige Sünder. Sie saßen in der Telekom-Zentrale mit blütenweißen Hemden auf der Bühne und beichteten die dunklen Kapitel ihrer sportlichen Laufbahn. "Ja, ich habe 1996 bei der Tour de France mit Epo gedopt, weil es ging", gestand Zabel (36) als erster aktiver Radprofi die Einnahme unerlaubter Substanzen. Mit tränenerstickter Stimme bat Deutschlands Sportler des Jahres 2001 alle um Verzeihung, die er elf Jahre lang angelogen hatte, besonders seinen Sohn Rik (14), der inzwischen selbst Rennen fährt.

Auch sein ehemaliger Zimmernachbar Aldag (38), einstiger Edelhelfer des Tour-de-France-Siegers Jan Ullrich, räumte ein, sich 1995 und 1997 das Blutdopingmittel Epo selbst injiziert zu haben. Zabel und Aldag fuhren damals für das Team Telekom, Aldag ist heute Sportlicher Leiter der Nachfolgemannschaft T-Mobile, Zabel ist beim Team Milram engagiert. Über seine sportliche Zukunft will Milram am Wochenende entscheiden. Aldag, der seinen Rücktritt angeboten hatte, darf bis auf Weiteres bei T-Mobile in seiner bisherigen Funktion weiterwirken. T-Mobile will sein Engagement im Radsport fortsetzen. Dagegen trat Zabels Ex-Kollege Udo Bölts, der ebenfalls ein Doping-Geständnis ablegte, als Sportlicher Leiter des Teams Gerolsteiner zurück.

Juristische oder sportrechtliche Konsequenzen müssen weder Aldag, Zabel noch Bölts befürchten. Ihre Vergehen sind verjährt, Doping ist zudem nicht strafbar, nach dem Arzneimittelgesetz wird nur die Weitergabe entsprechender Substanzen bestraft. Gegen die beiden Freiburger Ärzte, die die Doping-Vergabe an Telekom-Fahrer gestanden haben, ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Jan Ullrich wiederum sieht weiterhin keinen Grund, irgendetwas zu gestehen, sagte sein Anwalt Peter Michael Diestel. Kurz danach wurde ihm vom Hamburger Ullrich-Manager Wolfgang Strohband das Mandat entzogen. "Ich habe das selbst niedergelegt", behauptete Diestel.

Die Radsportszene reagierte mit Entsetzen, Kritik, aber auch Verständnis. "Ich bin erschüttert, dass in einem solchen Maß gelogen und betrogen worden ist", sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU). Er will aufklären, ob bei den Vorfällen Steuergelder missbraucht worden sind. Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, nannte die Beichten Zabels und Aldags "menschlich bewegend, sachlich aber unzureichend".HA

 

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