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Sport

Kleine Krieger des FC St. Pauli

Rugby: Die C-Schüler des Vereins wurden bei der deutschen Meisterschaft Fünfte.

Hamburg. Olivers Gesicht ist gezeichnet. Das rechte Auge ist dick geschwollen. Auch der große Kratzer auf der Wange sieht böse aus. Nur der Zehnjährige will die Aufregung nicht verstehen. Trotzig schiebt er seinen Mundschutz zurück, wischt sich den Dreck aus den Augen und sagt tapfer: "Tut doch gar nicht weh."

Beim Rugby geht es eben manchmal etwas härter zur Sache. "Man hat schon mal einen blauen Fleck, aber es gibt so gut wie keine ernsthaften Verletzungen", versucht Trainer Günther Meiners (44) zu beruhigen. Und auch Oliver denkt gar nicht daran, eine Pause einzulegen. "Wir spielen doch schließlich um die deutsche Meisterschaft." Selbst wenn es für die C-Schüler von St. Pauli im letzten Spiel am gestrigen Sonntag gegen Stahl Hennigsdorf aus Brandenburg "nur" noch um den fünften Platz geht, wollen die 14 Jungs und Mädchen im Alter zwischen zehn und zwölf Jahren noch mal alles geben. Wie Olivers Vorbild Jonny Wilkensen. Der wohl immer noch beste Spieler der Welt hat 2003 mit England den Weltmeistertitel gegen Australien gewonnen. Ähnliches möchte auch Oliver mal schaffen. Und überhaupt: "Wilkensen hätte doch auch nicht wegen eines Kratzers einfach aufgehört", sagt Oliver, dessen Mama Alexandra und Papa Christoph ebenfalls beide Rugby spielen, und zieht seine verdreckten braun-weißen Stutzen wieder hoch.

Auch Außenstürmerin Kaja ist nicht gerade zimperlich. "Meine Geschwister spielen auch Rugby. Ich finde es super, daß man hier mal richtig zur Sache gehen kann." Die Elfjährige und Freundin Michelle sind zwar die einzigen Mädchen bei St. Pauli, lassen sich von der zahlenmäßigen Überlegenheit der Jungs aber nicht wirklich beeindrucken. Selbst Mama Fenja (40) ist begeistert: "Anfangs war ich schon besorgt, aber mittlerweile sehe ich das entspannter. Gerade junge Mädchen können durch Rugby gut lernen, sich durchzusetzen."

Mit dem Durchsetzten hat Kaja sowieso keine Probleme. Die Gymnasiastin schnappt sich das Lederei, läuft locker und leicht bis zur Endzone, schmeißt sich in das sogenannte Malfeld und macht so fünf Punkte. Stolz klatscht Mama Fenja am Spielfeldrand Beifall: "Super gemacht, weiter so."

Nach zweimal sieben hart umkämpften Minuten siegt St. Pauli schließlich verdient mit 30:5 und sichert sich so den fünften Platz. Sieger bei den C-Schülern wurde der SC Neuenheim aus Baden-Württemberg, bei den B-Schülern (ohne Hamburger Beteiligung) die RG Heidelberg.

Und während sich die kleinen, verdreckten Nachwuchskrieger nach der Schlamm- und Regenschlacht im Rugby-Stadion Saarlandstraße auf den Heimweg machen, wartet auf Trainer Günther Meiners jetzt erst die wirkliche Arbeit: das Waschen der Mannschaftstrikots.

 

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