10.01.05

Die kleinste Profiboxerin Deutschlands

Von Björn Jensen

Hamburg. Seit sie vor fünf Jahren beim BSV 19 zum ersten Mal die Boxhandschuhe überstreifte, hat Susi Kentikian vom Tag ihres Profidebüts geträumt. Am Sonnabend wird der Traum der 17jährigen Hamburgerin endlich wahr. Auf dem Universum-Kampfabend in Magdeburg soll sie nach 20 Amateurkämpfen zum ersten Mal professionell in den Ring steigen. "Es sind noch ein paar medizinische Details zu klären, aber wir wollen, daß Susi boxt", bestätigt Universum-Geschäftsführer Peter Hanraths.

Wieviel Mühe Kentikian auf ihrem Weg hinter sich brachte, kann man als Außenstehender nur schwer ermessen. 1996 kam sie mit ihrer Familie als Kriegsflüchtling aus Armenien nach Hamburg, lebte ohne Aufenthaltserlaubnis mehrere Jahre in Asylbewerberheimen. Nächte, in denen die Polizei die Familie aus dem Bett klingelte und zur Abschiebung zum Flughafen verfrachtete, hat sie mehrere erlebt.

Von Beginn an war sie auf sich allein gestellt. Die Mutter ist pflegebedürftig, der Vater, der sich mit Gelegenheitsjobs durchschlägt, leidet an Depressionen. Neben der Schule - Kentikian besucht nach erfolgreichem Hauptschulabschluß derzeit die Realschule - ging Susi putzen, um Geld zu verdienen. Im Boxen fand sie die nötige Ablenkung, um mit ihren Alltagssorgen fertig zu werden. "Im Training schwitze ich meine ganze Wut aus, da bin ich so fertig, daß ich an nichts anderes mehr denke", sagt sie.

Dieses harte Training brachte der quirligen Athletin schon früh Erfolge. Im Jugendbereich gab es schnell niemanden mehr, der gegen sie antreten wollte. Im Oktober 2004 wurde sie Deutsche Meisterin der Juniorinnen, die Meisterin der nächsthöheren Gewichtsklasse beförderte sie in ihrem bislang letzten Kampf mit zwei Aufwärtshaken durch die Ringseile auf den Punktrichtertisch. "Sie ist das größte Talent im Frauenboxen, das es in Deutschland gibt", so Hanraths.

Susi, die seit einem Jahr bei Magomed Schaburow im Universum-Gym trainiert, steht beim Spotlight-Stall unter Vertrag. Ihr Profidebüt wurde möglich, weil ihr Status endlich geklärt ist. Sie erhielt eine befristete Aufenthaltserlaubnis - und darf nun offiziell als Ernährerin der Familie in den Ring steigen. Was andere als Belastung ansehen würden, ist für Susi ein Lebenstraum. (bj)

  • Gerüchte, der seit Oktober 2002 in Haft sitzende Supermittelgewichtler Jürgen Brähmer solle in Magdeburg boxen, dementierte Universum-Chef Klaus-Peter Kohl vehement. "Das stimmt definitiv nicht. Jürgen trainiert zwar, aber wann er wieder boxt, ist völlig unklar. Wenn er Pech hat, muß er seine gesamte Strafe von dreieinhalb Jahren absitzen. Wir werden die Entscheidung der Staatsanwaltschaft abwarten und respektieren", sagte Kohl dem Abendblatt.

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