HAMBURG. Seit Wochen war spekuliert worden, nun ist es perfekt: Knapp 15 Monate nach seinem Rücktritt wegen einer schweren Knieverletzung kündigte der ehemalige Schwergewichts-Weltmeister Vitali Klitschko sein Comeback an. "Ja, ich bin wieder da. Nach meiner schweren Knieverletzung bin ich vor etwas mehr als einem Jahr zurückgetreten, habe meinen WM-Titel niedergelegt. Jetzt habe ich Energie getankt, bin topfit und bereit, in den Ring zurückzukommen", sagte der 35 Jahre alte Ukrainer und Bruder von WBO-Weltmeister Wladimir Klitschko der "Bild".
Der promovierte Sportwissenschaftler hatte am 9. November 2005 seinen Rücktritt erklärt, nachdem er im Training für die geplante Verteidigung seines WBC-Titels gegen den US-Amerikaner Hasim Rahman in Las Vegas einen Kreuzbandriss im rechten Knie erlitten hatte. Nach umfangreichen Tests mit seinem ehemaligen Trainer Fritz Sdunek (übernimmt wieder die Betreuung) und dem Hamburger Sportmediziner Prof. Bernd Kabelka erhielt Klitschko jetzt das Okay für seine Rückkehr.
Geplant ist, dass der Ex-Champion aller Klassen am 21. April wieder kämpft - und zwar in Moskau um die WBC-Krone gegen Titelverteidiger Oleg Maskajew. Möglich wird dies, weil Klitschko nach seinem Rücktritt vom WBC zugesichert bekommen hatte, bei einem eventuellen Comeback sofort wieder einen WM-Kampf zu erhalten. Auf dieses Recht pochte er nun. TV-Sender RTL (zeigt auch den nächsten Kampf seines Bruders) überträgt.
"Ich habe einen Antrag dafür bei dem Welt-Verband gestellt. Noch in dieser Woche erwarte ich eine Antwort. Ich kann die gleiche Belastung wie früher gehen", erklärte Klitschko. Das Comeback des Hünen ist das dritte aufsehenerregende Comeback in Deutschland innerhalb der vergangenen acht Monate. Schwergewichtler Axel Schulz scheiterte dabei am 25. November kläglich am US-Amerikaner Brian Minto, und Henry Maske kehrt am 31. März in München zur Revanche gegen Virgil Hill zurück.
Vitali Klitschko, der in seiner Karriere 34 seiner 35 Siege vorzeitig erzielte und nur zwei Niederlagen hinnehmen musste, will mit dem Comeback seinen letzten großen sportlichen Traum verwirklichen: "Ich habe mir fast alle Träume meines Lebens erfüllt. Was noch fehlt, ist gemeinsam mit meinem Bruder Wladimir Weltmeister zu sein. Dieses Ziel ist so nahe wie nie zuvor."
Sein Rücktritt 2005 war der negative Höhepunkt einer von zahlreichen Verletzungen überschatteten Laufbahn. Sein 2,02 Meter großer und rund 115 kg schwerer Körper hatte den Belastungen des Profiboxens nicht standgehalten. Immer wieder musste Klitschko Kämpfe verschieben. Von April 2004 bis zum ungewollten Ende 2005 trug Klitschko den Titel der WBC und war damals als stärkster Weltmeister anerkannt.


