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Sport

Fußball und Pferde sind Ulli Potofskis Leben

Hamburg. Es war ein ganz gewöhnlicher Renntag auf dem Hippodrom am Horster Schloss zu Gelsenkirchen, der dem Leben des Lehrlings Ulli Potofski den entscheidenden Kick verlieh. Gerade mal 15 Jahre alt, kratzte der Auszubildende im Hotelfach einen Teil seines Ersparten zusammen, zockte drei Pferde in der Dreierwett-Vollkombination mit 15 Mark und holte sich am Totalisator 852 Mark Gewinn ab. "Dieser grandiose Gewinn hat mein ganzes Leben beeinflusst", erinnert sich Potofski (51), der gestern bei n-tv das Derby übertrug, heute.

Einerseits manifestierte sich die Gewissheit, das Glück der Erde ruhe tatsächlich auf dem Rücken der Pferde, zumindest wetttechnisch. Andererseits gönnte sich der junge Sportsfreund für gut 400 Mark eine Anschaffung, die er sich sonst niemals geleistet hätte. Ulli erstand ein High-Tech-Tonbandgerät, Marke Grundig TK 21, verkroch sich in seine Lehrlingsbude im Bedienstetenflügel des Horster Schlosses und "spielte" Radio. "Stundenlang saß ich da, donnerte mit Inbrunst Reportagen in das Mikrofon und träumte von einer Karriere im Studio."

Dass sich die Sehnsucht später erfüllen würde und Ulli Potofski mit den ersten privaten Fußballrechten auf RTLplus groß wurde, basierte letztlich auf einem geglückten Wettcoup auf der Galopprennbahn. Auch wenn der Fernsehmann mit der Antenne für eine Moderation aus dem Bauch heraus als TV-Libero praktisch ausgebucht ist und mit seinem aktuellen Buch "Locke bleibt am Ball" und gut 20 000 verkauften Exemplaren auf Rang 16 der Spiegel-Jugendliste steht, ist eine Kombination dreier Leidenschaften selten.

Umso mehr genoss der gebürtige Gelsenkirchener es gestern, im Privatsender n-tv live über das Deutsche Derby berichten zu können. Mit Herzblut, Wortwitz und Kompetenz. Und einer "Kollegin" namens Marion Talke vom WDR an seiner Seite, die auch privat die attraktivere Hälfte ist. Als Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust überraschend vor die Kamera trat, war verbales Florett angesagt. Gut, dass Potofski seinen Wettschein schon vorher abgegeben hatte. Mit einem Strich hinter dem Hengst Fight Club.

Nur hinter den Kulissen war bekannt, dass der n-tv-Reporter den aufregendsten Augenblick des Tages nicht im gleißenden Scheinwerferlicht, sondern zweieinhalb Stunden zuvor im De-Boer-Zelte Preis erlebte. Als sein siebenjähriger Wallach Askant auf der Schlussgeraden alles gab und im Ziel Fünfter war. Der Kauf des Vollblüters hatte sich schon bezahlt gemacht. Von ihm im Jahr 2000 für 20 000 Mark erworben, hat der redliche Kämpfer mit Gewinnen von 80 000 Euro den Hafer längst verdient. Was man von der Traberin Eva November nicht behaupten kann, die der Fußball- und Pferdefreak zu Beginn seiner Besitzerlaufbahn erwarb. Die Stute brachte keine Mark nach Hause.

Das kann einen Typ nicht erschüttern, der seine Hobbies zum Beruf gemacht hat. Der im Gelsenkirchener Bermuda-Dreieck Hessler zwischen Galopp- und Trabrennbahn sowie dem Schalke-Stadion aufgewachsen ist, in dem die Knappen-Hymne von "1000 Feuern in der Nacht" um eine Variante erweitert ist: "1000 Pferde in der Stadt." Und der auch anderen gönnt. Wie dem Kellner im Vorjahr auf der Düsseldorfer Bahn, dem Potofski auf die Frage nach einem Fünf-Euro-Investment den Tip gab: "Nimm den Geburtstag deiner Frau." 27. Mai, also 2-7-5. Gesagt, gewettet. Der Kellner jubelte über 8000 Euro Wettgewinn, Potofski schlürfte verblüfft ein Pils.

Gestern, in Hamburg, gabs nur Selters.Jens Meyer-Odewald

 

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