Schwimmen: Die Deutschen enttäuschen weiter: Antje Buschschulte weint nach Rang sechs - Australier Thorpe dominiert

Athen. Die Medaillenflaute der deutschen Schwimmer bei den Olympischen Spielen geht weiter. Am Montag belegte Weltmeisterin Antje Buschschulte über 100 m Rücken nur den enttäuschenden sechsten Platz. "Mein Gott, vier Jahre Training in den Wind", stammelte die 26-Jährige, ehe ihre Stimme versagte und die Tränen sich Bahn brachen. Nicht viel besser machte es anschließend die gebürtige Südafrikanerin Sarah Poewe (Wuppertal), die beim Sieg der Chinesin Xuejuan Luo über 100 m Brust Fünfte wurde.

Mehr zum Thema

Derweil zog Franziska van Almsick als Halbfinal-Sechste in 1:59,13 Minuten keineswegs souverän ins Finale über 200 m Freistil ein. Heute (18.43 Uhr) will die Weltrekordlerin mit ihrem ersten Olympia-Gold ihre Karriere krönen - ihre Form deutet aber nicht darauf hin. "Ich habe echt Probleme mit dem Wind und dem Wetter", sagte sie nach dem Halbfinale: "Aber es gibt keine Entschuldigungen, die Bedingungen sind für alle gleich. Morgen früh glaube ich bestimmt wieder mehr an den Olympiasieg." Bestzeit im Halbfinale schwamm die Italienerin Federica Pellegrini (1:58,02 Min.).

Van Almsick gab sich nach dem Halbfinale zwar noch entspannt, gab aber zu, "hinten raus echt Probleme" gehabt zu haben. Nervös war sie angeblich nicht: "Vielleicht ein bisschen, weil ich seit langem erstmals wieder auf internationale Konkurrenz getroffen bin." Auf die WM 2003 hatte die fünffache Europameisterin verzichtet, um sich auf Olympia zu konzentrieren.

Antje Buschschulte war dagegen von niemandem zu trösten. "Ich habe mich wirklich gut gefühlt", versicherte sie, vergeblich um Fassung bemüht: "Ich war auch voll konzentriert, es hat alles gepasst, aber dann habe ich das Wasser irgendwie nicht richtig zu fassen gekriegt." Ganze 1,02 Sekunden trennten sie am Ende von der souveränen Siegerin Natalie Coughlin (USA/1:00,37).

Auch die deutschen Männer konnten die enttäuschende DSV-Bilanz am dritten Wettkampftag nicht aufbessern. Steffen Driesen (Wuppertal) und Marco di Carli (Hamburg) kamen über 100 m Rücken auf die Plätze sieben und acht. Gold holte der US-Amerikaner Aaron Peirsol in 54,06 Sekunden. Der an einer Erkältung leidende Helge Meeuw (Wiesbaden) verpasste beim Olympia-Debüt das Halbfinale über 200 m Schmetterling um 8/100 Sekunden.

"Für mich sind weder das Halbfinale noch das Finale optimal gelaufen. Diese Spiele waren sehr gut zum Lernen, jetzt werde ich weiter hart trainieren und 2008 in Peking dann angreifen", sagte di Carli aus der Hamburger Trainingsgruppe von Dirk Lange, der seinen Platz in der Lagenstaffel an Driesen abtreten muss.

Cheftrainer Ralf Beckmann hatte seinen Athleten nach den Enttäuschungen der ersten beiden Tage am Morgen noch ausdrückliche Rückendeckung gegeben: "Kompliment an die Mannschaft. Keiner lässt den Kopf hängen." Nach drei Tagen zog er jedoch selbstkritisch Zwischenbilanz. "Wir steuern durch schweres Gewässer, ganz klar", sagte Beckmann. Vor allem Buschschulte stand im Zentrum seiner Kritik. "Antje ist hinter ihren Möglichkeiten geblieben."

Beckmanns Zwischenfazit: "Wir haben nicht die Ergebnisse, die wir uns erhofft haben." Dennoch gab er sich zuversichtlich: "Uns ist nicht bange vor dem, was auf uns zukommt. Das sehen alle so in der Mannschaft. Die olympischen Götter sind uns bis jetzt noch nicht gewogen. Aber das wird sich ändern."

Die Harmonie soll sich auch an den verbleibenden fünf Wettkampftagen auszahlen, an denen Beckmann noch gute Chancen auf ein deutlich besseres Abschneiden als beim Debakel von Sydney 2000 sieht. Damals gab es beim schwächsten Olympia-Abschneiden deutscher Schwimmer seit 1952 nur drei Bronze-Plaketten.

Für den Höhepunkt des gestrigen Schwimmtages sorgte das Gigantenduell der Männer - ohne deutsche Beteiligung - über 200 Meter Freistil. Am Ende jubelte Ian Thorpe. Der Australier setzte sich in 1:44, 71 Minuten gegen den Niederländer Peter van den Hoogenband (1:45,23) und US-Superstar Michael Phelps (1:45,32) durch.

Phelps dürfte trotzdem als weltbester Schwimmer gelten. In seinen verbleibenden drei Einzelrennen ist er jedesmal Goldfavorit, zudem bleiben ihm noch zwei Staffelchancen.sid/rg