Dopinggeständnisse der Radprofis
Chance zum Neuanfang
Kommentar
Leistungssport sei das mit Abstand größte Experiment am lebenden Menschen, hat der renommierte Sportmediziner Professor Wildor Hollmann einmal gesagt und gemeint, dass Leistungssportler im Wettkampf oft jene Reserven mobilisiere müssen, die der Körper gewöhnlich erst im Todeskampf freigibt.
Das Zitat ist rund 25 Jahre alt. Es ist heute gültiger denn je. Seit es Weltmeister, Olympiasieger und Tour-de-France-Gewinner nur noch auf Rezept von Unikliniken und ärztlichen Doping-Netzwerken gibt, sind die mittel- und langfristigen Risiken und Nebenwirkungen für den einzelnen Athleten unkalkulierbar geworden. Der Sportler, weil austauschbar, ist längst das schwächste Glied im System. Ihn und seine Gesundheit gilt es zu schützen. Die fiel bisher stets durch das Geflecht kommerzieller wie chauvinistischer Interessen von Trainern, Medizinern, Sponsoren, Öffentlichkeit und Medien, speziell den elektronischen. Sieger werben wirksam, bringen Quote und schaffen Aufmerksamkeit. Fressen kommt eben vor der Moral.
Genau da ist der Ansatzpunkt, um den Drogensumpf trocken zu legen - sollte es wirklich gewollt werden. Berichteten Fernsehen, Zeitungen und Internet nur noch über jene Sportarten, die ein effektives Kontrollsystem und entsprechende Sanktionsmöglichkeiten installiert haben, nähme der Druck auf die Geldgeber zu, glaubwürdig und finanziell an der Dopingbekämpfung mitzuwirken. Ein Teil der Preis- und Sponsorengelder könnte dabei auf Jahre eingefroren werden, um Fahndern und Forschern die Chance zu eröffnen, alte Proben nach neuen Erkenntnissen zu untersuchen.
Die Geständnisse der Radprofis bieten eine Chance zum Neubeginn. Aber allen muss auch klar sein: Reue reicht nicht. Es wird in allen Sportarten weiter gedopt, mehr denn je und mit immer gefährlicheren Mitteln.







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