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Sport

Die Grande Nation vor dem Absturz

Ben Arous. Bertrand Gille saß vor dem Fernseher und war allein mit seinem Ärger. "Für einen Sportler ist es sehr schwierig, zusehen zu müssen und nichts tun zu können." Während der verletzte HSV-Kreisläufer sich am Mittwoch abend zu Hause in Quickborn frustriert im Sessel wand, befanden sich sein Bruder Guillaume und die anderen Kollegen von der französischen Handball-Nationalmannschaft ein paar tausend Kilometer weiter südlich noch im Schockzustand. Gastgeber Tunesien hatte ihnen im dritten WM-Vorrundenspiel gerade ein 26:26 abgetrotzt, tags zuvor war der zweimalige Weltmeister gegen Griechenland bereits sensationell 19:20 unterlegen.

Nun droht der ruhmreichen Equipe tricolore, neben Titelverteidiger Kroatien und Dänemark Topfavorit auf die Goldmedaille, ein ähnliches Schicksal wie den Fußballern bei deren kläglichem WM-Vorrundenaus 2002. "In so einer Situation haben wir uns noch niemals befunden", klagt Handball-Ikone Jackson Richardson. Wie schon gegen Griechenland hatte seine Mannschaft mit bis zu fünf Toren in Führung gelegen. "Daß wir dennoch nicht gewonnen haben, ist unverzeihlich. So eine Leistung dürfen wir nicht anbieten." Richardson, "der Außerirdische, der den französischen Handball neu erfunden hat" ("Le Figaro"), sieht nun seine Lebensplanung ins Wanken geraten. Nach mehr als 400 Berufungen ins Nationalteam und den WM-Triumphen 1995 und 2001 will der 35jährige in Tunesien den goldenen Abschluß seiner internationalen Karriere feiern.

Doch womöglich steht der von der Insel Reunion stammende "Magic Jack" einem dritten Erfolg selbst im Weg. "Richardson ist ein überragender Einzelkönner", attestiert HSV-Trainer Bob Hanning, "aber ich halte Guillaume Gille für mannschaftsdienlicher." Hamburgs Spielmacher gönnte Nationaltrainer Claude Onesta kaum Spielzeit.

Auch für den Coach ist Tunesien die letzte Chance. Bei Olympia war man im Viertelfinale an Rußland gescheitert. Sollte die Mannschaft der Grande Nation erfolglos aus dem einstigen Protektorat heimkehren, bleibt Onesta wohl nur eine Möglichkeit, seiner Entlassung zuvorzukommen: der Rücktritt. "Wir haben die 15 besten Einzelspieler der Welt", glaubt Onesta, "aber Handball wird zu siebt gespielt. Und da sind wir nicht die Stärksten."leo

 

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