Hockey-EM: Schotten mit 5:1 überrannt
LEIPZIG. Ein Tor blieb Carlos Nevado im ersten Europameisterschaftsspiel seiner Hockey-Karriere zwar versagt. Dennoch hat der Stürmer vom Uhlenhorster HC seine EM-Premiere in Leipzig durchaus genossen. Immerhin gelang der deutschen Auswahl zum Auftakt ein souveräner 5:1-Kantersieg gegen Schottland.
Beim 0:6-Desaster gegen Olympiasieger Australien während des Hamburg Masters Mitte August schien Nevados EM-Einsatz kurzzeitig in Gefahr. "Das ist ja ein absolut Blinder", hatte sich Bundestrainer Bernhard Peters an der Seitenlinie echauffierte. "Einige Monate zuvor hätte mich das noch total verunsichert", sagt Nevado. Jetzt weiß er: "Das sind Sprüche im Affekt." Nach dem Abpfiff sei Peters wieder ganz der einfühlsame Pädagoge. Prompt war Nevado gegen die Niederlande der wunderschöne Treffer zum 2:1 gelungen.
Der gebürtige Frankfurter hat seinen Wechsel vom Main an die Elbe vor exakt einem Jahr nie bereut. Er habe seinerzeit eine Luftveränderung gebraucht und beim Uhlenhorster HC genau das gefunden, was er suchte. "Mit den Falcke- und Fürste-Brothers bilden wir beim UHC die Boygroup, die sich prächtig versteht, nicht nur auf dem Platz", sagt der 22jährige, der auch in der Nationalauswahl zu den Jüngsten gehört. So treffe man sich regelmäßig zu virtuellen Fußball-Turnieren an der Playstation. Oder trainiere mit dieser neuerdings gar die Stimmbänder beim Karaoke-Contest.
Viel mehr interessiert Bundestrainer Peters freilich, was Nevado am Krummstock zu leisten vermag. Der BWL-Student gilt nicht nur als exzellenter Techniker, er ist bei einer Größe von 1,73 m auch sehr wendig und eminent flink. Beim jüngsten 30-m-Test blieb der Linksaußen mit 3,76 deutlich unter der Vier-Sekunden-Marke. Ein absoluter Spitzenwert.
Den er offenbar auch seinem südländischen Temperament verdankt. Immerhin hat der Flügelflitzer, der mit vollständigem Namen eigentlich Juan Carlos Nevado Gonzalez heißt, südamerikanisch-hispanische Wurzeln. Vater Juan Carlos, der vor 13 Jahren einem Krebsleiden erlag, stammte aus Uruguays Hauptstadt Montevideo, Mutter Emilia kommt aus der Region Castilla de la Mancha, südlich von Madrid.
Für Peters paßt Nevado, der seinen Namen bewußt verkürzt hat, weil er die "ewig falschen Schreibweisen" leid war, hervorrangend in sein neues Konzept. Nach dem Ausscheiden vieler Leistungsträger mußte er acht Neulinge in die Auswahl integrieren, die neben den verbliebenen zehn Olympiateilnehmern in Leipzig spielen. Die erste Feuerprobe hat der Titelverteidiger bestanden. Gegen Belgien soll morgen (17.30 Uhr) der nächste Schritt gen Halbfinale (Sonnabend) folgen.
"Ich will mit meinem besten Hockey dazu beitragen, daß Bernhard Peters etwas ruhigere Stunden auf der Bank verbringt als beim Masters in Hamburg", sagt Carlos Nevado mit einem Augenzwinkern. Zumal Mama Emilia und Bruder Ricardo (15) am Wochenende extra in die sächsische Metropole kommen wollen.
Statistik: Deutschland - Schottland 5:1. - Tore: 1:0 Zeller (4.), 2:0 Emmerling (6.), 2:1 Ralph (20.), 3:1 Keller (32./KE), 4:1 Weißenborn (39./KE), 5:1 Keller (69.). - Zuschauer: 3500.






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