Adam Malysz: "Ich habe immer noch Probleme mit der Motivation"
ABENDBLATT: Wer ist Ihrer Meinung nach der Topfavorit des Weltcups in der neuen Saison?
ADAM MALYSZ: Ich bin nicht speziell originell in meiner Meinung: Wenn Janne Ahonen über solche Form verfügt wie in der letzten Saison, wird er natürlich wieder Hauptfavorit sein. Jakub Janda kommt auch in Frage. Er springt immer besser, obwohl er sehr bescheiden ist und sich selbst nicht zu den Besten zählt. In Kuusamo hat er aber schon wieder beweisen können, wie stark er ist. Der nächste ist Thomas Morgenstern, der entweder den Spitzenreitern auf Schritt und Tritt folgt, oder bereits selbst ein Leader ist. Zudem sind im Spitzenfeld noch Matti Hautamaeki und Roar Ljoekelsoey zu finden. Da sieht man eine ganz große Gruppe von Favoriten. Es gibt auch sicherlich solche, die noch in der Saisonmitte plötzlich von hinten nach vorne springen können.
ABENDBLATT: Was sagen Sie über die Chancen der deutschen Springer?
MALYSZ: Die Deutschen zähle ich zu der Favoritengruppe. Ihre Stärke ist vor allem die Mannschaft, obwohl sie auch eigene Top-Springer haben. Wir haben vor dem Saisonstart in Kuusamo zusammen trainiert, und ich habe sehen können, daß die Deutschen gut vorbereitet sind. Trotzdem war das Ergebnis von Michael Uhrmann hier in den ersten Wettkämpfen für mich eine Überraschung. Mit den Deutschen ist es im allgemeinen so, daß sie auf ähnlichem Niveau springen und der eine oder der andere immer mal ganz vorne in einzelnen Wettkämpfen ist. Ja, die Deutschen sind stark, dessen bin ich mir sicher.
ABENDBLATT: Diplomatisch haben Sie sich selbst nicht als Favoriten genannt. Dennoch haben Sie doch ein Minimalziel, oder?
MALYSZ: Ich habe kein Minimalziel, man soll aufs Ganze gehen. In Kuusamo bin ich gut gesprungen. Und es wird immer besser sein, die beste Form kommt noch. Die Form weiß übrigens selbst, wann sie kommen soll.
ABENDBLATT: Die Olympischen Winterspiele in Turin sind sicherlich Ihr Hauptziel. Davor wartet aber noch die Vier-Schanzen-Tournee. Bereiten Sie sich speziell darauf vor?
MALYSZ: Turin ist am wichtigsten, ich möchte aber bei der Vier-Schanzen-Tournee meine beste Form zeigen. Doch es ist in unserer Disziplin oft so, daß die Form einfach nicht voraussehbar ist. Man weiß nie, wann und wo alles endlich mal hundertprozentig klappt. Hoffentlich gelingt es in meinem Fall genau in den wichtigsten Momenten.
ABENDBLATT: Was ist Ihre Lieblingsschanze in Deutschland?
MALYSZ: Schwer zu sagen, und zwar deswegen, weil alle Schanzen gut sind, wenn man sich in entsprechender Form befindet, gut drauf ist. Und wenn diese gute Form manchmal plötzlich weg ist, dann hilft dir auch deine Lieblingsschanze nicht mehr. Wenn es aber um Deutschland geht, da habe ich schon einen Favoriten - Klassik pur in Garmisch-Partenkirchen.
ABENDBLATT: Und die olympischen Schanzen in Pragelato? Sind das moderne Objekte? Wer hat dort die besten Chancen?
MALYSZ: Ehrlich gesagt, bin ich von diesen Schanzen nicht begeistert. Dort weht es oft und stark. Dann spielt der Zufall manchmal eine große Rolle. Und die Olympiafavoriten? Dieselben wie in der ganzen Saison.
ABENDBLATT: Nach so vielen Jahren an der Schanze haben Sie keine Probleme mit der weiteren Motivation?
MALYSZ: Ich habe immer noch Probleme damit. Aber Probleme hat man, um sie zu lösen. Bei dem Motivationsmangel ist auch die Unterstützung der Familie, des Trainers wichtig. Gott sei Dank bekomme ich solche Unterstützung ständig.
ABENDBLATT: Sven Hannawald wird als Fernsehexperte über die Wettkäpmfe berichten. Glauben Sie, daß das für ihn eine richtige Entscheidung ist?
MALYSZ: Ich freue mich, daß Sven wieder da ist, wenn auch in einer neuen Rolle. Ich bin schon der Meinung, daß die Sender solche Leute als Mitarbeiter brauchen, die Ahnung haben, worüber sie reden. Und Sven weiß das wie kein anderer.






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