"Wir sind Unternehmer in kleinem Rahmen"
Beachvolleyball: Dieckmann/Reckermann schlagen morgen als erstes deutsches Duo mit Gold-Chancen auf
Athen/Hamburg. Morgen beginnt im Olympia-Komplex Faliro das Beachvolleyball-Turnier. Noch vor den Ex-Europameisterinnen Stephie Pohl/Okka Rau (HSV) schlagen mit Markus Dieckmann/Jonas Reckermann die größten deutschen Medaillenhoffnungen auf. BWL-Student Dieckmann und Lehramtsstudent Reckermann haben sich in den Top Five etabliert, bis auf die Weltmeister Ricardo/Emanuel (Brasilien) schon alle Teams der Weltspitze besiegt.
ABENDBLATT: Herr Dieckmann, Herr Reckermann, Sie gelten als Fans des Bundesliga-Absteigers 1. FC Köln. Wo waren denn Leid und Qual zuletzt größer: auf der Tribüne des RheinEnergy-Stadions oder bei Ihrer Vorbereitung?
JONAS RECKERMANN: Es war schade, dass der FC abgestiegen ist. Aber wenn wir uns auf das Spiel vorbereiten, hat das nichts mit Qual oder mit Leid zu tun. Wir sind sehr fokussiert. Dass das nicht immer mit Spaß und Tralala verbunden ist, ist natürlich klar.
ABENDBLATT: Und was spricht dafür, dass im Beachvolleyball die Aufsteiger, die Olympia-Medaillengewinner, aus Köln kommen?
MARKUS DIECKMANN: Wir betrachten uns eigentlich als so eine Art Weiterentwicklung, das ging ja 2001 schon los und wurde jedes Jahr ein bisschen besser. Doch je höher man kommt, desto schwieriger wird es, einen draufzulegen. Wir sind selbst überrascht, dass das dieses Jahr wieder so ist. Wir versuchen, sehr konsequent zu arbeiten und das mit der nötigen Lockerheit zu kombinieren. Ich würde eher eine Vorlesung ausfallen lassen als ein Training.
ABENDBLATT: Als die Hamburger Jörg Ahmann/Axel Hager 2000 in Sydney mit Bronze die erste Medaille für die deutschen Beacher holten, krönten sie ihre Karriere. Sehen Sie sich als deren Erben?
DIECKMANN: Es steht außer Frage, dass sie Beachvolleyball weit nach vorn gebracht haben und ihn als Erste in Deutschland professionell betrieben haben. Aber es ist der Lauf der Zeit, dass die Nächsten kommen. Es war ja auch eher ein fließender Übergang. Wir sind halt das nächste Team, das erfolgreich spielt.
ABENDBLATT: Noch erfolgreicher!
DIECKMANN: Mit zwei Europameistertiteln und dem Sieg beim Grand-Slam-Turnier in Berlin haben wir schon was draufgepackt. Es wäre natürlich schön, wenn wir in Athen noch einen Teil dazu beitragen, dass es weiter aufwärts geht.
ABENDBLATT: Markus, Sydney 2000 haben sie nur als ,persönlicher Betreuer' Ihrer Freundin Maike Friedrichsen erlebt. War eigentlich die verpasste Olympia-Qualifikation der Hauptgrund für die sportliche Trennung von Ihrem Zwillingsbruder Christoph?
DIECKMANN: Es war die gesamte sportliche Entwicklung, unabhänging von den Resultaten. Die war in den zwei Jahren zuvor einfach nicht mehr so, wie ich mir das vorgestellt hatte - wie wir uns das vorgestellt hatten.
ABENDBLATT: Sie waren derjenige, der sagte: ,Lass uns trennen!'?
DIECKMANN: Er musste das zwangsläufig akzeptieren. Im Nachhinein war das auch für ihn die richtige Entscheidung. Jetzt ist Christoph mit Andi Scheuerpflug ja auch bei Olympia dabei.
ABENDBLATT: Müssen Beachvolleyballer auch Egoisten sein?
RECKERMANN: Man muss auch mal Sachen bei Seite schieben können, die nicht direkt mit dem Sport zu tun haben. Das kann man als Egoismus auslegen. Der ist im Beachvolleyball ausgeprägter als in anderen Teamsportarten, weil man ja nur zu zweit ist, es ist also fast ein Einzelsport.
DIECKMANN: Dazu kommt, dass wir unser Umfeld selbst zusammengestellt haben. Als Unternehmer, die wir in kleinem Rahmen sind, muss man auch unangenehme Entscheidungen treffen.
ABENDBLATT: Auf dem Court feiern Sie Ihre Punkte oft mit ausgeprägtem Abklatschen. Nur Show?
DIECKMANN: Ich bin schon ein sehr extrovertierter Typ, das gehört zu meinem Spiel. Ich kann sehr laut werden - aber nicht ständig. Es geht darum, die Energie in eine positive Richtung zu lenken und eine Spannung zu entwickeln. Mein Bruder etwa regt sich immer noch ein bisschen zu oft über sich selbst auf.
RECKERMANN: Ich bin eher ein ruhiger Typ. Es bringt nichts, mich auf dem Platz zu verstellen, es würde mich nur Kraft kosten.







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